Randale, Gewalt Immer mehr Düsseldorfer sagen: „Am Wochenende ist die Altstadt tabu“

Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Polizei halten am 12. Dezember 2020 in der Düsseldorfer Altstadt einen bei einer Kontrolle Geflüchteten auf dem Boden fest.

Typisches Bild in der Düsseldorfer Altstadt an den Wochenenden: Überall kommt es zu Handgreiflichkeiten, es kommt zu Festnahmen und Kontrollen – wie hier am 12. Dezember 2020.

Traurige Entwicklung: Immer mehr Menschen meiden die Düsseldorfer Altstadt an Wochenenden nach Einbruch der Dunkelheit, weil es ihnen zu gefährlich wird.

Düsseldorf. Randale, Schlägereien, Messerstechereien, Raub, Diebstahl. Nach Einbruch der Dunkelheit beherrschen vor allem am Wochenende kriminelle Jugendgruppen die Straßen der Altstadt. Die Polizei hält meist mit einem Großaufgebot dagegen.

Eine Atmosphäre, die sich viele Düsseldorfer nicht mehr bieten lassen wollen. Sie meiden die „längste Theke der Welt“ an den Wochenendabenden, haben ihrer geliebten Altstadt den Rücken gekehrt.

Man kann die Uhr danach stellen: Zur Dämmerung fallen sie zu Dutzenden in der Altstadt ein. In Grüppchen machen sie dann die Straßen unsicher. Feiern wollen die zwischen 17 und 20 Jahre alten Jugendlichen nicht. Sie sind auf Streit aus. Und auf einen schnellen Euro, entweder durch Diebstahl, oder auch durch Straßenraub.

Brennpunkt Altstadt: Düsseldorfer kehren Feiermeile den Rücken

Skrupel haben sie dabei keine. Auch nicht vor der Polizei. Immer wieder gibt es Beamte, die von den Jugendlichen angegriffen und verletzt werden. Viele Düsseldorfer haben aus den Zuständen bereits ihre Konsequenzen gezogen. Für sie ist die Altstadt mittlerweile an Freitag- und Samstagabenden tabu.

Oliver Niemann aus Düsseldorf-Rath auf einem undatierten Selfie, das er EXPRESS zur Verfügung stellte.

Oliver Niemann aus Düsseldorf-Rath geht am Wochenende nicht mehr in die Altstadt, sondern vergnügt sich lieber in seinem Stadtteil.

„Am Samstag in die Altstadt gehen? Das war früher mal schön. Aber das tue ich mir heute nicht mehr an“, sagt Oliver Niemann aus Rath. „Man muss immer davon ausgehen, dass man früher oder später Ärger bekommt. Und dafür gehe ich nicht in die Altstadt. Meine Kumpels sehen das ähnlich. Wir treffen uns jetzt lieber bei uns im Stadtteil.“

Für Björn Frahm (hier auf einem undatierten Foto) wird in der Altstadt zu viel Flaschenbier auf der Straße getrunken. Er meidet die Altstadt.

Björn Frahm aus Düsseldorf, bekannt als Entertainer „Freeze 4U“ bedauert die Entwicklung in der Düsseldorfer Altstadt zutiefst.

Das sieht auch Björn Frahm so. Der Düsseldorfer, der als Entertainer „Freeze 4U“ bekannt ist, meidet die „längste Theke der Welt“ ebenso an den „heißen Tagen“.

Düsseldorfer Altstadt: Flaschenbier „to go“ statt Club-Besuche

Björn Frahm sagt: „Irgendwie spielt sich in der Altstadt leider alles nur noch auf der Straße ab. Coole Clubs wie der Q-Stall auf der Kurze Straße haben längst dicht, die Leute kaufen am Büdchen Flaschenbier. Dann überall Scherben, man wird angerempelt. Nein danke. Es ist einfach schade.“

Gert und Monika Havel lieben ihre Düsseldorfer Altstadt nach wie vor. „Aber nur zu gewissen Zeiten“, sagt Gert Havel. „Um das Wochenende einzuläuten, gehen wir freitags nach der Arbeit gerne in der Altstadt essen. Dabei sehen wir aber zu, dass wir vor 20 Uhr zu Hause sind, bevor es voll wird und die ganze Aggressivität in der Altstadt einzieht. An den Wochenendnächten ist die Altstadt nicht mehr zu ertragen und auch einfach zu gefährlich geworden. Wir lassen es uns nicht nehmen, ein leckeres Altbier vor einer unserer Hausbrauereien zu trinken. Das tun wir dann bevorzugt am Sonntagnachmittag. Dann ist es in der Altstadt wieder ruhig und man trifft viele befreundete Düsseldorfer. Die denken nämlich alle genau so wie wir und gehen sonntags aus.“

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