Zwei Wochen isoliert? Kölner Quarantäne-Queen (35) kann darüber nur müde lächeln

Die Kölner Quarantänekönigin, Neitah Bönisch

Die Kölner Quarantänekönigin, Neitah Bönisch

Köln – Zwei Wochen Corona-Quarantäne? Für Kölns Quarantäne-Königin Neitah Bönisch (35) ein Klacks. Knapp sechs Wochen durfte sie ihre Wohnung in der Südstadt nicht verlassen. Nach und nach hatten sich die WG-Bewohner angesteckt.

Köln: WG in Quarantäne – alle hatten sich angesteckt

Alles fing mit Bewohner Christoph an. „Ich war Anfang März in Ischgl Snowboarden und kam nichtsahnend zurück“, erzählt der 29-Jährige. Eineinhalb Wochen später spürte er dann Symptome, die ihn sofort hellhörig machten: Fieber und Gliederschmerzen. Davor hatte er sich aufgrund von Medienberichten über die Epidemie in Ischgl schon abgeschottet, war nicht mehr arbeiten gegangen.

„Zum Glück: Der Test war positiv. Mir wäre es unangenehm gewesen, andere anzustecken.“ Kurz darauf nahm man ihn wegen einer Vorerkrankung vorsichtshalber fünf Tage ins Krankenhaus auf.

WG in Köln: Sechs Wochen Quarantäne

„Mir ging es vergleichsweise gut, ich arbeitete beim Hackaton an einem Erntehelfer-Projekt mit.“ Die Situation war aber auch sehr beklemmend. Neben ihm lag ein älterer Herr, kämpfte wegen einer vom Coronavirus ausgelösten Lungenentzündung um sein Leben. „Ich weiß bis heute nicht, ob er es überstanden hat. Da wurde die Gefahr für mich real.“

Die Kölner Quarantänekönigin in Corona, Neitah Bönisch

Die Quarantänekönigin Neitah beim Renovieren.

In dieser Zeit flatterte Neitah und ihrer Mitbewohnerin Kathi die Ordnungsverfügung des Kölner Gesundheitsamtes ins Haus. „Das war ein komisches Gefühl, zwei Wochen nicht mehr raus zu dürfen“, erzählt Neitah.

WG in Köln: Zusammenhalt in Krisenzeiten

Die drei kümmerten sich um Christoph, stellten ihm Essen vor die Zimmertür. Gingen sich aus dem Weg, desinfizierten regelmäßig Türklinken. Vom gemeinsamen WG-Leben blieb nicht viel übrig. „Die zwei Badezimmer teilten wir auf. Das war alles nicht einfach“, sagt Christoph. Wenige Tage vor dem Ende der Quarantäne fühlte sich Kathi plötzlich komisch, verlor Geschmacks- und Geruchssinn. Auch sie hatte sich angesteckt.

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Nur bei Neitah war der Test negativ. Die nächsten zwei Wochen Quarantäne begannen, in denen Kathi mehrere Tage im Bett verbrachte. Schließlich wurde auch Neitah krank. „In einer Nacht habe ich so schlecht Luft bekommen, dass ich nicht schlafen konnte“, sagt sie. Jetzt war Christoph dran, versorgte „seine Mädels“.

WG in Köln: Freunde kaufen füreinander ein

„Im Supermarkt lernte ich Ecken kennen, die ich bislang nie betreten hatte.“ Wer so lange auf so engem Raum aufeinander hockt, kriegt sich jedoch auch mal in die Haare. „Es war nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen.“

Neitah mit Mitbewohner Christoph

Neitah mit Mitbewohner Christoph

Was die drei nie gedacht hätten: Das Virus hat sie und die Nachbarschaft zusammengeschweißt. „Ein älterer Herr hat mir Vogelgezwitscher aufgenommen und Fotos vom Park vorbeigebracht“, erzählt Neitah.

Die Nachbarn stellten Pistaziencreme auf den Balkon, die WG untern ihnen kaufte für sie im Baumarkt ein. Ihre Mutter und ihr Bruder besorgten eine Stichsäge. Freunde und Verwandte schrieben Briefe. „Wir erledigten all die Sachen, für die man sich im Alltag nie die Zeit genommen hat – bis auf die Steuererklärung.“

WG in Köln: Neue Dachterrasse fleißig genutzt

Was man so alles machen kann, um Zeit totzuschlagen? Yoga, Malen, Lesen, Kochen. „Als ich nichts geschmeckt habe, gab es nur Nudeln mit Butter.“

Besonders stolz ist sie auf die gemeinsame Dachterrasse mit Domblick, die die drei mit neuem Holzboden und selbstgebauten Möbeln renoviert haben. „Wir sehen jetzt nicht aus, als wären wir krank gewesen. Eher, als wären wir gerade aus dem Spanienurlaub zurück“, sagt Christoph.

WG in Köln: Vorfreude auf normales Leben ist groß

Worauf sich Neitah am meisten freut, wenn sie diese Woche wieder vor die Tür darf? „Spazieren gehen und meine Familie besuchen, wieder Sport im Fitnessstudio treiben.“ Wie Christoph vermisst sie nicht die Kneipe oder den Club, sondern die Freiheit, sich voll entfalten zu können. Sie alle wünschen sich ein Stück Normalität zurück.

Alles schön geworden: Der Balkon

Alles schön geworden: Der Balkon

„Ich habe aber auch das Gefühl, dass uns diese Zeit der Ruhe und Menschlichkeit gut getan hat“, sagt Neitah. Christoph: „Wir alle sollten mehr Rücksicht nehmen und uns nicht mit unserem Egoismus aufhalten.“

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