In NRW-Kitas verletzen Kinder immer öfter andere Kinder und Erzieherinnen. Eine Psychotherapeutin sieht auch die Eltern in der Verantwortung.
Alarm in NRW-KitasAnstieg um 1.600 Prozent: Fachkräfte haben Angst

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In NRW-Kitas verletzen Kinder immer öfter andere Kinder und Erzieherinnen. (Symbolbild)
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Sie beißen, kratzen, treten und spucken: In nordrhein-westfälischen Kitas verletzen kleine Kinder immer häufiger andere Kinder und auch Erzieherinnen und Erzieher.
Im vergangenen Jahr meldeten Kita-Träger den Landesjugendämtern 2.537 solcher Fälle. 2021 waren es noch 150. Das ist ein Anstieg um das 17-fache, um 1.600 Prozent. Das geht aus einer Auswertung für den WDR hervor.
Allein bis September dieses Jahres kämen im Rheinland und in Westfalen-Lippe demnach schon mehr als 2.000 Meldungen zusammen.
Ute Grebe ist stellvertretende Geschäftsführerin des evangelischen Kindergartenverbundes Soest-Arnsberg. Sie sagt gegenüber dem WDR: „Wir hatten schon zerkratzte Gesichter, wo eine Narbe bleibt. Wir hatten Tritte in den Genitalbereich. Bisse in die Brust, so dass Fachkräfte zum Gynäkologen mussten.“
Viele Fachkräfte haben Angst
Auch eine Erzieherin aus Südwestfalen berichtet, so etwas erlebt zu haben. Sie sei dem Bericht zufolge bei einem eskalierten Streit um Spielzeug dazwischengegangen. Danach habe das Kind sie angegriffen. „Es hat mich feste gekniffen in meine Arme, es hat dann getreten.“ Zurück blieben blaue Flecke.
Viele Fachkräfte haben Angst, falsch zu reagieren und sich sogar strafbar zu machen. Bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg zeigten Eltern eine Erzieherin an. Sie soll einem Jungen eine leichte Ohrfeige gegeben haben, nachdem er ihr gegenüber selbst körperlich übergriffig geworden sein soll. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage vorläufig eingestellt.
Die Kinderpsychotherapeutin Dr. Inés Brock-Harder sieht einen Grund auch bei den Eltern: „Meine Hypothese in dem Bereich ist, dass es Eltern zunehmend weniger gelingt, das Bedürfnis nach Orientierung, nach Grenzen, nach Strukturen bei ihren kleinen Kindern durchzusetzen.“ Viele Eltern wollten ihre Kinder bedürfnisorientiert erziehen. Manche verstehen das ihrer Meinung nach aber falsch und geben den Kindern zu viel Selbstbestimmung. Eltern müssten den Kindern deutlicher machen, was sie nicht dürfen und was anderen Schmerzen zufügt, so die Kinderpsychotherapeutin.
Peter Schmitz ist Bereichsleiter von fast 180 katholischen WIR-Kitas im Erzbistum Paderborn. Er beschreibt im WDR, wie belastet viele Beschäftigte sind: „Es gibt Situationen, dass Erzieherinnen sagen, ich kann nicht mehr in dieser Art und Weise arbeiten. Ich fühle mich damit überfordert.“ Er bittet Eltern, sich die Rückmeldungen aus den Kitas anzuhören. (mg)
