Gangsterboss-Bubi Gladow wollte wie Al Capone sein und landete auf dem Schafott

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Werner Gladow und seine Komplizen beim Prozess in Ostberlin (v.l.n.r. Dietrich Bohla, Kurt Gaebler, Werner Gladow, Wellnitz und Papke).

Berlin – Werner Gladow war erst 19 Jahre alt, als der Henker vor 70 Jahren mit dem Fallbeil sein kurzes Leben in Frankfurt/Oder beendete. Der Gangster mit dem Bubigesicht war der berüchtigtste Bandenchef im Berlin der Nachkriegszeit – bis in die Haarspitzen voller krimineller Energie, skrupellos und eiskalt.

Sein großes Vorbild war Al Capone (1899-1947), der legendäre Mafia-Boss. So berühmt, gefürchtet – und natürlich auch so reich – wie der amerikanische Gangster einst in Chicago war, wollte Gladow werden...

Werner Gladow verkaufte Zigaretten auf dem Schwarzmarkt

Zurück von der Front, an die ihn die Nazis noch mit dem letzten Aufgebot kurz vor dem Zusammenbruch geschickt hatten, schlug sich der 16-jährige Sohn eines Metzgers aus Berlin-Friedrichshain zunächst als Kleinkrimineller durch.

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Auf dem Schwarzmarkt am Alexanderplatz liefen seine Geschäfte mit Zigaretten in Zeiten des Mangels und wertlosen Geldes bestens – Tabak war das Zahlungsmittel schlechthin, für das man fast alles bekam.

Er trug den Spitznamen „Doktorchen“

„Doktorchen“ nannten sie den Jungen bewundernd in der Szene, weil er behauptete, einige Semester Medizin studiert zu haben. Doch der Schwarzmarkt langweilte Gladow bald. Er wollte mehr.

So wie Werner Papke, den er beim Absitzen einer Jugendstrafe im Knast kennengelernt hatte. Kaum wieder auf freiem Fuß, besorgte Papke seinem neuen Kumpel eine Pistole – der Anfang vom Ende einer abenteuerlichen Schwerverbrecherkarriere.

Gladow und Papke überfielen Polizisten

Los ging es mit Überfällen auf Volkspolizisten, die im geteilten Berlin die noch durchlässige Sektorengrenze im sowjetischen Teil der Stadt bewachten. Die Entwaffnung war ein Kinderspiel, und die Berliner lachten sich schlapp über die Art und Weise, wie die Vopos „von drüben“ lächerlich gemacht worden waren.

Binnen kurzer Zeit hatten Gladow und Papke ein ansehnliches Waffenarsenal erbeutet – ohne dass die Polizei ihnen auf die Spur kam.

Mit 17 gründete Werner Gladow seine Bande 

In der Unterwelt avancierte Gladow schnell zu einer zweifelhaften Berühmtheit. So war es denn auch kein Problem für ihn, eine Bande zu gründen. Da war er 17. Im besetzten Berlin gab es genug entwurzelte Jugendliche, deren Väter den Krieg nicht überlebt hatten oder die in Gefangenschaft geraten waren. Für viele von ihnen – auch ihre Mütter – ging es nur noch ums reine Überleben. Auch mit illegalen Mitteln.

Gladow und seine Versprechen von einem Leben in Saus und Braus waren in diesem Chaos für so manchen wie ein Lottogewinn. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Bande auf zeitweise 27 Mitglieder.

Bandenmitglieder mussten Maßanzüge tragen

Und der „Boss“ tat alles, um die Truppe auf seine Person einzuschwören – in Al-Capone-Manier, versteht sich. Den Mafiosi hatte er eingehend studiert – in Filmen und Berichten. Widerspruch duldete er nicht.

Wie sein großes Vorbild mussten alle Maßanzüge, teure Budapester Schuhe, dunkle Hemden und weiße Krawatten tragen. In der Presse hieß die Bande bald nur noch „Die weißen Krawatten“. Ein Hauch von Chicago in Berlin...

Werner Gladow kannte keine Gnade

Die Überfälle auf Banken und Juweliere, Einbrüche in Villen und Diebstähle von Autos häuften sich. Dabei gingen Gladow und seine Komplizen äußerst brutal vor. Auf 352 Delikte summierten sich ihre Verbrechen. Auch zwei Morde gingen auf ihr Konto.

Vor allem der Boss kannte keine Gnade. Zuweilen folterte er seine Opfer und drangsalierte Bandenmit-glieder, die aussteigen wollten – wie sein Freund Papke, der Boxer werden wollte.

Gladow machte Berlin Teilung zu seinem eigenen Vorteil

Bei seinen Raubzügen nutzte Gladow geschickt den Status Berlins als geteilte Stadt mit ihren vier Besatzungszonen.

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Die britische Sektorengrenze mit dem Reichstag im Hintergrund.

Wenn er im Westen zuschlug, floh er anschließend in den Osten – wohl wissend, dass für die Westberliner Polizei an der Sektorengrenze Endstation war. Umgekehrt verfuhr er, wenn er und seine Komplizen im Ostteil ein Verbrechen verübt hatten. Dann ging es sofort ab in den Westen.

Sonderkommission sollte Gladows Bande schnappen

Erst Ende 1948 nahm eine grenzüberschreitende Sonderkommission ihre Arbeit auf – um der Bande endlich das Handwerk zu legen. 25.000 Mark Belohnung wurden auf die Ergreifung der Verbrecher ausgesetzt. Doch noch tappten die Ermittler völlig im Dunkeln.

Die Bande blieb ein Phantom. Immer wieder konnten die Gangster, die munter weitermachten, entkommen. Auch als ein Bandenmitglied, Gustav Völpel, bei einem Überfall von der Polizei erwischt wurde, kamen die Ermittler nicht weiter. Völpel schwieg eisern in den Verhören und verriet seinen Boss Gladow nicht.

Ehefrau von Bandenmitglied ging zur Polizei

Das änderte sich erst, als Völpels Frau plötzlich bei der Polizei auspackte – aus Ärger über Gladow, dem sie die Festnahme ihres Mannes übelnahm.

Auch Streit um Beute soll ein Motiv gewesen sein. Sie lieferte Gladow ans Messer – verriet auch sein Versteck bei seinen Eltern in Berlin-Friedrichshain.

Werner Gladow: Schießerei mit der Polizei

Als die Polizei im Juni 1949 die Wohnung stürmte, lag der inzwischen 18-jährige Berliner „Al Capone“ noch im Bett. Mit dem lauten Schrei „Kriposchweine“ weckte ihn seine Mutter. Er sprang sofort auf und eröffnete beidhändig mit Pistolen das Feuer. Seine Mutter half ihm beim Nachladen.

Rund eine Stunde dauerte der Schusswechsel, bei dem zahlreiche Beamte und Gladow selbst verletzt wurden. Er und wenig später auch fast alle seine Komplizen wurden verhaftet.

Prozess gegen Gladows Bande in der DDR

Im März 1950 begann der Prozess gegen die Gladow-Bande. Ihr Pech: Er fand in der am 7. Oktober 1949 gegründeten DDR statt, weil die Verbrecher im Osten geschnappt worden waren.

Dort gab es noch die Todesstrafe – anders als in der Bundesrepublik, die diese in Artikel 102 des Grundgesetzes abgeschafft hatte. Trotz des jugendlichen Alters der Angeklagten kannten die Richter keine Gnade.

Das Fallbeil klemmte bei seiner Hinrichtung

Gladow, der während des Prozesses noch Scherze gemacht hatte, wurde am 8. April 1950 mit zwei seiner Komplizen zum Tode durch Enthaupten verurteilt – Revision und Gnadengesuche scheiterten. Die anderen Angeklagten erhielten zum Teil lange Haftstrafen – wie Papke, der nach zehn Jahren Knast frei kam, Boxer und Boxtrainer wurde.

Seinen letzten Gang trat Werner Gladow am 10. November 1950 in Frankfurt an der Oder an. Gruselig: Das Fallbeil am Schafott soll geklemmt haben und zweimal im Hals des vor Schmerzen schreienden 19-Jährigen steckengeblieben sein, heißt es. Erst beim dritten Versuch habe der junge Mann, der wie Al Capone sein wollte, seinen Kopf verloren.

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