Auf dem Klo angequatscht Als Trio: So startete Heino im Rheinland 

Dino Engelhardt und Heino beim EXPRESS-Treffen.

Dino Engelhardt und Heino gut gelaunt beim Treffen mit dem EXPRESS.

Der zweite Teil der großen EXPRESS-Heino-Serie: Heute trifft der Schlagerbarde auf seinen ehemaligen Bandkollegen Dino Engelhardt, mit dem der Düsseldorfer seine ersten Erfolge feierte.

Düsseldorf.  „Heino goes Klassik – Ein deutscher Liederabend“ fand am Freitag (8. Oktober 2021) in der Tonhalle Düsseldorf statt. Der Barde war  also wieder in seiner Heimatstadt und nutzte die Gelegenheit, gemeinsam mit EXPRESS.de alte Weggefährten aus seiner Jugend zu treffen.

Teil 2 der Serie heute: Heinos (82) früher Band-Kumpel Dino Engelhardt erzählt von den musikalischen Anfängen.

Heino: Die musikalischen Anfänge in der Backstube

Düsseldorf in den 1950-er Jahren: Eine gewisser Heinz-Georg Kramm, den alle nur Heino nennen, lernt auf Wunsch seiner Mutter „etwas Ordentliches“, macht eine Bäcker-Lehre. Aber eigentlich ist die Musik seine große Leidenschaft. Sein Chef, Bäckermeister Theodor Voss, weiß das längst und stellt Heino und seinen Freunden im hinteren Teil seiner Backstube einen Probenraum zur Verfügung. Aus den drei Nachnamen des Trios Sodekamp, Kramm und Heppner wird der Bandname zusammengestellt: das „So-krahe-Trio“.

Den ersten öffentlichen Auftritt gibt es auf dem Oberbilker Heimatabend – vermittelt von Bäckermeister Voss. Dann sucht die Band „Düsselperlen“ einen Aushilfs-Akkordeonisten. Und als bei einem Auftritt im damals berühmten „Düsseldorfer Bierkeller“ der musikalische Funke nicht überspringen will, greift Heino zum Mikrofon – und fasziniert sofort die 2000 Zuhörer.

Dino Engelhardt: „Heino hatte die beste Stimme“

Der Veranstalter verlangt vom Bandleader, „nur noch mit dem langen Dünnen“ zu spielen. Aber Heino will etwas Eigenes – und hier kommt Dino Engelhardt ins Spiel. „Ich wollte mit dem Gitarristen Dieter Wolf ein Trio gründen – aber es fehlte uns der dritte Mann“, erzählt Heino. „Da erzählte uns jemand von einem Kontrabassisten, der in Hilden spielt. Da sind wir sofort hin.“ Und Dino lacht: „Und dann habt Ihr mich auf der Toilette angesprochen.“

Das ist 1961 – also vor genau 60 Jahren – die Geburtsstunde der „OK Singers“. „Wir waren zu der Zeit das beste Trio Deutschlands“, schwelgt Engelhardt, der eigentlich Dieter heißt, in der Erinnerung. Übrigens: Seinen Namen „Dino“ erhält er von Heino, weil es bereits einen Dieter im Trio gibt. „Wir haben alle drei gesungen, aber Heino hatte die beste Stimme.“

Heino: Ein Auftritt verändert alles

Mit dem Trio nimmt Heino seine erste Schallplatte auf, es wird im Radio gespielt und hat sogar einen Fernsehauftritt. Und dann kommt 1965 ein schicksalhaftes Ereignis, das alles verändern soll: Das Trio, das sich auch schon mal „Comedien-Terzett“ nennt, tourt durch die Republik und hat einen Auftritt bei einer Modenschau in der Messe Hannover. Dort reißt Heino das Publikum mehr mit als der eigentliche Star des Abends, Ralf Bendix („Babysitter-Boogie“ und „Kriminaltango"). Bendix, von seiner Frau auf den Bariton aus Düsseldorf aufmerksam gemacht, reagiert nicht etwa beleidigt, sondern lädt Heino zu Plattenaufnahmen ein.

Heino und sein Produzent Ralph Bendix im Gespräch.

Ralph Bendix (r.) machte Heino als sein Produzent zum Star.

„Während unserer Tour-Reisen hat er im Hotelzimmer nachts ‚Jenseits des Tales‘ geübt“, erinnert sich Dino Engelhardt an die Entstehung von Heinos erstem Solo-Hit. Der allerdings findet seine Studioaufnahmen schlecht: „Ich bin mit meiner damaligen Frau Lilo und meinem fünfjährigen Sohn Uwe in unseren ersten Urlaub nach Rimini gefahren“, erzählt Heino. „Und weil ich noch nie das Meer gesehen hatte, ging ich an den Strand. Da saßen 15 oder 20 Leute um eine Kofferradio, aus dem meine Stimme mit ‚Jenseits des Tales‘ erschallte.“

Heinos Erfolg bringt das Trio zu Fall

Heino läuft zurück zu Lilo, erzählt ihr von dem Erlebnis, und die sagt nur: „Du bist doch bestusst!“ Ein Anruf bei der Plattenfirma bringt Gewissheit: Heino hat einen Nummer-Eins-Hit, und eine unglaubliche Karriere nimmt ihren Lauf – und der Sänger erinnert sich auch so daran: „Aus dem Nichts hatte ich plötzlich ein Bankkonto.“

Des einen Freud', des anderen Leid! Heinos Durchbruch als Solosänger bringt auch einen Einbruch für die „OK Singers“. „Wir haben uns einen Ersatzmann für Heino gesucht“, erinnert sich Dino Engelhardt. „Aber dann sagten die Leute immer wieder: ‚Das ist aber nicht der mit dem Akkordeon.“‘ Dieter Wolf sei über Heinos Abgang „ein bisschen angefressen“ gewesen. Um ihn gibt es auch eines der großen Dramen des Trios: 2018 nimmt er sich gemeinsam mit seiner schwer erkrankten Frau Henny das Leben. Von dem Trio, das vor 60 Jahren entstand, sind also nur noch zwei geblieben. „Aber wir haben bis heute engen Kontakt“, sagt Dino.

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