Wegen Böller-Attacken: Bahn-Security kriegt Polizei-Helme
„Ganz anderes Level“Bahn-Sicherheitskräfte testen jetzt Schutzhelme wie die Polizei.

Copyright: Britta Pedersen/dpa
Die beiden Initiatoren des Pilotenprojekts mit ihren Schutzhelmen.
Die Gewalt eskaliert, die Angriffe werden brutaler. Sicherheitsleute der Deutschen Bahn sind immer öfter Zielscheibe. Jetzt zieht der Konzern die Notbremse – mit einer Maßnahme, die man sonst nur von Spezialeinheiten kennt.
Eine Ausrüstung, die man sonst nur von der Bundespolizei kennt, könnte bald auch bei der Deutschen Bahn Standard werden: Schutzhelme. In Berlin erprobt der Konzern von Juni bis Dezember diese Kopfbedeckungen bei seiner Mobilen Unterstützungsgruppe (MUG). Diese Einheit kommt etwa bei Demonstrationen oder Fußballspielen zum Einsatz.
Der Anstoß für diese Maßnahme kam direkt aus den eigenen Reihen. Zwei Angehörige der Spezialeinheit brachten das Thema bei einem Sicherheitsgespräch der Bahn auf den Tisch.

Copyright: Britta Pedersen/dpa
Einer der beiden Initiatoren schildert seinen Arbeitsalltag.
„Ein ganz anderes Level“
„Wir sind immer öfter mit Einsatzsituationen in Konflikt gekommen, die das übersteigen, was wir kannten“, offenbarte einer der Initiatoren gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Insbesondere bei Silvesterfeiern oder Fußballpartien seien die Sicherheitsleute vermehrt mit feindseligen Personengruppen konfrontiert worden. Es kam demnach sogar zu Raketenbeschuss und Würfen mit Böllern. „Das hat noch mal ein ganz anderes Level angenommen.“
Die MUG in der Hauptstadt besteht aus 15 speziell geschulten Einsatzkräften. Ihre Aufgabe ist die Unterstützung bei außergewöhnlichen Lagen, wobei sie häufig Seite an Seite mit Hundertschaften der Bundespolizei agieren.
Bisher gab es eine gefährliche Ungleichheit bei der Ausrüstung. Während sich Polizeibeamte in heiklen Momenten durch Helme schützen konnten, waren die Mitarbeitenden der Bahn ungeschützt. „Wenn ich keinen Helm habe und bin aber in einer Reihe unterwegs, dann ist ja klar, wo das Gefährdungspotenzial am größten ist“, erläuterte DB-Personalvorstand Martin Seiler gegenüber der dpa. Er betonte, dass Bahnpersonal bei gemeinsamen Einsätzen mit der Bundespolizei eine ähnliche Schutzausrüstung benötigt.

Copyright: Britta Pedersen/dpa
Für Seiler sei die Forderung nach Schutzhelmen «einleuchtend» gewesen.
Bundesweiter Einsatz ab 2027 denkbar
Die Helme sollen jedoch nicht zur ständigen Uniform gehören. Laut Bahn wird der Kopfschutz nur dann angelegt, wenn eine Situation zu eskalieren droht. Davon versprechen sich die Einsatzkräfte einen besseren Schutz, um selbst in brenzligen Momenten die Kontrolle zu behalten.
Sollte sich das Pilotprojekt als erfolgreich erweisen, ist laut DB eine deutschlandweite Einführung der Schutzhelme ab dem Jahr 2027 denkbar. Zur bisherigen Ausrüstung der MUG-Angehörigen zählen Einsatzhandschuhe, Handfesseln und ein Einsatzstock. Außerdem tragen sie eine Schutzweste, eine Einsatzkoppel und haben Tierabwehrspray dabei. In ganz Deutschland sind diese Spezialeinheiten an zehn verschiedenen Standorten stationiert.

Copyright: Britta Pedersen/dpa
Die Schutzhelme können an der Uniform befestigt und sollen erst aufgesetzt werden, wenn eine Situation zu eskalieren droht.
Zahl der Angriffe auf Bahn-Personal explodiert
Ein besonders tragischer Vorfall, der für deutschlandweites Entsetzen sorgte, war der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter. Die Tat ereignete sich Anfang Februar während einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalzug in der Westpfalz.
Als Reaktion darauf hat die Bahn weitere Sicherheitsvorkehrungen eingeleitet. Personal mit Kundenkontakt kann sich auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausrüsten lassen. Im dritten Quartal plant der Konzern außerdem, Geräte mit Tonaufzeichnung zu erproben. Darüber hinaus soll es mehr Sicherheitspersonal geben, die Deeskalationstrainings werden erweitert und auf manchen Strecken wird eine Besetzung mit zwei Zugbegleitern getestet.
Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen wird durch Zahlen der Bundesregierung untermauert: Im Jahr 2025 wurden circa 2.690 Attacken auf Bahnpersonal erfasst. Das entspricht einem Anstieg von ungefähr elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
