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Auch der Papst will kommen800 Jahre war es versteckt – jetzt darf es jeder sehen

Papst Leo XIV. spricht bei seiner Ankunft in der Pfarrei Santa Maria Regina Pacis in Ostia, um sich mit der örtlichen katholischen Gemeinde zu treffen.

Copyright: Gregorio Borgia/AP/dpa

Papst Leo XIV. will nach Assisi reisen, um ein einzigartiges Erlebnis zu bekommen. 

Der Kult um Reliquien ist in der katholischen Kirche immer noch verbreitet. Nun stellt sie erstmals die Knochen eines ihrer prominentesten Heiligen zur Schau. Erwartet werden Hunderttausende Besucher.

Die Stadt Assisi mit ihren 27.500 Einwohnerinnen und Einwohnern hat nicht weniger als fünf Heilige: Franz von Assisi, der bekannteste von allen, sowie Klara, Agnes, Rufinus, alle ebenfalls von Assisi, und Carlo Acutis. Ergibt einen (beziehungsweise eine) auf 5.500 Einwohnerinnen und Einwohner. Pro Kopf der Bevölkerung liegen in keiner anderen Stadt der Welt mehr Heilige begraben als hier in den Hügeln von Umbrien, auch nicht im zwei Autostunden entfernten Rom.

Wobei: Begraben stimmt nicht ganz – und von diesem Sonntag an wird es einen Monat lang noch weniger stimmen: 800 Jahre nach seinem Tod werden die Gebeine des Heiligen Franziskus erstmals zur Schau gestellt. Dazu werden seine Knochen – nach all den Jahrhunderten und der Feuchtigkeit porös und etwas schwarz – aus der Krypta der Basilika San Francesco feierlich nach oben gebracht.

Nach 800 Jahren wird bedeutender Sarg geöffnet

Der Gründer des Franziskanerordens (1181/82-1226) tritt damit gewissermaßen in Konkurrenz zum neuesten Heiligen der katholischen Glaubensgemeinschaft. Denn nur wenige Hundert Meter von der Basilika entfernt, in der Wallfahrtskirche Santa Maria Maggiore, ruht ebenfalls im Tageslicht Carlo Acutis. Die Leiche des Italieners, der 2006 mit 15 Jahren an Leukämie starb, liegt in einem Sarkophag mit Glasscheibe, durch die man hineinsehen kann.

Seit seiner Heiligsprechung durch Papst Leo XIV. im vergangenen Jahr ist Acutis rund um die Welt als erster „Internet-Heiliger“ bekannt. Von den mehr als 3,5 Millionen Besuchern, die übers Jahr hinweg nach Assisi kommen, ziehen die meisten nun auch bei ihm vorbei. Auch viele Schulklassen: Der Blick auf den toten Teenager in Jeans und Turnschuhen verspricht einen gewissen Gruselfaktor, auch wenn Gesicht und Hände mit Silikon nachmodelliert wurden.

In Assisi, wo sie mit dem Devotionalienhandel große Erfahrung haben, werden inzwischen ähnlich viele Acutis-Souvenirs verkauft wie Erinnerungsstücke an den Heiligen Franziskus. Das Geschäft mit Holzfiguren, Bildern und Rosenkränzen (vor allem Franz), aber auch mit Jutebeuteln, T-Shirts und Kühlschrankmagneten (vor allem Carlo), läuft offensichtlich bestens. Die Souvenirshops reihen sich dicht an dicht.

Bis Mitte März, solange die Gebeine des Heiligen Franz in seiner Kirche ausgestellt sind, wird das Gedränge vermutlich noch größer sein. Auf der Internet-Seite („San Francesco vive“ / „Der Heilige Franziskus lebt“), wo ein Zeitfenster gebucht werden muss, haben sich schon mehr als 350.000 Besucher angemeldet. Auch Pilgerfahrten („Neun Tage, mit Papstaudienz in Rom, einfaches Mittelklassehotel, ab 1.598 Euro“) sind im Angebot.

Aus Angst vor Grabräubern jahrhundertelang versteckt

Von den katholischen Heiligen ist Franz einer der bekanntesten – nicht erst, seit der im vergangenen Jahr verstorbene Papst Franziskus seinen Namen übernahm. Der Sohn eines reichen Tuchhändlers aus Assisi sagte sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit Anfang 20 von seiner Familie los, verschrieb sich dem Glauben und führte ein Leben in absoluter Armut.

Schon zwei Jahre nach dem Tod mit Mitte 40 wurde er für heilig erklärt. Sein Leichnam wurde an einem versteckten Ort tief in die Erde eingelassen, auch aus Angst vor Grabräubern.

Dort blieb er fast sechs Jahrhunderte lang. 1818 gab Papst Pius VII. den Franziskanern die Erlaubnis, das Grab freizulegen. Für den Sarkophag baute man in der Unterkirche der Basilika eigens eine neue Krypta. Seither wurden die Knochen mehrfach wissenschaftlich untersucht und auf Echtheit geprüft, zuletzt 2015. Damals bekamen bei einem Abendgebet auch Mönche die Reliquien zu sehen. Für alle Anderen blieb es bislang beim Blick auf den Sarkophag mit der schlichten Aufschrift „San Francesco“.

Italien bekommt Feiertag zu Ehren des Schutzpatrons wieder

Nun jedoch werden die Reliquien für die Allgemeinheit zu sehen sein. Begründet wird dies damit, dass Gläubigen zum 800. Todestag ein „unmittelbares, sinnliches Erlebnis“ ermöglicht werden solle. Aller Säkularisierung zum Trotz ist der Reliquienkult in der katholischen Kirche immer noch sehr lebendig, wie man auch am Umgang mit Acutis sieht. Dessen Herz, eingefasst in Gold, ging auch schon durch deutsche Städte wie München, Köln und Berlin auf Tour.

Die Ausstellung dauert bis zum 22. März. In Italien, als dessen Schutzpatron Franz von Assisi gilt, gehen die Feierlichkeiten auch danach weiter. Auch Papst Leo hat sich in Assisi angesagt. Der 4. Oktober, der mutmaßliche Todestag des Heiligen, wurde vom Parlament in Rom kürzlich sogar zum gesetzlichen Feiertag erklärt – so wie er das bis Mitte der Siebziger Jahre schon einmal war. (dpa)

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