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Heiß oder nur heiße Luft?EXPRESS diskutiert den Hype um Airfryer

Goldene und knusprige Hähnchen Nuggets füllen den Korb einer Heißluftfritteuse.

Knusprige Hähnchennuggets ohne (viel) Fett zubereitet: Der Airfryer verspricht dieses kalorienärmere Vergnügen – und das kommt in immer mehr Haushalten an. Aber: Es ist noch ein zusätzliches Küchengerät, dass die Arbeitsfläche vollstellt.

Heißluftfritteusen (inzwischen schlicht Airfryer genannt) boomen. Was hinter dem Trend steckt, wer aus der EXPRESS-Redaktion Fan ist und für wen das Teil bloß heiße Luft ist.

Ganz schön viel Wirbel um heiße Luft. Airfryer liegen voll im Trend. Allein von Januar bis September 2024 stiegen die Verkäufe in Deutschland um 73 Prozent, da war das Weihnachtsgeschäft noch gar nicht eingerechnet. 255 Millionen Euro wurden mit den Heißluftfritteusen gemacht, Tendenz weiter steigend. Unzählige Kochbücher kommen gerade mit passenden Rezepten auf den Markt. Da macht aber einer Wind. Zeit, dem mal auf den Grund zu gehen.

Schnell einsatzbereit, wenig Energie fressend – und die Küche riecht auch nach der Essenszubereitung nicht streng, selbst wenn man knusprige Pommes und krossen Backfisch auf dem Teller hat. Airfryer backen, grillen, frittieren, dörren, wärmen auf. Sie sind ideal für alle, die nicht so gerne ein großes Ding aus der Essenszubereitung machen. Die auch mal kleinere Portionen zubereiten, die schnell was zu Futtern auf dem Tisch haben wollen. Es gibt sie in verschiedenen Größen, für den Singlehaushalt und die Familie.

Tipps zum „Kochen“ mit der Heißluftfritteuse

Die Zeitersparnis ist enorm: Aufbackbrötchen sind in fünf Minuten fertig, eine TK-Pizza in acht bis zehn – und damit fast doppelt so schnell wie im Backofen, den man meist ja auch noch erst ausräumen und vorheizen muss. Auch der Airfryer wird vorgeheizt, aber das geht blitzschnell. „Für mich ist der Airfryer das spannendste Küchengerät seit Langem“, sagt Fernsehkoch Christian Henze. „Er vereint alles, was ich an guter Küche liebe: Er spart Energie, arbeitet fettarm, ermöglicht feines Braten und Garen, lässt sich im Handumdrehen reinigen und ist unglaublich vielseitig.“ Auch der italienische TV-Koch Gino D'Acampo schaute zunächst ein wenig verächtlich auf das neue Gerät. Heute hat er drei daheim. „Sie machen uns das Leben in der Küche viel einfacher.“

Airfryer oder Heißluftfritteuse, was denn nun? Beides beschreibt das gleiche Gerät, Airfryer war nur die Bezeichnung, die Hersteller Philips 2010 erstmals für sein Produkt verwendete. Mittlerweile wird der Begriff synonym für alle Heißluftfritteusen genutzt, dabei können sie viel mehr als nur frittieren. Es gibt jede Menge Zubehör und Schnickschnack, man kann aber auch alle Backformen etc. benutzen, die man auch im Backofen verwendet – sie müssen nur passen. Wirklich praktisch sind Backpapierschalen, die reduzieren den Reinigungsaufwand nochmals, wobei der Garkorb auch in die Spülmaschine darf. Pluspunkte sind die präzise Temperaturregelung, die voreingestellten Programme (für alle, die auf wirklich gar nichts achten wollen) und der Timer.

Die wichtigsten Tipps: „Kleine Portionen wie Pommes oder Grillgemüse nach halber Garzeit einmal im Korb schütteln. Den Korb nie überladen, fürs Einölen Pinsel oder eine Sprühflasche verwenden und sich bei Zeit und Temperatur zunächst an Herstellerangaben halten und anschließend erst an eigene Präferenzen anpassen“, rät Christian Henze.

Gino D'Acampo mahnt: „Immer vorheizen und den Airfryer nach jeder Benutzung reinigen.“ Das geht schnell mit etwas Wasser und Spüli, beides direkt in den Garkorb geben und in der Restwärme des Airfryers stehen lassen. Dann lösen sich mögliche Reste wie von selbst. 

PRO Airfryer: Ja, bitte! Erst skeptisch, dann doch überzeugt

EXPRESS-Redakteurin Marie Schäfers: Irgendwann habe ich nachgegeben. Mutti liegt einem jede Woche in den Ohren, wie sehr sie ihren Airfryer liebt. „Musst du auch haben!“ Na gut, bei einem Angebot schlug ich zu – und wunderte mich in den ersten Wochen, wie viel ungesünder ich seit dem Kauf aß. Pommes gab es sonst sehr selten, aus dem Backofen waren sie nicht so meins. Jetzt wurden sie superknusprig, Frittiertes ging auch schnell und so gut wie ohne Öl. Aber man isst eben auch mehr Frittiertes, mehr Convenience-Produkte. Nicht gut. Erst als ich mich intensiver in die Materie reingefuchst hatte, wurde das neue Gerät sinnvoller in den Alltag integriert. Das Aufbacken von Brötchen wird nur noch darüber erledigt. Spart Strom. Und meine Lieblinge sind knusprige Rosmarin-Drillinge aus der Heißluft.

Aber: Pfanne, Töpfe und Herd bleiben trotzdem meine besten Freunde in der Küche. Der Airfryer ist aber keines dieser Geräte, die einfach nur verstauben. Und: Das Teil hätte man mal früher erfinden sollen. In meiner winzigen Studentenbude damals wäre ein Airfryer ideal gewesen. Vor allem, weil die im 4. Stock lag und im Sommer brüllend heiß wurde. Das ist auch so ein Vorteil: Die Airfryer geben nicht so viel Wärme ab wie Backöfen. Wer keinen Airfryer hat und keinen vermisst, braucht auch keinen. Aber für viele ist es eine gute Ergänzung. Und eine, die erschwinglicher ist, als die teuren Multikocher & Co.

KONTRA Airfryer: Nein danke! Nicht noch ein Stehrümchen

EXPRESS-Redakteurin Stefanie Monien: Ich liebe Kochen. Und Essen. Auf Frittiertes hab ich einmal im Monat einen Jieper, der sich mit etwas Glück schnell wieder legt. Was ich überhaupt nicht mag, sind in meinen Augen überflüssige Küchengeräte, die berüchtigten „Stehrümchen“. Ja-ha, bevor mich jetzt sorgsam ge-airfryerte Drumsticks oder Kartoffelwürfel treffen: Die Dinger mögen ganz praktisch sein für Singlehaushalte, Menschen, die nicht gerne kochen und solche, die gern jeden Trend mitmachen: Grüße gehen raus an die Thermomix- und Ninja-Creamy/Slushi-Gemeinde ... Mir persönlich reichen mein Backofen (der aber mit allen Schikanen), Induktionsherd (okay, mit extragroßem Kochfeld), Pürierstab, Küchenmaschine (sozusagen das Multitool unter den Helferlein) und Pizzaofen (Geburtstagsüberraschung, schwöre!).

Und mit diesen Gerätschaften gibt's aus der „Fast-Food-Ecke“ Pizzas und Pinsas, Hähnchenkeulen und Hamburger und selbst gemachte Pommes. Jawohl, Pommes! Zweimal im hohen Topf auf dem Herd in Öl frittiert, abgetropft, mit Spezialsalz bepudert. Soll ja auch was Besonderes sein, dank Zauberstab mit selbst gemachter Mayo ... aber ich schweife ab. Denn im Gegensatz zu meinem Appetit ist meine Küche klein. Sehr klein! Mir dann noch die Ecken mit einem weiteren Backofen vollzustellen – nö. Für das Geld darf's ein gutes Messer sein. Oder eine Backmatte für den Backofen, wobei: Der hat ja laut Betriebsanleitung Airfryer-Funktion und Lochblech. Sachen gibt's ...