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Schöner Schein bei Bio-PlastikExperte erklärt, warum die Öko-Alternative oft problematisch ist

Frau hält kompostierbare Kaffeekapseln vor einer Bio-Mülltonne

Copyright: Peter Kneffel/dpa/dpa-tmn

Wohin mit den kompostierbaren Kaffeekaseln?

Die grüne Alternative zum Plastik? Klingt toll, aber die Realität sieht oft düster aus.

Sie wollen der Umwelt etwas Gutes tun und greifen zu Bechern, Tüten oder Verpackungen aus „Bio-Kunststoff“? Das Versprechen klingt verlockend, denn diese Produkte werden häufig aus pflanzlichen Quellen wie Maisstärke oder Zuckerrohr gefertigt. Doch die Frage, ob diese Alternative wirklich umweltfreundlicher ist, entpuppt sich als kompliziert, wie die dpa meldet.

Das Chaos beginnt bereits beim Namen: Der Begriff „Bio-Kunststoff“ ist gesetzlich überhaupt nicht geschützt. Es existieren gewaltige Unterschiede, erläutert Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW. Manche Varianten sind kompostierbar, andere wiederum nicht. Und nur weil ein Material aus Pflanzen gemacht ist, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch biologisch zerfällt.

Biomüll oder gelbe Tonne? Das große Entsorgungs-Chaos

Produzenten werben gerne damit, dass ihre kompostierbaren Artikel in die Biotonne wandern dürfen. Doch die Wirklichkeit ist eine andere. Viele Städte und Gemeinden, auch hier bei uns, machen da nicht mit. Der Grund ist einfach: Die meisten Kompostieranlagen haben zu kurze Rottezeiten, um diese speziellen Kunststoffe vollständig zu zersetzen.

Und im eigenen Gartenkompost? Keine Chance! Dort sind die Temperaturen viel zu niedrig, die Verpackungen verrotten so gut wie gar nicht. Selbst wenn der Zersetzungsprozess klappt, entsteht kein nährstoffreicher Humus, sondern lediglich CO2, Wasser und Biomasse, warnt der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Die klare Ansage vom Umweltbundesamt (UBA) lautet daher: Ab in den Gelben Sack! Bei Sammelbeuteln für Bioabfall heißt es nachfragen – meistens gehören sie aber in den Restmüll.

Die Öko-Bilanz? Dünger, Gifte und Energie-Verschwendung

Wirft man einen Blick auf die Umweltbilanz, wird das Bild noch trüber. Für den Anbau der Pflanzen werden riesige Ackerflächen beansprucht, häufig in Form von Monokulturen. Dort kommen massenhaft Pestizide und Düngemittel zum Einsatz. Die Produktion selbst ist ein echter Energiefresser, vergleichbar mit der Herstellung von normalem Plastik.

Obendrein sind in Bio-Kunststoffen oft Chemikalien wie Weichmacher oder Flammschutzmittel enthalten. Einige dieser Zusätze können in die Natur gelangen. Die Verbraucherzentralen warnen sogar, dass manche dieser Substanzen gesundheitsschädlich sein können. Auch das Recycling ist ein Problem: Haben die Bio-Kunststoffe nicht die exakt gleiche chemische Struktur wie normales Plastik, können sie nicht wiederverwertet werden. Ein kleiner Lichtblick: Bei der Verbrennung wird immerhin weniger CO2 freigesetzt.

Was wirklich hilft: Konsequent auf Mehrweg setzen

Sind Bio-Kunststoffe also unterm Strich besser für die Umwelt? Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Philip Heldt benennt das Kernproblem: Sie fördern die Wegwerfgesellschaft, weil sie fast nur für Einmal-Artikel zum Einsatz kommen. Der einzig wirklich nachhaltige Ansatz ist daher, konsequent auf Einwegprodukte zu verzichten. Greifen Sie zu Nachfüllpackungen und kaufen Sie Lebensmittel, die lose und ohne Plastikverpackung angeboten werden (red).

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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