Drastische Worte an Klimagipfel „Wenn wir keinen Erfolg haben, ist ein ganzes Land in wenigen Jahren weg“

Die G20-Staaten ziehen beim Klimaschutz nicht an einem Strang. Die Staats- und Regierungschefs können sich nicht auf konkrete neue Zusagen einigen. Jetzt warnt eine Klima-Botschafterin: Falls die Weltgemeinschaft im Kampf gegen den Klimawandel versagt, droht einem ganzen Land der baldige Untergang.

Glasgow. Es sind drastische Worte, die alle Staatsoberhäupter zum Nachdenken bringen sollten: „Wir sind ein Land, das nur zwei Meter über dem Meeresspiegel liegt“, sagte die Klima-Botschafterin der Marshallinseln, Tina Stege, am Sonntag (31. Oktober) dem britischen Sender Sky News zum Start des UN-Klimagipfels COP26 in Glasgow.

Derzeit drohe ein Meeresspiegelanstieg von 0,5 Metern mit jährlichen Überschwemmungen. Land und Gebäude müssten immer weiter erhöht werden.

„Ich kann nicht akzeptieren, dass die Marshallinseln in 50 Jahren Geschichte sind“, sagte Stege. „Es ist für niemanden weltweit akzeptabel, ein ganzes Land abzuschreiben.“ Die Marshallinseln mit etwa 60.000 Einwohnern, einer der kleinsten Staaten der Erde, erlebten bereits die Folgen des Klimawandels.

Warnung an G20: „Müssen hoffen, dass wir eine Zukunft haben“

Der Pazifikstaat stehe im Klimakampf an der vordersten Front und gehöre zu den gefährdetsten Akteuren. „Aber wenn man die am meisten Gefährdeten beschützt, schützt man sich selbst. Wir müssen hoffen, dass wir eine Zukunft haben“, sagte Stege. Es sei für ihr Land bereits eine Herausforderung, bei einer Erderwärmung von 1,1 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu überleben. „1,5 Grad werden sehr schmerzhaft sein.“ Stege betonte, ihr Land benötige dringend Unterstützung.

Die Bemühungen um ein starkes Signal des G20-Gipfels vor dem Weltklimatreffen in Glasgow drohen derweil zu scheitern. Die Gruppe der großen Wirtschaftsmächte kann sich auf ihrem Gipfel in Rom offenbar nicht auf konkrete Ziele zum Klimaschutz einigen. Das geht aus einem jüngsten Entwurf des Abschlusskommuniqués hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

G20: Bemühungen um starkes Signal beim Klimaschutz drohen zu scheitern

Ursprüngliche beabsichtigte Zielvorgaben und konkrete Zusagen zum Kampf gegen die gefährliche Erderwärmung aus früheren Versionen wurden darin wieder gestrichen.

In dem Entwurf für das Abschlusskommuniqué gab es nicht mal mehr eine Einigung auf „sofortiges Handeln“, wie es in einem früheren Entwurf noch geheißen hatte. Beim Ziel der Kohlendioxidneutralität gab es auch keine Fortschritte. War ursprünglich 2050 als Zieldatum angestrebt worden, ist jetzt allgemeiner von „Mitte des Jahrhunderts“ die Rede. Das geschah offensichtlich auch aus Rücksicht auf China. Der größte Produzent von Kohlendioxid hatte sich bisher nur bis 2060 dazu verpflichtet. (dpa/mg)

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