Nach der verheerenden Flut im Himalaya steigt die Zahl der Toten weiter. Mehr als 3.000 Menschen gelten als vermisst – darunter auch Deutsche. Einem Schuldirektor gelang eine fast wundersame Rettung.
Himalaya-KatastropheNeue Flutgefahr – Schuldirektor rettete rund 900 Kinder
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Flutwarnungen, Erdrutsche und ein neu entstandener See beeinträchtigen die Rettungsarbeiten im Katastrophengebiet zwischen Nepal und China.
Wie der chinesische Katastrophenschutz berichtete, wurde der See flussaufwärts des Grenzübergangs Gyirong im Südwesten Tibets entdeckt. Dort konzentrieren sich die chinesischen Sucharbeiten. Der See hat sich infolge der Sturzflut vom Mittwoch gebildet.
Rettungskräfte brachten sich nach Entdeckung des Sees in Sicherheit
Nach Angaben der Behörde war es an einem Fluss, der auf Hochchinesisch Purepuqiang-Zangbu heißt, zuvor zu einem Erdrutsch gekommen, woraufhin sich das Wasser staute. Rettungskräfte brachten sich nach der Entdeckung des Sees in Sicherheit, wie es am Sonntag (30. August, Ortszeit) hieß.
Auf ähnliche Weise hatte sich vor zwei Tagen ein See in dem Gebiet angestaut. Experten hatten befürchtet, dass der Damm aus Schlamm und Geröll den Wassermassen nicht standhalten und eine neue Flut das Tal hinunterstürzten könnte - das Wasser floss dann aber gefahrlos ab.
Derweil arbeiten die Rettungskräfte in Tibet und Nepal weiter mit Hochdruck an der Bergung. Immer wieder verschickten die nepalesischen Behörden Flutwarnungen über den Mobilfunk.
Darin riefen sie die Menschen in den betroffenen Gebieten auf, wachsam zu bleiben und sich nicht in der Nähe von Flüssen aufzuhalten. Ein Augenzeuge berichtete von vielen Menschen in der Region Battar im Bezirk Nuwakot, die Berge hinaufliefen, um an sichere Orte zu gelangen.
Schuldirektor rettete rund 900 Schülerinnen und Schüler
Wie nun bekannt wurde, hat ein geistesgegenwärtiger Schulleiter in Nepal durch eine sofortige Evakuierung rund 900 Schülerinnen und Schülern das Leben gerettet. Zudem konnte er Schulbusse mit Hunderten weiteren Kindern auf dem Weg zur Schule rechtzeitig umdirigieren.
„Ich erfuhr durch Anrufe von der Flutwelle etwa 15 Minuten, bevor sie unsere Schule tatsächlich traf“, sagte Rajenda Dawadi, Leiter der Sekundarschule in dem Ort Trishuli Baraar der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst hatten die BBC und die britische Zeitung „Daily Mail“ von der Rettung berichtet. „Ich sagte mir: Wenn es keine Flut gibt, verlieren wir einen Schultag. Aber wenn es eine Flut gibt, verlieren wir alle unser Leben“, erzählte Dawadi.
Die 900 Kinder in der Schule flüchteten demnach zu Fuß und einige mit einem Bus. Kurzzeitig sei Panik ausgebrochen. Eine in Ohnmacht gefallene Schülerin wurde mit einem Moped in Sicherheit gebracht. „Hätten wir die Entscheidung zur Flucht zehn Minuten später getroffen, könnten wir alle - einschließlich der Schüler und mir - heute nicht mehr mit Ihnen sprechen“, zitierte die BBC den Schulleiter.

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Menschen beobachten von einem Feld am Ufer des Flusses Trishuli das reißende Wasser.
Eine der geretteten Schülerinnen, die 16-jährige Yunisha, erzählte dem Sender, sie hätten sich nur Sekunden vor dem Hereinbrechen der Flutwelle in Sicherheit bringen können. Mit anderen sei sie einen schlammigen Weg hinter der Schule bergauf gerannt, als der Ort hinter ihr schon durch die Wasser- und Geröllmassen zerstört wurde. Vom Schulgebäude blieb fast nichts übrig. Ein Lehrer und der Hausmeister, der noch schnell die Türen schließen wollte, kamen ums Leben.
Deutsche in Tibet vermisst
Die Zahl der Toten steigt jedoch unaufhörlich. In Nepal wurden nach jüngsten Angaben der Polizei 788 Leichen entdeckt. Die Katastrophenschutzbehörde sprach von 781 Toten. China gab die Zahl der Toten in Tibet weiter mit 16 an, womit die Gesamtzahl auf rund 800 stieg. Mehr als 3.000 Menschen werden auf beiden Seiten insgesamt noch vermisst, darunter Hunderte Ausländer.
Erstmals seit der Flutkatastrophe nannten die Behörden in Tibet die Herkunftsländer der zuvor 261 als vermisst gemeldeten Ausländer. Darunter sind auch drei Deutsche. Nepals Tourismusbehörde hatte acht Deutsche als vermisst registriert. Unklar ist jedoch, ob es möglicherweise Dopplungen gibt, denn einige Deutsche hatten sich am Mittwoch zum Zeitpunkt der Sturzflut mit nepalesischen Reiseveranstaltern am Grenzposten Gyirong in Tibet befunden.
Eine vierköpfige Familie aus Deutschland hatte die Armee bereits per Hubschrauber in Sicherheit gebracht. Das Auswärtige Amt erklärte am Sonntag auf Nachfrage, die Botschaften in Peking und Kathmandu arbeiteten weiter an der „Sachverhaltsaufklärung“. Weitere Angaben machte die Behörde nicht.
97-Jährige nach Tagen gerettet
Währenddessen schwindet die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Und dennoch: Auf schier wundersame Weise hatten die Helfer in Nepal am Samstag eine 97 Jahre alte Frau aus den Trümmern eines Altenheims lebend gerettet. In einer Baggerschaufel fuhren Retter die Frau in Tupche an einen sicheren Ort.
„Als meine Großmutter hinausgehoben und auf den Bagger gesetzt wurde, lachte sie, als wäre sie eine Kriegerin, die siegreich aus dem Krieg zurückgekehrt sei“, sagte ihr Großneffe der britischen BBC.
Schicksal von Menschen in Tunnel unklar
Weiter unklar ist das Schicksal Hunderter vermisster Arbeiter an Staudammprojekten in Nepal. An einem der Wasserkraftwerke vermuteten die Behörden mögliche Opfer, die sich in einen Tunnel gerettet hatten. Für die komplizierte Such- und Bergungsoperation flogen mittlerweile Spezialtrupps aus Indien und China ein, um die Rettungsarbeiten zu unterstützen.
Am Sonntag gelang den Rettungskräften an dem Kraftwerk Upper Trishuli 3A, einen Zugang zu graben, wie ein Video in den sozialen Medien zeigte. Probleme bereitete jedoch laut offiziellen Angaben eine Flutwelle und ein damit steigender Wasserstand im Trishuli-Fluss von fünf bis zehn Metern.
Sorge vor Engpässen
Nepals Außenminister Shishir Khanal hatte neben Hilfe in der Rettungs- und Hilfsphase auch Unterstützung beim Wiederaufbau erbeten. Die USA sagten Hilfslieferungen in Höhe von 3,6 Millionen US-Dollar zu (etwa 3,1 Millionen Euro). Darin enthalten sei bis zu drei Monate lang Nahrungsmittelhilfe für bis zu 10.000 von der Flut betroffenen Haushalte, schrieb das US-Außenministerium auf der Online-Plattform X. Ein Erdrutsch an einer Autobahn zwischen Kathmandu und Südnepal könnte unterdessen Hilfslieferungen in das Katastrophengebiet erschweren. (dpa/red)

