Zeitreise mit WählscheibeKevin (28) aus NRW lebt sein kleines Wirtschaftswunder

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Stolz posiert der Elektroniker Kevin Nikodem (28) aus Datteln in seinem nostalgischen Wohnzimmer im Stil der 50er Jahre zwischen Gummibaum und Brokatsessel.

von Stefanie Monien (smo)

Datteln – Ein junger Mann aus Datteln. Gerade mal 28 Jahre alt, gelernter Elektroniker und beruflich erfolgreich, opfert seine gesamte Freizeit, um sein Haus im Stil der 1950er-Jahre umzubauen. Was fasziniert ihn so sehr an der Wirtschaftswunderzeit?

  1. 50er Jahre-Fan Kevin aus Datteln 
  2. 28-Jähriger hat nostalgisches Hobby
  3. Sein Haus ist wie eine Zeitmaschine

Er trägt Hosenträger und Schiebermütze, liebt deutsche Schlager aus seiner Musiktruhe „Saba Schwarzwald 100“: Der Dattelner Kevin Nikodem (28) lebt nach Feierabend in einem Zeittunnel in die Wirtschaftswunderzeit.

50er Jahre-Fan Kevin aus Datteln schläft in Opa-Bett 

Er hat sein kleines Zechenhäuschen in einer einstigen Bergmannssiedlung im Ruhrgebiet konsequent im Stil der 1950er-Jahre umgebaut - mit Einrichtungsgegenständen vom Wohnzimmerschrank bis zum Opa-Bett, Original-Elektrogeräten und einem 50er-Jahre-Bad mit alter Klo-Armatur und gusseiserner Badewanne.

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Das gute alte schwarz-weiße Rauschen: Kevin Nikodem aus Datteln vor seinem Fernseher aus den 50er Jahren. 

Das Ganze ist für den 28-Jährigen mehr als ein Freizeit-Spleen. Er fühlt sich verbunden mit dem Leben von früher.

Kevin aus Datteln sehnt sich nach Harmonie der 50er Jahre

„Früher gab es hier im Viertel jedes Jahr ein großes Nachbarschaftsfest, abends standen die Leute am Zaun und haben miteinander geredet. Das ist heute komplett weg“, sagt er. „Ich sehne mich nach dem Zusammenhalt, nach der Harmonie, auch nach der Bescheidenheit der Zeit.“

Nikodem ist im Viertel aufgewachsen. Die Eltern wohnen eine Straße weiter, er war als Kind sehr viel bei Oma Lydia, direkt neben seinem heutigen 87-Quadratmeter-Zechenhäuschen. Dort hat die Oma Freddy-Quinn-Platten für ihn aufgelegt, erzählt er. Als die Musiktruhe kaputt ging, hat er sie - schon als Junge technisch begabt - auseinandergebaut und repariert. Das sprach sich rum.

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Im Schein der originalen 50er Jahre-Tütenlampe schaut sich Nostalgiefan Kevin Nikodem aus Datteln eine Schallplatte aus seiner Sammlung an. Abgespielt werden die Schätzchen natürlich in der stilechten Musiktruhe. 

Nachbarn brachten alte Geräte, zur Reparatur oder als Geschenk. Nikodem begann mit dem Sammeln.

Kevin aus Datteln hat rund 40.000 Schallplatten

Heute hat der gelernte Elektroniker und Ausbilder in einem Chemieunternehmen zahlreiche Musiktruhen und rund 40.000 Schallplatten aus der Nachkriegszeit. Seitdem im Fernsehen über seine Sammelleidenschaft berichtet wurde, rufen immer mehr Menschen aus ganz Deutschland an und bieten ihm alte Möbel, Schallplatten und Geräte an.

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Als würde die Oma gleich Königsberger Klopse servieren: Kevin Nikodem (28) aus Datteln in seiner Küche, die mit Original-Möbeln aus den 50er Jahren eingerichtet ist. Samt Buffett-Schrank, Brotkasten und Batist-Tischdecke.

Die 50er-Jahre-typische Renovierung seines Zechenhäuschens ist sein großes Projekt - auch wenn es immer wieder Schwierigkeiten mit modernen Bauvorschriften etwa beim Briefkastenschlitz für die Haustür oder beim Dach gab, erzählt er.

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Schlicht, funktional – und die Kacheln in „bahama-beige“ gehalten: Blick in das 50er Jahre-Badezimmer von Kevin Nikodem aus Datteln.   

Steckdosen im Stil der 1950er-Jahre produziert noch ein Spezialhersteller, alte Türen hat Nikodem sich bei umgebauten Häusern im Viertel gesichert, bei den Fenstern musste der Schreiner Maßarbeit abliefern.

Nach rund zwei Jahren ist fast alles fertig - bis hin zum leicht kitschigen Bild der Gottesmutter mit dem Kind, das schräg über seinem Bett an der Wand hängt.

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Die Gottesmutter wacht aus dem goldumrahmten Ölschinken über den Schlaf von Nostalgiker Kevin Nikodem aus Datteln. Der bettet sich im Opa-Bett der 50er zur Nachtruhe.

Nikodem kann seinen Traum leben - ist aber weit davon entfernt, die 1950er zu verherrlichen. In dem Haus, das er heute allein bewohnt, hat damals eine Familie mit zwölf Kinder gelebt, erzählt er - mit nur einem Klo. Die 50er - das war auch die Zeit der unbewältigten Nazi-Vergangenheit und des Kalten Krieges, weiß der 28-Jährige. „Die Zeit war anders, nicht besser“, sagt er.

50er-Fan Kevin aus Datteln: Playstation zocken an der Musiktruhe

Deshalb greift der Ex-Bergmann bei aller Begeisterung für die alte Zeit immer wieder auch zu moderner Technik. Neben dem schwarzen Bakelit-Telefon mit Wählscheibe benutzt er vor allem sein Handy. Und an die alten Musiktruhen kann man problemlos auch eine Playstation anschließen: „Klinkenstecker - funktioniert wunderbar“. (dpa/smo)