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Drogen-Chaos in BonnBürger-Wut auf die Stadt: „Ihr widersprecht euch selbst!“

Auch am Busbahnhof in der Bonner Innenstadt ist es immer wieder zu Problemen mit der Drogen-Szene gekommen. (Archivfoto)

Copyright: Alexander Schwaiger

Auch am Busbahnhof in der Bonner Innenstadt ist es immer wieder zu Problemen mit der Drogen-Szene gekommen. (Archivfoto)

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Drogen-Chaos in Bonn: Eine Bürger-Initiative ist stinksauer auf die Stadt und wirft ihr Heuchelei und Widersprüche vor.

Die Drogen-Probleme in Bonn werden immer schlimmer, die Stadt will jetzt handeln. Aber eine Bürger-Initiative läuft Sturm: Die Pläne seien heuchlerisch und würden die wahren Probleme ignorieren.

Die Bürger-Initiative Poppelsdorfer Allee ist stinksauer. Sie hat ein scharfes Papier zum neuen Notfall-Beschluss des Rates verfasst, der die ausufernde Drogen-Lage in den Griff bekommen soll. Sprecher Martin Wiechers findet darin viele Punkte wieder, für die seine Initiative seit Jahren kämpft – bisher ohne Erfolg.

Der neue Vorstoß verlangt, die Angebote für Suchtkranke zu verteilen. So soll verhindert werden, dass sich alles in der Quantiusstraße zu einem Problem-Hotspot entwickelt. Genau das gleiche Argument brachte die Initiative für die Poppelsdorfer Allee an. Dort behandelt die größte Substitutionspraxis der ganzen Region jeden Tag rund 265 Menschen – über dreimal so viele wie jede andere vergleichbare Stelle in Bonn.

Bürger-Initiative: Warnungen wurden ignoriert

Im Ratsantrag wird Geld vom Rhein-Sieg-Kreis gefordert, weil von dort viele Abhängige nach Bonn kommen. Auch Konsumräume sollen für Auswärtige geöffnet werden, damit die Drogenszene nicht auf die Straße verdrängt wird. Die Initiative beschreibt genau diesen Effekt seit langem für ihren Standort: Die Praxis zieht Menschen von außerhalb an, die dann im Viertel bleiben. Doch damals tat die Stadt ihre Dokumentation als nicht aussagekräftig ab.

Als wichtige Beteiligte zählt der Antrag Ämter, die Polizei und Hilfsorganisationen auf. Doch die Initiative ist fassungslos: Die riesige Substitutionspraxis, der größte Versorger für Süchtige in der Gegend, taucht in der Liste nicht auf. Sprecher Martin Wiechers kritisiert, dass ein Konzept nicht funktionieren kann, wenn ein Ort mit täglich 265 Patienten einfach ignoriert wird.

Widerspruch vor Gericht? Stadt riskiert Glaubwürdigkeit

Im neuen Antrag ist von Spritzen, Dreck, Angstzonen und Drogenkonsum in der Öffentlichkeit die Rede. Das sind exakt die Probleme, über die Anwohner rund um die Praxis klagen.

Hinterlassenschaften von Menschen in schwierigen Lebenssituationen in einer Passage in der Bonner Innenstadt.

Copyright: IMAGO/Klaus W. Schmidt

Hinterlassenschaften von Menschen in schwierigen Lebenssituationen in einer Passage in der Bonner Innenstadt.

Und jetzt kommt der Hammer: Zuletzt behauptete die Stadt Bonn steif und fest, die Praxis würde gar keinen Hotspot erzeugen. Der frische Ratsbeschluss argumentiert aus Sicht der Initiative aber mit dem genauen Gegenteil: dass eine Bündelung von Hilfsangeboten eben doch Problemzonen schafft. Die Bürger-Initiative kündigt an, diesen krassen Widerspruch dem Gericht auf den Tisch zu legen.

Anwohner fühlen sich übergangen

Auch bei der Mitsprache fühlen sich die Anwohner herabgestuft. Im Antrag heißt es, man wolle „teilweise die Anwohner und insbesondere die Zielgruppe“ einbeziehen. Die Initiative bemängelt diese Reihenfolge scharf. Obwohl sich ihre Befürchtungen „vollständig bestätigt“ hätten, würden sie nun hinter die Suchtpatienten gestellt. Für die Anwohner ist das ein klares Zeichen, dass die Stadt die Interessen der Patienten über ihre eigenen stellt.

Am 17. September 2026 soll der Hauptausschuss über die Schritte gegen die Drogen-Krise entscheiden. Die Initiative stellt eine klare Forderung: Der Standort in der Poppelsdorfer Allee muss als zentraler Punkt in die Pläne mit rein.

Sprecher Wiechers begründet das so: „Ein Maßnahmenpaket, das den größten institutionellen Anziehungspunkt für suchtkranke Menschen im Quartier ausklammert, behandelt Symptome – und lässt die Struktur unangetastet, die das Quartier täglich belastet.“ Ein erheblicher Anteil der Patienten hält sich entweder vor oder im Anschluss an den Praxisbesuch an den bekannten Problemorten auf. Ihr Weg dorthin führe sie jeden Tag direkt durch das Wohnviertel. (red)

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