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Spaziergänger alarmieren BehördenWas sind das für schwarze Klümpchen an der Ostsee?

Schwarze Klumpen am polnischen Ostseestrand: Was genau da angespült wurde, kann nicht einmal ein Labor sagen.

Copyright: Urząd Morski w Słupsku (Polnisches Seeamt Słupsk)

Schwarze Klumpen am polnischen Ostseestrand: Was genau da angespült wurde, kann nicht einmal ein Labor sagen.

Aktualisiert:

Auf fast 50 Kilometern hat die Ostsee in Polen schwarze Klumpen an die Strände gespült. Ein Labor weiß nur, dass sie größtenteils aus Erdöl bestehen. Woher sie genau kommen, bleibt wohl für immer offen.

Ein Samstag Ende September im polnischen Ustka. Spaziergänger gehen am Wasser entlang, der Sand ist hell, die Ostsee ruhig. Dann sehen sie die ersten schwarzen Punkte im Sand, danach immer mehr. Es sind klebrige Klümpchen, manche nur so groß wie eine Erbse. Die Spaziergänger alarmieren die Behörden. Damit beginnt ein Rätsel, das bis heute niemand lösen kann.

Seit Ende September beschäftigt die eigenartige Verschmutzung das Seeamt im polnischen Słupsk. Auf fast 50 Kilometern Küste hat die Ostsee die Klumpen an die Strände gespült, von Rowy in der Woiwodschaft Pommern bis Wicie in Westpommern. Am Montag (28. September) veröffentlichte das Amt seine erste Warnung. Die Badegäste sollten die Substanz nicht anfassen, sie nicht vom Strand mitnehmen, sie nicht mit nach Hause bringen und Hautkontakt vermeiden. Einen Tag später wurden die Strände in Ustka vorübergehend gesperrt.

Labor: „Substanz ist verschmutzt“

Inzwischen liegen die Ergebnisse vor. Die Proben gingen an ein Labor in Danzig. Fest steht, dass die Substanz größtenteils aus Erdöl besteht. Was genau sie ist oder woher sie stammen könnte, konnte das Labor nicht bestimmen. Nach seiner Einschätzung ist ein kurzer Kontakt mit dem Stoff aber „keine Gefahr für Gesundheit und Leben“.

Die Proben gingen an ein Labor in Danzig. Fest steht, dass die Substanz aus Erdöl besteht.

Copyright: Urząd Morski w Słupsku (Polnisches Seeamt Słupsk)

Die Proben gingen an ein Labor in Danzig. Fest steht, dass die Substanz aus Erdöl besteht.

Weitere Untersuchungen wird es nicht geben. Das sagte die Direktorin des Seeamts, Anna Sędzińska, der Nachrichtenagentur PAP: „Wir werden keine zusätzlichen Untersuchungen in Auftrag geben. Das wäre mit hohen Kosten verbunden, und das Labor hat uns geantwortet, dass eine eindeutige Feststellung, was diese Verschmutzung ist, unmöglich ist, weil die Substanz verschmutzt ist. Wir haben sie vom Strand aufgesammelt.“

Mit Schaufel, Harke und Sieb

Weil der Stoff aus Erdöl besteht, stuft das Amt ihn als gefährlichen Abfall ein, der also besonders entsorgt werden muss. Die Mitarbeiter des Seeamts haben die Strände in Rowy, Dębina, Poddąbie, Orzechowo, Przewłoka und Ustka gereinigt. Der Abschnitt reicht vom Słowiński-Nationalpark bis zum Truppenübungsplatz der Luftwaffe. Gearbeitet wurde mit Schaufeln, Harken und Sieben, mit denen sich die kleinsten Teilchen vom Sand trennen lassen. Nach Angaben des Amts musste der Strand dafür „zu großen Teilen von Hand“ gesäubert werden.

Insgesamt kamen rund 2100 Kilogramm verschmutztes Material zusammen. Darin stecken auch Sand und andere Reste, die beim Aufsammeln mitgenommen wurden. Alles liegt in Spezialsäcken auf einem Gelände, das das Seeamt dafür bestimmt hat. Die Sperrung in Ustka wurde nach den Aufräumarbeiten wieder aufgehoben.

Einige Strände sind wieder frei

Viele Abschnitte der Strände sind inzwischen wieder sauber. Doch an einigen Stellen können noch immer kleine Reste liegen, die sich nur schwer ganz entfernen lassen, teilen die Behörden mit. Diese sollen erneut kontrolliert und nachgereinigt werden.

Insgesamt kamen rund 2100 Kilogramm verschmutztes Material zusammen. Darin stecken auch Sand und andere Reste, die beim Aufsammeln mitgenommen wurden.

Copyright: Urząd Morski w Słupsku (Polnisches Seeamt Słupsk)

Insgesamt kamen rund 2100 Kilogramm verschmutztes Material zusammen. Darin stecken auch Sand und andere Reste, die beim Aufsammeln mitgenommen wurden.

Ganz verschwinden werden die Klümpchen ohnehin nicht. Das Amt teilte mit, dass „auf den geöffneten Strandabschnitten weiterhin einzelne, kleine Reste der Verschmutzung in Form von Klümpchen einer Substanz auf Erdölbasis vorkommen können“. Eine vollständige Beseitigung sei „wegen sehr feiner Teilchen, deren Größe der von Erbsen entsprechen kann“, nicht möglich.

Kommt noch mehr aus dem Meer?

Direktorin Sędzińska rechnet damit, dass die Ostsee noch mehr anspült: „Wir gehen davon aus, dass diese Substanz hier und da auch später noch auftauchen kann, das Meer kann sie noch anspülen. Wir werden die Lage beobachten. Ich denke, noch einige Wochen lang. Erst danach, wenn wir die Menge des gesammelten Abfalls kennen, suchen wir einen Betrieb, der ihn entsorgt. Bis dahin bleibt er auf unserem Gelände.“

In sozialen Netzwerken schreiben mehrere Anwohner und Urlauber, die klebrige Masse lasse sich kaum von Schuhen und Kleidung entfernen.

Verdächtiges Schiff untersucht

Bleibt die Frage, woher die Klumpen kommen. In einem Verfahren soll geklärt werden, wie der Stoff ins Meer gelangt ist. Nach Angaben von polnischen Medien stand zeitweise der Verdacht im Raum, dass jemand auf See verbotenerweise Schiffstanks gereinigt hat. Die Behörden nahmen bei einem verdächtigen Schiff Proben. Ein Zusammenhang konnte bisher aber nicht nachgewiesen werden.

Viel Hoffnung macht sich die Direktorin nicht. Ihrer Einschätzung nach wird das Verfahren damit enden, dass „kein Verursacher ermittelt wird“. „Das ist schwierig. Wir versuchen noch, Ermittlungsschritte zu unternehmen, aber ich weiß nicht, ob sie erfolgreich sein werden“, sagte Sędzińska. (mg)