Giftfisch-Plage in der Türkei Biss kann sehr gefährlich sein – Regierung mit drastischer Maßnahme 

Der Leiter der Fischerei-Kooperative in Antalya, Cengiz Balta, hält einen Hasenkopf-Kugelfisch in der Hand.

Der Hasenkopf-Kugelfisch (Foto: 29. Juni 2021) breitet sich an der türkischen Mittelmeerküste aus.

Türkei-Urlauber sollten sich vor dem Hasenkopf-Kugelfisch in Acht nehmen. Mit seinen vier Zähnen im Maul kann der Fisch kräftig zubeißen. Auch die Fischerei leidet unter den Meeresbewohnern.  

Istanbul. Der Hasenkopf-Kugelfisch bereitet den türkischen Fischern große Probleme. Sie klagen seit Jahren über die zunehmende Verbreitung von Kugelfischen im Mittelmeer. Die türkische Regierung hat nun dem giftigen Tier mit einer Art Kopfgeldpauschale den Kampf angesagt.

Fischer von der türkischen Mittelmeer- und der Ägäisküste können den Hasenkopf-Kugelfisch ab Anfang Juli in dafür eingerichteten Stellen abgeben und erhalten im Gegenzug fünf türkische Lira (50 Eurocent), wie die Zeitung „Cumhuriyet“ berichtete.

Türkei: Fischer bekommen Kopfgeld für gefangene Hasenkopf-Kugelfische

Für andere Arten würden 50 Kurus ausgezahlt, knapp 5 Eurocent. Das Programm ist bis Ende 2023 angelegt und soll für maximal 500.000 Hasenkopf-Kugelfische und 5 Millionen Tiere der anderen Arten gelten.

Vorangegangene Maßnahmen waren für kürzere Zeiträume angelegt und hatten nur für den Hasenkopf-Kugelfisch gegolten. Die Population habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sagt Ekin Akoglu, Meeresbiologe an der türkischen Universität Odtü in Ankara.

Hasenkopf-Kugelfisch zerstört Ökosystem im Meer

Der Fisch zerstöre mit seiner Überpräsenz das Ökosystem im Meer und richte zudem großen Schaden für Fischer an. Denen fresse er nicht nur häufig den Fang weg, sondern zerbeiße auch die Netze.

Das Foto zeigt einen Hasenkopf-Kugelfisch.

Dieses Hasenkopf-Kugelfisch-Exemplar ist ca. 30 cm lang. Sein Biss kann unter anderem Metall durchschlagen.

„Der Schaden pro Fischer liegt umgerechnet bei rund 450 Euro pro Jahr“, sagt Akoglu. Das sei enorm bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 340 Euro in der Klein-Fischerei.

Der Fisch kann Menschen aber auch auf eine andere Art und Weise gefährlich werden, wie einer Neunjährigen in der südlich Provinz Mersin 2019, der nach einem Biss ein Teil des Fingers abgenommen wurde. Der Hasenkopf-Kugelfisch besitzt vier Zähne im Maul.

Und: Der Kugelfisch ist giftig, das Tetrodotoxin, das der Fisch etwa in der Leber trägt, lähmt die Muskeln und kann mitunter tödlich sein.

Darum landet der Fisch in der Türkei auf keinem Teller und wird nicht kommerziell vertrieben.

Hasenkopf-Kugelfisch kann auch für Menschen gefährlich sein

„Der Fisch ist an sich nicht aggressiv, aber es ist eben ein wildes Tier, dass sich verteidigt, wenn es sich angegriffen fühlt“, sagt der Akoglu. Vor allem die jüngeren Fische hielten sich am liebsten auf Sandboden auf - und damit häufig an Stränden, die auch gern zum Baden genutzt werden.

Dass der Kugelfisch den Tourismus in der Türkei bedroht, glaubt Akoglu nicht. Vorfälle wie der in 2019 könnten sich aber häufen, wenn sich der Kugelfisch weiter so stark ausbreite. Je näher man an den Suezkanal kommt, umso dichter wird die Population. „Es ist also nicht nur ein Problem für türkische Fischer, sondern vieler Mittelmeeranrainer.“

Den Weg ins Mittelmeer hat der Einwanderer, der ursprünglich aus dem wärmeren Roten Meer stammt, über den 1869 eröffneten Suezkanal gefunden. Weil er im Mittelmeer kaum Fressfeinde hat, habe er sich recht ungestört ausbreiten können, so Akoglu. Auch die Erderwärmung und der Anstieg der Temperatur im Mittelmeer führe dazu, dass der Fisch sich dort besser ausbreiten könne. (mt/dpa)

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