Bizarre BilderZahnbelag und Todeskeime: Erkennen Sie alles unterm Mikroskop?

Bärtierchen unter dem Elektronenmikroskop

Faszinierend und fies gleichzeitig – so könnte man das Objekt beschreiben, das hier unter dem Elektronenmikroskop (undatierte Aufnahme) riesig erscheint. Was es ist, erfahren Sie in der Bildergalerie im Text. Kleiner Tipp: Es ist weder ein Alien, noch klingelt es zu Halloween an Ihrer Haustüre...

Es sind faszinierende Bilder, die uns modernste Mikroskope liefern. Wir erinnern an einen Pionier der Mikroskopie – und zeigen eine kleine Welt ganz groß.

von Stefanie Monien (smo)

Wir kennen Louis Pasteur, Paul Ehrlich und Robert Koch: Den Bakteriologen mit Blick fürs mikroskopisch Kleine verdanken wir, dass Krankheiten wie Tollwut, Tuberkulose oder Diphterie ihren tödlichen Schrecken weitgehend verloren haben.

Sie forschten zu Bakterien, entwickelten Medikamente und Impfsera. Aber ohne einen Mann, der vor 390 Jahren im niederländischen Delft geboren wurde, hätte sich die Bakteriologie womöglich nicht so entwickelt, wie wir sie kennen: Antoni van Leeuwenhoek gilt als Erfinder der modernen Mikroskopie.

Antoni van Leeuwenhoek: Pionier der Mikroskopie und Bakteriologie

Wie viele große Erfindungen entstand auch das Mikroskop durch Zufall – beziehungsweise Neugier. Der gute Herr van Leeuwenhoek (dt. Löwenecke) erblickte am 24. Oktober 1632 in Delft das Licht der barocken Welt.

Heute würde man ihn als Kind des Mittelstands bezeichnen, sein früh verstorbener Vater war Korbmacher, sein Stiefvater Maler – als Jugendlicher lebte er bei seinem Onkel, einem Rechtsanwalt. Der Juristerei weniger zugetan als den schönen Dingen, ging er bei einem Tuchhändler in die Lehre und eröffnete später in Delft einen Tuchhandel.

Reich wurde er, nachdem ein Munitionsdepot in Delft explodiert war, Häuser deswegen in Trümmern lagen und viele Delfter neue Kleider brauchten – Kleider aus Tuch. Das Geld floss – und Antoni van Leeuwenhoek konnte sich seiner Leidenschaft widmen: dem Schleifen von Linsen bzw. dem Mikroskopieren.

Denn im 17. Jahrhundert gab es einen „Vergrößerungs-Hype“ mit Flohgläsern, durch die man Milben sowie Flöhe bestaunen konnte. Und Erfahrung mit Glaslinsen hatte er als Tuchhändler – die Gewebe wurden unter dem „Vergrößerungsglas“ einem Gütetest unterzogen. Zu erster Güte verhalf er auch seinen Glaslinsen.

Wie er das machte, ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt. Die Uni Utrecht jedenfalls besitzt ein Leeuwenhoek’sches Mikroskop (zwei vernietete Kupferplatten mit einer Mini-Linse), das 266-fach vergrößert. Beeindruckend für die damalige Zeit – heute allerdings gibt’s Mikroskope mit rund 1000-facher Vergrößerung.

Und was van Leeuwenhoek alles erblickte unter seinen Selbstbau-Superaugen: Er mikroskopierte seinen Zahnbelag, sah als erster Mensch winzige Wesen darin herumflitzen. Es waren Bakterien, er nannte sie „Animacula“. Er, der nie die Gelehrtensprache Latein lernte, war das Musterbeispiel eines „Selfmade-Wissenschaftlers“. Leeuwenhoek schrieb an die Wissenschafts-Akademie „Royal Society“, erlangte als Quereinsteiger Superstar-Status: Unzählige Promis strömten zu ihm und seinen Mikroskopen nach Delft.

Denn van Leeuwenhoek zeigte rote Blutkörperchen riesengroß, der russische Zar konnte sich, so beschreibt es „Zeit Wissen“, „nicht sattsehen am wunderbaren Blutkreislauf im Schwanz eines Aals“. Der Niederländer entdeckte 1677 Spermatozoen bei Mensch und Hund und revolutionierte mal eben Religion und Wissenschaft, indem er nachwies, dass sich alles Leben aus Zellen entwickelte.

Als der „Bakterienvater“ 1723 im biblischen Alter von 90 starb, hinterließ er neben mehr als 550 Mini-Mikroskopen ein gigantisches Erbe: Moderne Technik vom Computer bis zur Biochemie wäre ohne seine Pionierleistung nicht möglich!