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Prozess in Düsseldorf Besorgter Vater wurde zum Räuber, der Grund ist kurios

Dü_ Raub wegen Ziegenmilch

Der angeklagte, zweifache Vater Sven D. (r.) am Dienstag (28. Juli 2020) mit seinem Verteidiger Horst Rothmann im Gericht in Düsseldorf.

Düsseldorf – Er ist ein fürsorglicher Vater, der noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Trotzdem wurde Event-Manager Sven D. (28, Name geändert) jetzt zum Räuber. Und das alles nur wegen Ziegenmilch.

Am Dienstag (28. Juli) wurde vor Gericht in Düsseldorf über den Fall verhandelt, den selbst der erfahrene Richter Jörg Schmidt so noch nie erlebt hat.

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Der gelernte Lackierer wollte Spaß im Job. Deshalb schulte er um zum Event-Manager. Doch statt immer gute Laune-Leute um sich herum, gab’s weniger Freizeit und auch weniger Geld.

Rechtsanwalt Horst Ruthmann vor Gericht: „Es war eine bedrückende wirtschaftliche Situation für die junge Familie.“ Denn die Ehefrau, die halbtags noch als Zahnarzthelferin arbeitete, brachte in dieser Zeit ihr zweites Kind zur Welt – eine Tochter.

Sven D. berichtete vor Gericht: „Die Kleine hatte einen Herzfehler und eine Kuhmilch-Unverträglichkeit.“ Und so musste Ziegenmilch-Pulver her.

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Das alleine kostete 400 Euro im Monat. Der Antrag auf Erstattung bei der Krankenkasse wurde abgelehnt, weil es handele sich um ein Nahrungsmittel und nicht um Medikamente handelte. Eine Entscheidung, die Monate später allerdings zurückgenommen wurde.

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Doch in dieser Zeit wusste der verzweifelte Vater nicht, was er machen sollte. Sven D.: „Es gab nur noch Streit zu Hause. Der Dispo war ausgeschöpft. Ich fühlte mich als Versager, weil ich nicht in der Lage war, meine Familie zu ernähren.“

An einem Wochenende wagte sich Sven D. sogar gar nicht mehr nach Hause. Er blieb in der Event-Location. Und weil er den Schlüssel zur Bar hatte, ertrank er seinen Frust mit Whiskey.

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Dabei kam er auf die Idee, nachts in der Spielhalle sein Glück zu versuchen. Hier verlor er aber sein letztes Bargeld. Zurück in der Location bewaffnete er sich dann mit einem Messer und vermummte sich. Nach mehreren Anläufen schritt D. zur Tat. Und erbeutete in der gleichen Spielhalle insgesamt 950 Euro.

Wegen der besonderen Umstände und weil der Kassierer den Überfall gut verkraftet hat, urteilte der Richter milde. Nur zwei Jahre und neun Monate Haft waren es am Ende für Sven D.. Die Richter wollen sich außerdem für den offenen Vollzug stark machen, damit der junge Vater seine Arbeit nicht verliert.