Kaum zu fassen: Ermittlungen gegen Sniper-Touristen.
Grausamer VerdachtZahlten Touristen Geld, um auf Menschen zu schießen?

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Menschen mit Blumenkränzen bei Gedenkveranstaltung.
Ein Vorwurf, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt: Sollen wohlhabende Urlauber im Bosnien-Krieg dafür gezahlt haben, auf wehrlose Zivilpersonen zu feuern? Beinahe 30 Jahre nach dem Ende des Konflikts leitet die Justiz in Österreich nun ein Verfahren gegen zwei mutmaßliche „Wochenend-Scharfschützen“ ein.
Auf eine Anfrage der Grünen-Politikerin und ehemaligen Justizministerin Alma Zadić hin bestätigte das Justizministerium in Wien, dass die Untersuchung schon seit Ende April läuft. Im Visier der Ermittler: ein Österreicher sowie eine zweite, noch nicht identifizierte Person. Diese „Wochenend-Scharfschützen“ werden als Kriegstouristen beschrieben. Sie sollen den bosnisch-serbischen Truppen viel Geld gegeben haben, um in Sarajevo tagelang auf Menschenjagd gehen zu können. Das berichtet „t-online“.
Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien, war von April 1992 bis November 1995 belagert. Die Bevölkerung litt vier schreckliche Jahre unter dem permanenten Beschuss durch Heckenschützen und die serbische Artillerie. In diesem Zeitraum verloren etwa 11.500 Männer, Frauen sowie Kinder ihr Leben, und über 50.000 Personen erlitten Verletzungen.
Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit geriet dieses entsetzliche Phänomen mit dem Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ von 2022. Unmittelbar nach dessen Erscheinen brachte die seinerzeitige Bürgermeisterin von Sarajevo, Benjamina Karić, die Sache zur Anzeige. Seither untersucht auch die Staatsanwaltschaft von Bosnien-Herzegowina den Fall wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen. Die Untersuchungen in Österreich fußen laut Angaben des Ministeriums auf eigenen Nachforschungen.
In seinem Werk „Die Wochenend-Scharfschützen“ führt der italienische Reporter Ezio Gavazzeni die Aussage eines Franzosen an, der behauptet, die „Touristen“ eskortiert zu haben. Laut seiner Schilderung stammten die Schützen aus diversen Nationen, wie Frankreich, Belgien, der Schweiz, Österreich und auch Russland. Bei den Tätern habe es sich vorwiegend um Männer im Alter von über 50 Jahren gehandelt. Eine Firma mit Sitz in Mailand soll diese grausamen Trips organisiert haben.
Alma Zadić, die Politikerin, die mit ihrer Anfrage den Stein ins Rollen brachte, verlangt eine vollständige Aufklärung. „Bei den Vorwürfen handelt es sich um schwerste Kriegsverbrechen, denen nachgegangen werden muss“, betonte sie. Für Straflosigkeit dürfe es keinen Raum geben. (red)
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