„Ich f**** den deutschen Staat täglich“ Clan-Chef machte in NRW das dicke Geld

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Papa Kralle fühlte sich in der Türkei sicher.

Düsseldorf – Die Truppe um Halit D. drehte das große Rad. Der Mercedes SUV XXL-Sonderanfertigung wirkte auf Facebook-Fotos wie ein Panzer auf der Straße. Halit D., Mitglied des türkisch-libanesischen Saado-Clans, protzte gerne in den sozialen Netzwerken mit dicken Schlitten und einem Haufen Bargeld.

Einst aus dem Sauerland in seine türkische Heimat abgeschoben, mimte der mutmaßliche Chef einer weitverzweigten Betrüger-Bande auf Selfies als Supergangster. „Ich ficke den deutschen Staat täglich“, prahlte der bärtige Boss. Mitunter posierte D. auch mal gerne auf einem thronähnlichen vergoldeten Stuhl. 

Clan-Boss Papa Kralle zockte mit Callcenter in Türkei Menschen in NRW ab

Mit seinen beiden Brüdern zockte der Gauner, der sich Papa Kralle nannte, über ein Callcenter im türkischen Badeort Izmir tausende Rentner hierzulande ab. Die Trickbetrüger-Masche läuft unter dem Kürzel falsche Polizisten.

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München, Stuttgart, Köln, Düsseldorf - allerorten legen Trickbetrüger-Banden aus der Türkei betagte Deutsche herein. Inzwischen ist es den Ermittlern gelungen, unter den Tätern auch Clan-Angehörige zu identifizieren. Mal geht es um 20.000 Euro, mal um Millionenbeträge.

Thronsaal Clan

Die Gangster um Papa Kralle machten im Internet immer offen auf dicke Hose.

Mitunter verleiten die Anrufer, auch Keiler genannt, ihre Opfer dazu, zur Bank zu gehen, ihr Konto aufzulösen und den Betrag sogenannten „Abholern“ auszuhändigen oder an einem vereinbarten Ort zu deponieren, manche verkaufen gar ihr Haus oder übergeben Goldbarren.

Clan-Kriminalität: LKA NRW geht von acht Callcentern in Türkei aus

„Insgesamt gehen wir von acht Callcentern in der Türkei aus, die in Deutschland alte Menschen ausnehmen“, erläutert Oliver Müller (Name geändert), Chef einer Ermittlungskommission (EK) im Landeskriminalamt NRW.

Anfang Dezember ließen die Strafverfolger in Zusammenarbeit mit Kollegen in München und den türkischen Behörden die beiden größten Telefonzentralen hochgehen. Dabei wanderte Halit D. nebst seinen beiden Brüdern und drei weiteren Köpfen in U-Haft.

Beschlagnahmt wurden Rolex-Uhren mit Brillanten besetzt, fünf Kilogramm Gold, 1,5 Millionen Euro in bar sowie 41 Luxusautos und 87 Immobilien, darunter drei Hotels. Die Vermögenswerte belaufen sich nach erster Schätzung auf 105 Millionen Euro.

Ein einzigartiger Coup der deutschen und türkischen Strafverfolger. Normalerweise wähnen sich Verbrecher in ihrer türkischen Heimat sicher. Oft verlaufen deutsche Rechtshilfeersuchen in Ankara im Sande. Dieses Mal aber konnten die Ermittler führende türkische Kollegen bei einem Treffen des Bundeskriminalamts (BKA) für ihr Verfahren gewinnen.

Gangster um Halit D. aus NRW gingen bei Miri Clan in die Schule

In Selfie-Videos auf einschlägigen Seiten im Netz gab Callcenter-Chef Papa Kralle den großen Maxe. Vor sich zwei große Euro-Bündel auf dem Tisch liegend prahlte der Boss in einem Post: „Ich mache im Monat 250.000 Euro durch meine Betrugsmasche.“

Clan-Boss Papa Kralle sitzt jetzt in türkischem Knast

Zugleich tönte der Ganove, dass er trotz internationalen Haftbefehls sicher in Izmir sitze, weil die Türkei Kriminelle nicht an Deutschland ausliefere. Weit gefehlt. Seit dem 2. Dezember sitzt er in einem türkischen Knast.

Nach der Razzia in Izmir sind die Fallzahlen immens zurückgegangen. Dennoch fürchtet etwa der Kölner Kripo-Chef Klaus-Stephan Becker, dass Nachahmer bald die Lücken schließen werden.

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