Tiger „Fritz“ zerrt an seiner Leine, windet sich herum. In verschiedenen NRW-Städten wird er präsentiert – und kann sogar für Fotoshootings gemietet werden.
„Circusland“ tourt durch NRWFotoshooting mit Tiger sorgt für Zoff

Copyright: VETO
Die Tierschutzorganisation VETO veröffentlichte Aufnahmen von einem sogenannten Wildtiershooting in Wachtberg-Berkum, das Ende August stattfand.
Die einen schreien „Tierquälerei“, die anderen finden es „megagut“. Ein jetzt aufgetauchtes Video sorgt für mächtig Zoff rund um „Melody’s Circusland“.
Darin zu sehen: ein echter Tiger, der mit Halsband und Leine neben zahlenden Kunden für Fotos posiert. Fritz, heißt die Großkatze, ist anderthalb Jahre alt und einer der Lieblinge von Dompteur Romano Kübler. Die Tierschutzorganisation VETO veröffentlichte Aufnahmen von dem Shooting bei YouTube – und erhebt schwere Vorwürfe gegen Kübler.
Fotoshooting mit Tiger in NRW: Tierquälerei-Vorwurf
Der Tiger sei „mehrmals gewaltsam und ruckartig an der Halsleine gezogen worden, um das Tier für die Teilnehmenden gefügig zu machen“, heißt es in einer Mitteilung. In dem Video, das im August in Wachtberg bei Bonn entstand, heißt es außerdem, Fritz werde „gequält und für die Unterhaltung von Menschen ausgebeutet.“
„Jeder empört sich über Tigershootings in Thailand, während genau derselbe Irrsinn bei uns in Deutschland ganz legal passiert“, sagt Scarlett Treml von VETO. „Kein Tiger macht das freiwillig. Hinter jedem Foto steht eine Dressur, die auf Angst, Gewalt und Einschüchterung basiert. Das zeigt unsere aktuelle Undercover-Recherche erschreckend deutlich.“
Für den Tigertrainer ist die Kritik nicht neu. Zahlreiche Tierrechtsorganisationen äußerten sich in der Vergangenheit bereits deutlich zu seinem „Circusland“. Immer wieder wird dabei auch ein gesetzliches Verbot gefordert.
Mitte September zog „Melody’s Circusland“ (früher auch als „Melody’s Streichelzoo“ unterwegs) weiter nach Niederkassel. Samt Kamelen, Zebras und eben Tigern.
„Ein Zirkus, der mit Tigern durch deutsche Städte tourt, ist kein harmloses Familienvergnügen. Bei ‚Melody’s Circusland‘ werden schon Tigerbabys für Fotoshootings und andere Veranstaltungen missbraucht und anschließend verkauft“, sagt Biologin Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA.
„Kommunen und Bundespolitik dürfen nicht länger tatenlos zusehen. Ein Zuchtstopp und ein gesetzliches Verbot von Tierdressuren im Zirkus ist längst überfällig. Darüber hinaus appellieren wir an alle Menschen, das Tierleid nicht durch einen Besuch des Gastspiels in Niederkassel zu unterstützen.“
Tiger-Dompteur: „Tierschutz bei uns nicht notwendig“
Kübler sieht das naturgemäß ganz anders, sagte während des Gastspiels in Wachtberg bei Radio Bonn/Rhein-Sieg: „Wir haben in Deutschland ein ganz tolles Tierschutzgesetz. Und wenn wir dagegen verstoßen würden, hätte man mit einer Leichtigkeit die Möglichkeit, uns die ganzen Tiere wegzunehmen.“
Er finde Tierschutz-Vereine toll, bei ihm sei aber „Tierschutz nicht notwendig, weil wir hier weder Tiere haben, die in einem schlechten Zustand sind, noch irgendetwas anderes“.
Die Tierrechtler lud er außerdem ein, bei ihm vorbeizuschauen – nicht ohne Provokation. „Falls Sie mal jemanden als Sachverständigen brauchen, ich habe 15 Jahre Berufserfahrung. Ich stelle mich gerne zur Verfügung“, sagt er, während er sich im Tigergehege filmt und von Fritz angesprungen wird.
In Deutschland gibt es kein bundesweites Gesetz, das die Zucht, den Handel oder die Haltung von Großkatzen im Zirkus oder in Privathand verbietet. Behörden prüfen lediglich, ob Sachkunde und Unterbringung den Mindestanforderungen entsprechen. Grundsätzlich ablehnen dürfen sie solche Vorhaben nicht. (sku)
