Ein Post auf der Plattform X stürzt die Kölner CDU in eine heikle Lage und provoziert heftige Reaktionen, sogar aus der eigenen Partei.
„Unerträgliche Hetze“Kölner CDU-Mann sorgt mit Özdemir-Post für Wut

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Die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Baden-Württemberg sind Manuel Hagel (CDU, l.), und Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen). Özdemir ist jetzt von einem Kölner CDU-Mitglied diffamiert worden.
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Die Worte eines CDU-Mitglieds aus Köln lösen bundesweit einen Sturm der Entrüstung aus. Jetzt zieht die Partei Konsequenzen und kündigt Maßnahmen an. Gundolf Siebeke hatte den Grünen-Politiker Cem Özdemir aufgrund seiner Religionszugehörigkeit angegriffen. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg steht Özdemir dem CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel gegenüber.
Auf der Plattform X schrieb Siebeke am 2. März wörtlich, den Wählern in Baden-Württemberg sei „nicht bewusst, welche Folgen es hat, einen Muslim an die Spitze ihres Bundeslandes zu wählen“. Özdemir habe sich „nicht von dieser grausamen Religion losgesagt“ und unterstütze „unsere Islamisierung“. Zur Information: Cem Özdemir beschreibt sich selbst als säkularer Muslim, während seine Ehefrau katholisch ist.
Kölner CDU-Mann warnt vor „Islamisierung“ durch Cem Özdemir
Siebeke legte aber noch nach: Als Muslim „muss“ und „wird“ Özdemir „die Islamisierung durch seine Entscheidungsmacht fördern“. Des Weiteren behauptete der Kölner Christdemokrat, ein muslimischer Regierungschef dürfe „nicht gegen die Ausbreitung der Scharia vorgehen“. Der Post schließt mit den Worten: „Seine Loyalität gilt zuerst dem Islam. Das ist seine Pflicht als Muslim!“
In sozialen Netzwerken ist Siebeke kein unbeschriebenes Blatt. Er macht dort regelmäßig mit Alarmrufen vor einer „Islamisierung des freien Westens“, einer „Religion des Hasses gegen Andersgläubige“ und dem Wort „Geburtenjihad“ von sich reden.
Seine Antipathie richtet sich ebenso gegen die Grünen. Im Jahr 2024 zweifelte er wegen der Kanzlerkandidatur von Robert Habeck am Wahlrecht für Frauen: „Sollte es so sein, dass Frauenstimmen den politischen Heiratsschwindler Robert H. ins Kanzleramt hieven und damit Deutschland über die Klippe, muss über das Frauenwahlrecht inoffiziell, über antiemotionalen Demokratieunterricht offiziell nachgedacht werden.“ Diesen Beitrag entfernte er später.
Hagel und Özdemir reagieren – Laschet: „unerträgliche Hetze“
Die Antworten auf seinen Angriff gegen Özdemir folgten prompt. Manuel Hagel schrieb ebenfalls auf X: „So ein Unsinn. Das ist nicht unser Wahlkampfstil, das ist nicht unsere CDU.“ Erniedrigungen und ideologische Grabenkämpfe würden „nie zu etwas Gutem“ führen.
Auch der frühere NRW-Ministerpräsident und CDU-Politiker Armin Laschet fand klare Worte. Der Beitrag sei „an der Grenze der Volksverhetzung, da er Muslimen staatsbürgerliche Rechte absprechen will“. Laschet nannte es „eine unerträgliche Hetze“. Er offenbarte, dass er Siebeke „schon vor vielen Jahren blockiert“ habe. Özdemir selbst hielt seine Reaktion kurz und erwiderte Hagel: „Vielen Dank! Genau so machen wir es!“
Die Kölner CDU bezog auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ebenfalls Stellung. Die Vorsitzende des Kreisverbands, Serap Güler, stellt klar, die Kommentare seien „mit dem Menschenbild der CDU unvereinbar“ und „unerträglich“. Man grenze sich „ausdrücklich“ davon ab und verurteile sie „auf das Schärfste“. Ihre unmissverständliche Botschaft: „Solche Positionen haben bei uns keine Heimat.“
Serap Güler: „Wir bitten Cem Özdemir um Entschuldigung“
Zusätzlich bittet die Partei Cem Özdemir um Verzeihung für den „völlig inakzeptablen Kommentar“ – und ebenso Manuel Hagel. Das Mitglied aus Köln sei schon früher durch „frauenfeindliche und rassistischen Aussagen“ aufgefallen, bekleide jedoch kein Parteiamt und wurde bereits mehrfach abgemahnt. Aufgrund der aktuellen Entgleisungen, die der CDU geschadet haben, wird dem Kreisvorstand nun die Einleitung eines Ordnungsverfahrens empfohlen. (red)
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