Geburt wird zum Albtraum: Als die Geburtshelferin verschwindet, wird ein Vater zum Held.
Drama im KreißsaalPapa muss einspringen, weil Hebamme in Panik flieht

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Vater hält Babyfüße des Neugeborenen.
Aktualisiert
Was für ein unfassbarer Moment für ein Paar aus der englischen Stadt Banbury. Während der Entbindung ihrer Tochter verschwindet die verantwortliche Hebamme einfach aus dem Zimmer. Für die Mutter Jo Gray, eine Risikopatientin, und ihren Ehemann Matt beginnt ein Kampf gegen die Zeit.
Der Auslöser für die Flucht der Geburtshelferin war offenbar pure Panik, wie die Eltern berichten. Die Herztöne des Babys waren plötzlich abgefallen. Doch Matt Gray, der in der Vergangenheit als Rettungssanitäter tätig war, fackelte nicht lange.
Er übernahm die Situation und musste sein eigenes Kind entbinden. Das berichtet „FOCUS online“ unter Berufung auf die lokale Wochenzeitung „Banbury Guardian“.
„Wir mussten das Baby selbst zur Welt bringen“
Die Mutter Jo Gray beschreibt die dramatischen Augenblicke: „Mir war sofort klar, dass der Kopf geboren wurde und keine Hebamme mehr da war – sie war weg“.
Ihr Mann Matt ergänzt gegenüber dem „Banbury Guardian“: „Nachdem die Hebamme zum zweiten Mal weggelaufen war, wurde mir klar, dass wir das Baby selbst zur Welt bringen mussten“. Nur Momente später kam die kleine Cleo zur Welt – mit der Nabelschnur um den Hals.
Das Klinikpersonal soll erst nach der Geburt wieder im Raum erschienen sein. Inzwischen hat sich das Krankenhaus für den schrecklichen Vorfall entschuldigt. Ein Sprecher bedauerte laut „Banbury Guardian“ die „schwierige Geburtserfahrung“, die offensichtlich nicht den hauseigenen Standards entsprochen habe. Der Vorfall werde nun vollständig aufgeklärt.
Personalmangel: Kein Einzelfall in Europa
Dass Frauen bei der Geburt in Kliniken zeitweise sich selbst überlassen sind, ist leider keine Seltenheit. Der Hauptgrund ist akuter Personalmangel. Im britischen Gesundheitssystem fehlen nach Angaben der Hebammenorganisation Royal College of Midwives (RCM) ungefähr 2500 Fachkräfte.
Auch hierzulande ist die Situation seit Jahren angespannt. In vielen Krankenhäusern betreuen Hebammen oft vier bis fünf Gebärende zur selben Zeit, wie der „Spiegel“ berichtete. Zusätzlichen Streit verursacht ein neuer Vergütungsvertrag für Hebammen, der im November 2025 in Kraft tritt.
Obwohl manche Leistungen besser vergütet werden, könnten viele freiberufliche Geburtshelferinnen durch ein neues Abrechnungsmodell am Ende weniger Geld haben. Verbände schlagen Alarm und warnen vor Einkommenseinbußen und weiteren Engpässen bei der Geburtshilfe. (jag)

