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Trotz Millionen-InvestitionenZoff um neue Halle am Girlitzweg eskaliert immer weiter

Urban Siep steht vor der Veranstaltungshalle am Girlitzweg.

Copyright: Marcel Schwamborn

Urban Siep vor der Halle am Girlitzweg. Diese möchte er als multifunktionale Veranstaltungshalle nutzen. Doch seit Jahren tobt ein Streit um Baugenehmigungen.

Seit fast zwei Jahrzehnten gibt es Pläne, am Girlitzweg eine Multifunktionshalle in Betrieb zu nehmen. Diese wurde inzwischen millionenschwer errichtet. Genutzt werden kann diese aber nicht.

Es ist eine Geschichte, die einfach kein Ende nehmen will. Seit fast zwei Jahrzehnten steht der Plan im Raum, dass am Girlitzweg im Kölner Westen eine multifunktionale Veranstaltungshalle entstehen soll. Mehrmals wurden Konzepte und Animationen präsentiert. Bis heute findet auf dem Gelände in Vogelsang aber noch nichts statt.

Komplizierte Eigentumsverhältnisse der Grundstücke im Umfeld der „Halle Tor 2“ machen das Vorankommen bei den Plänen so kompliziert. Unternehmer Urban Siep (74), Eigentümer der Flächen, reicht es nun. „Die Lage hat sich sehr verschärft. Ich werde hängen gelassen, obwohl ich mehrfach Gespräche angeboten habe. Ich bin doch an einer Lösung interessiert“, sagt er.

Wassermannhalle wurde einst für VIVA und die Basketballer genutzt

In den späten 1990er und frühen 2000er Jahren wurde die Wassermannhalle mehrfach als Austragungsort für die Verleihung des VIVA Comets genutzt. Die Kölner Basketballer spielten insgesamt acht Jahre lang im sogenannten Energy Dome, danach stand jahrelang nur noch das Gerippe der Halle.

Ursprünglich hatten Siep und der Kölner Bauunternehmer und Investor Anton Bausinger 2007 geplant, das weitläufige Industriegelände in einen großen Veranstaltungs- und Sportpark namens „Bois de Cologne“ zu verwandeln. 2010 präsentierten sie Pläne einer sogenannten „Halle Tor 1“ mit 5000 Stehplätzen. Die Eröffnung des 15-Millionen-Euro-Projekts war für Herbst 2012 geplant. Doch auch dies wurde nicht umgesetzt.

Siep und Bausinger ließen anschließend prüfen, ob die Veranstaltungsstätte als Ausweichquartier für die Oper dienen könnte. Auch das wurde verworfen. 2018 kehrte für einen Sommer durch die Open-Air-Konzerte an der Wassermannhalle mit Amy Macdonald, Santiano und Adel Tawil kurzfristig Leben auf das Gelände zurück.

Im Anschluss daran verkündeten Siep und Bausinger als Eigentümer des Grundstücks die Pläne einer neuen Konzerthalle. Mit einer Fläche von rund 3300 Quadratmetern sollte diese in der Dimension der alten Sporthalle Platz für bis zu 5000 Zuschauer bieten. Wegen des Neubaus einer Gesamtschule nebenan müsse der Bebauungsplan des Industriegebiets ohnehin geändert werden, sagte das Duo. 2021 war als Eröffnungsjahr avisiert.

Blick in die Halle am Girlitzweg.

Copyright: Marcel Schwamborn

Blick in den früheren Energy Dome. Die Halle am Girlitzweg ist schon aufwendig hergestellt worden. Nur kann diese noch nicht wie gewünscht für Konzerte genutzt werden.

Eine Halle steht inzwischen, das frühere Gerippe ist in ihr integriert. Veranstaltungen sind jedoch weiterhin nicht in Sicht. Stattdessen gibt es Streit um den Bebauungsplan, der dem Oberverwaltungsgericht Münster im Rahmen eines Normenkontrollverfahrens vorliegt. Hier findet im Januar 2027 die mündliche Verhandlung in Münster statt.

Als großes Problem erweisen sich die vier neu erbauten Schulen im Vogelsanger Triotop-Park neben dem Gelände. Die Erschließung dieser Schulen soll über den Teichrohrsängerweg erfolgen, der mitten durch Sieps Grundstück verläuft. „Diese Fläche habe ich 2007 an Anton Bausinger übertragen. Er wiederum hat diese an die Stadt weiterverkauft. Nun soll der Weg verbreitert werden und es heißt, dass Veranstaltungen im Schulzeitraum zu einer Verkehrsgefährdung führen“, sagt Siep.

„Ich hätte den Weg nie verkaufen dürfen. Gutmütigkeit ist aber keine Doofheit.“ Bei der Übertragung im Jahre 2007 sei beiden Beteiligten klar gewesen, dass diese Fläche ausschließlich als Privatstraße genutzt werden solle – mit weiteren Möglichkeiten der Nutzung für die seinerzeit geplante Schule.

Blick auf die Wassermannhalle und die neue Veranstaltungshalle.

Copyright: Marcel Schwamborn

Die Wassermannhalle und die links danebenliegende Veranstaltungshalle. Zwischen den Gebäuden und der Halle Tor 2 verläuft der Teichrohrsängerweg.

Ende Juni erhielt Siep eine Baugenehmigung für die Nutzung der Wassermannhalle für Basketballspiele an Sonn- und Feiertagen für bis zu 1940 Zuschauer.

Der ursprünglich von Siep und seiner Architektin der Stadt vorgestellte große Bauantrag wurde zurückgenommen, damit nach Aussage der Stadt eine schnelle Baugenehmigung für die Nutzung der Wassermannhalle für Basketballspiele erteilt werden könne. Es war der seinerzeit von der Stadt ausdrücklich formulierte Wunsch, dass die Basketballer ein neues „Zuhause“ finden. Die Erteilung dieser Baugenehmigung wurde nach Sieps Angaben seitens der Stadt maximal herausgezögert.

„Zwischenzeitlich wollten Mitarbeitende der Stadt Köln, dass ich eine eidesstattliche Versicherung abgebe, dass nach Erteilung der Genehmigung für die Basketballspiele an Sonntagen es keinerlei Veranstaltungen innerhalb der Schulzeiten geben soll. Nachdem ich dieses Verlangen deutlich zurückgewiesen habe, wurde die Genehmigung erteilt, allerdings mit der Auflage versehen, dass Veranstaltungen im Schulzeitraum Montag bis Freitag zu einer Verkehrsgefährdung führen und deshalb unzulässig seien“, sagt Siep.

Die Stadt Köln teilt auf Anfrage mit, warum es keine sogenannte Grundbaugenehmigung gibt. „Für die Nutzung der Veranstaltungshalle als Sportstätte für Basketballspiele an Sonntagen liegt der Stadt Köln eine verkehrliche Bewertung vor. Diese hat sie geprüft und daraufhin eine Genehmigung erteilt. Für eine Ausweitung der Nutzung als Multifunktionshalle unter der Woche ist eine erneute verkehrliche Bewertung insbesondere wegen der Schulnutzung erforderlich. Erst wenn diese vorliegt, kann die Stadt Köln erneut prüfen, ob auch dafür eine Genehmigung erteilt werden kann“, heißt es.

Ein Verkehrsgutachten sei in Arbeit, entgegnet Petra Lenz-Voß, die Siep anwaltlich vertritt. „Aber die Umsetzung kann nicht nur zulasten meines Mandanten gehen. Die Stadt Köln hat sich im Vorfeld schlicht zu wenig Gedanken um die Erschließung der Schulen gemacht. Ursprünglich war nur eine Schule mit 1300 Schülern geplant, jetzt sind es vier. Deshalb möchte die Stadt den Teichrohrsängerweg verbreitern und blockiert so die Nutzung der Multifunktionshalle.“

Blick in das Foyer der Wassermannhalle.

Copyright: zVg

Das Foyer der Wassermannhalle ist eine beliebte Location für Veranstaltungen.

„Bei der EM 2024 hat die Stadt auf dem Gelände das Public Viewing zum Spiel der Ungarn mit über 10.000 Menschen veranstaltet. Im Anschluss zeigte sich die Verkehrsgutachterin mit der Verkehrsregelung sehr zufrieden“, sagt Siep. „Allen Gremien ist seit Jahren klar, dass diese Halle als Kulturstätte und nicht nur für Basketballspiele geplant ist.“

Da es wiederholt zu Vandalismus und zu Polizeieinsätzen aufgrund der durchlaufenden Schülergruppen auf dem Grundstück der „Halle Tor 2“ gekommen ist, hat Siep einen Zaun errichtet, um den Durchgangsweg klar abzugrenzen. Gegen diese Errichtung hat die Stadt wiederum eine Ordnungsverfügung erlassen. „Für den Bau des Zauns wurde öffentliches Straßenland in Anspruch genommen und beschädigt. Es fehlte die erforderliche Erlaubnis zur Nutzung des öffentlichen Straßenlandes“, teilt die Stadt mit.

Siep wiederum entgegnet, dass ein Nachweis, dass der Zaun auf städtischem Grund steht, bis dato seitens der Stadt nicht geführt wurde. Es wurde lediglich ein Foto herangezogen als Grundlage für die Ordnungsverfügung. Deshalb wurde gegen die Verfügung Klage eingereicht.

„Die Notwendigkeit der Sicherung der Betriebsabläufe auf den Grundstücken von Herrn Siep sind genauso wenig mitberücksichtigt, wie die Tatsache, dass er im zweistelligen Millionenbereich Investitionen getätigt hat, um diese Mehrzweckhalle zu ertüchtigen. Ebenso wird offensichtlich seitens der Stadt vergessen, dass die Errichtung der Schule nur deshalb möglich geworden ist, weil Urban Siep den Pachtvertrag der früher dort stehenden Fertigbetonanlage nicht verlängert hat“, sagt Anwältin Lenz-Voß.

„Die von Seiten von Urban Siep mehrfach gewünschten Gespräche mit dem Oberbürgermeister und dem Dezernenten Ascan Egerer blieben unbeantwortet.“ Klar ist, dass die Fronten am Girlitzweg komplett verhärtet sind. „Es soll Druck und Zwang auf Herrn Siep ausgeübt werden“, sagt die Juristin. Die unendliche Geschichte im Kölner Westen geht also weiter.