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Bonner Straßenstrich Jäger Kalle (71) in fremdem Revier mit Messer verletzt

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Der Angeklagte wurde vor dem Bonner Landgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Bonn – Es war sein kleines Geheimnis: Immer wenn sich Kalle F. (Name geändert), ein passionierter Jäger, die Gelegenheit bot, machte er eine kleine Spritztour in ein ganz anderes Revier. Ziel seines späten Männerglücks war der Bonner Straßenstrich, wo der 71-Jährige „die eine oder andere Dienstleistung in Anspruch nahm“. Denn seine Ehefrau, mittlerweile verstorben, war lange bereits schwer krank, und seine Lust nicht versiegt.

Am Abend des 10. November  2019 war Kalle F. von Ahrweiler nach Hersel aufgebrochen, um dort für die Familie ein chinesisches Essen abzuholen. Gute Gelegenheit also, noch eine Kurve über die Immenburgstraße zu nehmen. An diesem Abend jedoch geriet der betagte Freier – ahnungslos – in einen Eifersuchtszank zwischen einer Prostituierten und ihrem Freund. Am Ende hatte er drei kleine Messerstiche in Bauch und Brust und vor allem eine große Erklärungsnot gegenüber Familie, Ärzten und Polizei.

Bonner Straßenstrich: Angeklagter zu fünf Jahren Haft verurteilt

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Das Bonner Landgericht hat in diesem durchaus „pikanten Fall“ den 39-jährigen Messerstecher unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Darüber hinaus wurde seine Unterbringung in eine Entzugsklinik angeordnet. Mit dem Urteil der 1. Großen Strafkammer hatte der Dauergast in der offenen Bonner Drogenszene noch Glück gehabt. Denn ursprünglich war der 39-jährige sogar wegen versuchter räuberischer Erpressung angeklagt gewesen. Die Ermittler waren zunächst davon ausgegangen, dass der Angeklagte mit seiner geliebten Prostituierten gemeinsame Sache gemacht hat, nämlich dem Freier in eine Falle locken, um ihn abzuzocken.

Bonner Straßenstrich: Angeklagter handelte aus Eifersucht

Aber der Angeklagte hatte im Prozess Stein und Bein geschworen, dass Eifersucht sein einziges Motiv gewesen sei, den Freier zu attackieren. Denn seine Freundin habe ihm wiederholt versprochen, nicht mehr als Prostituierte zu arbeiten. Darüber habe es häufig Streit gegeben. So auch an dem Tattag. Kurz bevor Kalle F. an der Immenburg vorbeifuhr, um nach einem kleinen erotischen Abenteuer Ausschau zu halten, hatte das drogensüchtige Paar einen „kleinen Krach“ gehabt – und sich gerade zornig getrennt.

Bonner Straßenstrich: Rentner mit Schweizer Messer verletzt

In diesem Moment stoppte der Pensionär bei der Straßendame, die er „nicht unattraktiv“ fand. Die 46-Jährige stieg ein, sie verabredeten 20 Euro für einen kleinen, händischen Service, dann erklärte sie, er solle bloß Gas geben, weil sie sonst von dem Typen verhauen würde. Der Freier steuerte daraufhin einen Verrichtungs-Parkplatz an. Als der Angeklagte sah, dass seine Braut in den SUV gestiegen war, sah er rot. So schnell er konnte, peste er die rund 500 Meter hinterher, um seine Liebe aus den Fängen des 71-Jährigen zu befreien.

„In Wut und Rage“, so hieß es im Urteil, trat er gegen die Fahrertür und brüllte sinngemäß: „Lass die Frau in Ruhe, die f… du nicht." Kalle F., der bereits  mitten im erotischen Geschehen war, fand „die Störung unangemessen“, öffnete kampfesbereit die Autotür und erklärte dem kleinen Randalierer, er solle verschwinden. Aber der fühlte sich herausgefordert und griff in Rage zum Schweizer Messer.

Blutend setzte sich Kalle F.  ans Steuer und suchte die Flucht. Die Prostituierte, die noch im Auto saß, ließ er nach wenigen hundert Metern aussteigen. Obwohl die Stiche „objektiv lebensgefährlich“, haben sie den Freier wegen seiner  Korpulenz nicht dramatisch verletzt. Dennoch musste er im Krankenhaus versorgt werden. Den Ermittlern erklärte er in seiner Not, dass er Opfer eines Tankstellen-Raubes mit drei Tätern geworden sei. Erst im Prozess hat Kalle F. - dem die „schlüpfrigen Umstände“ zutiefst peinlich waren - nach und nach seine wahre Geschichte eingeräumt.  (ucs)

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