Fatale VerwechslungBrühlerin muss beweisen, dass sie lebt – bis KI ihr glaubt

Tanja Rauth (54) ist Traurednerin und sitzt an ihrem Laptop.

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Tanja Rauth (54) aus Brühl ist Traurednerin im Raum Köln, Bonn und NRW sowie überregional. Sie ist spezialisiert auf Freie Trauungen und neurodiverses Heiraten.

Welch fatale Folgen eine technische Verwechslung durch künstliche Intelligenz haben kann, hat Traurednerin Tanja Rauth (54) aus Brühl bei Köln erlebt. Denn laut Google-Recherche war sie letztes Jahr verstorben.

Eine Todesanzeige mit ihrem Namen gab es tatsächlich. Sie betraf allerdings eine andere Frau: Tanja Rauth, die Ende 2025 gestorben war und rund 100 Kilometer entfernt im Ruhrgebiet gelebt hatte. Für die gleichnamige Traurednerin aus Brühl wurde der Fall trotzdem zum Problem. Denn die Google-KI ordnete den Todesfall ihr zu.

Aufmerksam wurde die 54-Jährige durch einen Bekannten. Anfang dieses Jahres hatte ihr Ehemann einen Anruf bekommen. Der Mann hatte im Internet nach der verstorbenen Tanja Rauth gesucht, war dabei auf den Ehemann der Brühlerin gestoßen und hatte ihm kondoliert. „Und er so: Moment, die sitzt neben mir“, erzählt Rauth.

Im Internet fand Tanja Rauth schließlich ihren Nachruf

Für Tanja Rauth war damit zunächst klar, dass es eine Namensverwechslung gab. Sie suchte nach der Todesanzeige und fand tatsächlich die Anzeige der anderen Tanja Rauth. Erst später stellte sie fest, dass die Verwechslung bei der Google-KI deutlich weiterging.

Bei einer Abfrage erschien plötzlich ein Nachruf, der sich auf die Traurednerin zu beziehen schien. Die KI hatte Informationen über ihre berufliche Tätigkeit mit dem Todesfall ihrer Namensvetterin vermischt. Ihr berufliches Leben wurde in der Vergangenheitsform beschrieben. Auch Fotos der Brühlerin erschienen im Zusammenhang mit dem Todesfall. „Es ist mein Wirken, da steht drin, was ich gemacht habe“, sagt Rauth.

Sie meldete die falschen Angaben. Auch ihr Mann meldete den Fehler. Eine dauerhafte Lösung gab es zunächst nicht.

Ein Screenshot beweist, dass KI Tanja Rauth sterben lie.

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Das ist der Screenshot, den Tanja Rauth sicherte. Demnach war sie am 9. Oktober 2025 verstorben. Doch sie lebt.

Daraufhin bat Rauth rund 20 Menschen aus ihrem Netzwerk, die falsche Darstellung ebenfalls zu melden. Kurzzeitig änderte sich die Anzeige. Die KI wies auf eine mögliche Verwechslung hin. Einen Tag später war der Fehler jedoch wieder da. „Es wurde wieder von mir in der Vergangenheit gesprochen“, erzählt sie.

So trickste Tanja Rauth schließlich die KI aus und „lebt“ nun wieder

Schließlich eröffnete Rauth ein Eskalationsticket. Gleichzeitig wollte sie dafür sorgen, dass im Internet möglichst viele eindeutige und aktuelle Informationen über sie zu finden sind. Sie pflegte ihre sozialen Profile, veröffentlichte Beiträge und richtete auf ihrer Homepage eine eigene Presseseite ein. Dort stellte sie Fakten zu ihrer Person, ihrer Arbeit und ihrem beruflichen Werdegang zusammen. Auch Screenshots der falschen Darstellung nahm sie auf. Die Idee dahinter, so Tanja Rauth: Die KI sollte bei künftigen Suchanfragen auf diese eindeutigen Informationen zurückgreifen können und erkennen, dass die Brühler Traurednerin lebt.

In ihrer Not wandte sie sich auch an Radio Erft und berichtete dort, dass sie noch lebt. Alles, damit KI diese Informationen bei zukünftigen Recherchen zu ihrer Person berücksichtigen würde. Kurz darauf änderte sich die Darstellung bei der Google-KI. Rauth wurde wieder als lebende Person angezeigt. „Mein Hauptattribut ist im Moment, dass ich lebe“, sagt sie.

Ob die falsche Darstellung tatsächlich Kunden gekostet hat, kann Rauth nicht sagen. Sie habe allerdings in diesem Jahr ungewöhnlich viel Zeit gehabt. Seit sie öffentlich auf den Fehler aufmerksam mache, kämen wieder Anfragen. Einen Zusammenhang könne sie nicht beweisen.

Rauth nutzt KI selbst, etwa um sich in ungewöhnliche Hobbys ihrer Hochzeitspaare einzulesen oder Reisen zu planen. Bei Fakten sei sie inzwischen besonders vorsichtig. „Man muss damit einfach intelligent umgehen“, sagt sie.