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WM 2022 in Katar Boykott-Welle: Kölner Gastro setzt starkes Zeichen und verzichtet auf viel Geld

Über der Bar "Lotta" hängt ein Plakat mit dem Hinweis, dass die WM in Karar boykottiert wird.

Ein Plakat über der Bar „Lotta“ weist darauf hin, dass die Bar keine Fußball-WM im Fernsehen zeigt, aufgenommen im Mai 2022. 

Köln zeigt Haltung. Ein Verbund von Gastronominnen und Gastronomen boykottiert die WM 2022 in Katar.

Die WM 2022 in Katar erhitzt weiter die Gemüter. Nachdem bisher einzelne Kölner Kneipen und Bars angekündigt hatten, die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft nicht zu zeigen, kommt es jetzt zu einem großen WM-Boykott in der Kölner Gastronomie.

Ein Verbund von mehreren namhaften Lokalen aus dem Belgischen Viertel zeigt der Katar-WM die Rote Karte. Menschenrechtsverletzungen, tausende tote Stadionarbeiter, Strafen für die LGBTQ+-Community, Alkoholverbot – alles Gründe, die in Köln keine Lust auf ein scheinheiliges Fußballfest machen.

Kölner Gastronomie-Verbund boykottiert Fifa WM 2022 in Katar

Beliebte Lokale wie die Barracuda Bar, De.lite, Die Wohngemeinschaft, Frida, Forelle blau, Gottes Grüne Wiese, Grünfeld, Monkeys, Pegel, Scheinbar, Stadtgarten, Tausend Bar, Zum Goldenen Schuss, Zum scheuen Reh oder Zappes haben sich zusammengeschlossen, um die WM zu boykottieren.

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In einer Mitteilung des Gastro-Verbundes heißt es: „Das Belgsiche Viertel erklärt sich zur Fifa-freien Zone. Die Organisation und Ausrichtung der WM in Katar beruhen auf moderner Sklaverei und Missachtung von Menschenrechten. Wir werden dieser WM keinen Raum, keine Leinwand und keine Aufmerksamkeit geben. Wir spielen nicht mit Menschenrechten.“

Ein Plakat mit einem Text zum Boykott der WM in Katar durch Kölner Kneipen.

Kölner Bars und Kneipen aus dem Belgischen Viertel wollen die WM 2022 in Katar boykottieren.

Phillip Treudt, Inhaber der Bar „Zum scheuen Reh“ am Hans-Böckler-Platz, erklärt die Entscheidung im Gespräch mit EXPRESS.de: „Fast alle Lokale im Belgischen Viertel boykottieren die WM. Wir verzichten gerne auf die Einnahmen. Es ist eine moralische Entscheidung. Die WM hätte auch auf ‚Ebay‘ versteigert werden können. Dass es da nur um Geld geht, ist doch allen klar.“

Es sei „eklig“, was sich die FIFA rausnehme, sagt der Kölner Gastronom. Zudem sei die Verlegung in den Winter eine Farce. „Es ist auch noch Weihnachtszeit, die Leute stehen dann mit Glühwein da. Ein Public Viewing ist ja unmöglich, alles spielt sich dann drinnen ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Gäste dann abends in der Kälte Fußball schauen“, so Phillip Treudt.

Fußballfans verfolgen eine Partie in einer Kneipe

Die sonst so tolle Stimmung, wie hier in der beliebten Kölner Fußnallkneipe Gottes Grüne Wiese, aufgenommen während der Frauen-EM 2022, wird es bei der WM in Katar im Winter in Köln nicht geben.   

Den Gastronominnen und Gastronomen aus Köln sei bewusst, dass ihre Entscheidung für den Fußballweltverband Fifa keine Einbußen bedeuten werde, sie hoffen aber, dass noch mehr Lokale bundesweit die WM boykottieren werden.

Laut Treudt sind die Lokale in einer Whatsapp-Gruppe vernetzt und haben sich dort über die Entscheidung abgestimmt. Es gebe auch aber Bars, die WM-Spiele zeigen wollen. Gibt es da jetzt böses Blut? Treudt sagt: „Nein. Das müssen alle für sich selbst entscheiden. Wir verurteilen niemanden. Ich kann mir aber vorstellen, dass das Image darunter leiden kann, wenn ein Lokal die WM zeigt.“

Aus der Vergangenheit weiß er, dass Turniere wie eine WM oder EM auch die Umsätze um einige Tausend Euro steigen lassen. Der Gastronom erklärt: „In der Woche kann der Umsatz bei der WM bei einem Spiel der Deutschen Nationalmannschaft schon mal um das Dreifache steigen. An Wochenenden sind es gute 20 Prozent mehr. Wir wollen aber kein Geld auf dem Rücken der toten Stadionarbeiter verdienen.“

Privat will er die WM aber schauen, wie Treudt weiter erklärt: „Für meinen zehnjährigen Sohn ist es die erste richtige WM und er ist total fußballverrückt. Ich habe ihm erklärt, was in Katar passiert ist und er versteht es auch. Wir werden die WM aber zusammen schauen. Für Kinder finde ich es schade, dass sie kein Fußballfest mit Public Viewing erleben können. Auch die Spieler können einem leidtun, sie können aber nichts für die Umstände.“

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