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Coronavirus in Bonn Für Obdachlose wird's noch härter

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In Zeiten des Coronavirus sind die nächtlichen Schlafmöglichkeiten für Obdachlose eingeschränkt. Hinzu müssen sie gerade mit der eisigen Kälte kämpfen. 

Bonn – „Bleibt Zuhause!“ lautet die Anweisung an alle, das öffentliche Leben macht Pause. Obdachlose Menschen haben es jetzt noch schwerer: weniger Spenden auf der Straße, teils geschlossene Hilfsstationen, Vorerkrankungen – und gerade nachts wird es wieder eisig kalt. Die Hilfsorganisationen versuchen, die Angebote für Obdachlose trotz Corona-Krise aufrechtzuerhalten.

„Wohnungslose Menschen gehören zur absoluten Risikogruppe. Ein warmes Mittagessen ist gerade jetzt existenziell notwendig“, sagte Gerhard Roden, Leiter der Wohnungslosenhilfe der Caritas. „Viele Geschäfte sind geschlossen, die Stadt menschenleer. Für Obdachlose ist das eine extreme Lage, die so noch nie dagewesen ist.“ Übliche Einnahmequellen –   Pfandflaschen sammeln oder die Obdachlosen-Zeitung „fifty-fifty“ verkaufen – bringen auf leeren Straßen kaum noch etwas ein.

Bonner Obdachlose in Corona-Krise: City-Station, Tafel und Bahnhofsmission zu

Wegen den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus können sich die Wohnungslosen in der City-Station der Caritas am Prälat-Schleich-Haus in kalten Nächten nicht mehr aufwärmen. «Die City-Station ist normalerweise wie ein kleines Café, in dem sich die Menschen aufwärmen können und ein Mittagessen bekommen», sagte Pressesprecherin Mechthild Greten. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr auf so engem Raum musste die Station schließen, das Essen wird nur noch draußen ausgegeben. Die Notunterkunft der Caritas nimmt aktuell niemanden mehr auf. „Es soll keine Fluktuation geben“, so Greten zum EXPRESS.  

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Die City-Station am Alten Friedhof ist geschlossen.

Nach Angaben der Caritas gibt es etwa 100 Obdachlose in Bonn, aber noch viel mehr Menschen in Wohnungsnot, die beispielsweise bei Bekannten nur kurzfristig unterkommen. Inoffiziell haben mehrere Hundert keinen festen Wohnsitz in der Bundesstadt – ein Spitzenwert in NRW. Die Bahnhofsmission sowie die Bonner Tafel haben wegen der Corona-Krise geschlossen. „Wir rechnen deshalb damit, dass sich die Zahl der Bedürftigen bei unserer Essensausgabe erhöhen wird, und bereiten uns vor“, erzählt Greten von der Caritas.

Bonner Obdachlose in Corona-Krise: Caritas bietet warmes Mittagessen „to go“

An der Pforte der Caritas-Station am Alten Friedhof werden jetzt Schlafsäcke verteilt. Außerdem können Obdachlose dort weiterhin für einen Euro ein warmes Mittagessen bekommen – in Corona-Zeiten nur zum Mitnehmen: Nothilfe „to go“. „Das ist das Allerwichtigste, damit sie gestärkt sind. Viele sind krank“, betont Greten. Das Angebot nähmen aber nicht nur Obdachlose wahr. „Manchmal kommen zum Beispiel auch Alleinerziehende.“

Bonner Obdachlose in Corona-Krise: Große Hilfsbereitschaft von Bonner Bevölkerung

Der Verein für Gefährdetenhilfe (VFG) Bonn hält nach eigenen Angaben aktuell (Stand: 23. März) seine Angebote weiter aufrecht, beispielsweise die Notunterkunft Haus Sebastian in Poppelsdorf  oder das Betreuungszentrum in der Quantiusstraße – mit zusätzlichen strengen Hygiene- und Aufklärungsmaßnahmen. Die Hilfsbereitschaft in Bonn ist laut Pressesprecherin Susanne Fredebeul groß: Viele spenden zurzeit haltbare Lebensmittel oder Geld zur Finanzierung von Essen. So kann der Verein auch in seinem Beratungszentrum Mahlzeiten an Bedürftige ausgeben und damit den Ausfall der Tafel zumindest etwas ausgleichen.

„Es ist super, wie hilfsbereit die Menschen in Bonn wieder sind. Die Bonnerinnen und Bonner sind grundsätzlich immer sehr engagiert, wenn es darum geht, bedürftigen Menschen zu helfen“, sagte Fredebeul. Dafür sei der Verein sehr dankbar: „Man kann hier als sozialer Träger stets sehr gut an die Bevölkerung herantreten.“ Aktuell seien die Lager gefüllt. Auch das könne sich aber ändern. Über den aktuellen Bedarf informiert der Verein auf der Homepage oder auf Facebook.

Bonner Obdachlose in Corona-Krise: Wie kann ich helfen?

Auch der Mahlzeitendienst der Caritas wird mit Spenden finanziert. Eine Mahlzeit kostet in der der Herstellung 2,90 Euro, heißt es von der Caritas. Einen Euro zahlen die Besucher, 1,90 Euro kommt aus Spenden. Jeden Tag verteilen die Helfer bis zu 130 Mittagessen. Wer die Caritas unterstützen will, kann das durch Spenden tun oder warme Schlafsäcke an der Station abgeben.

Hier lesen Sie mehr: Die aktuelle Lage zum Coronavirus im Bonner Ticker

Aufgrund der gerade geringeren Kapazitäten an Unterkünften, hat die Stadt ihr Angebot erweitert und bietet seit Montag, 23. März, in einem weiteren Gebäude zusätzliche Schlafplätze an. Die Benachrichtigung über das Angebot an die Obdachlosen erfolgt über die Streetworker des VfG.