Kürzlich, am letzten „Tag der Forts“, als wieder Tausende Menschen zu Kölns alten Festungsanlagen strömten, traf man ihn noch. Nur sein enges Umfeld wusste, wie ernst es um ihn stand. Dann trat das Schlimmste ein.
Er wurde nur 63Bestürzung über Tod von Kölns „Lost Places“-Experten

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Robert Schwienbacher war ein Kenner der Kölner Bunkeranlagen - hier etwa geht es hinunter zum Röhrenbunker am Reichensperger Platz.

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Er war der Herr der Bunker und Festungen und brachte die Bedeutung, Geschichte und Faszination historischer Anlagen in Köln der Öffentlichkeit nahe.
Auch für EXPRESS.de war er ein gefragter Experte, mit ihm ging es auf Zeitreise zu alten Forts aus preußischer Zeit oder Relikten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.
Trauer um den Gründer des „Kölner Instituts für Festungsarchitektur“
Jetzt ist Robert Schwienbacher im Alter von 63 Jahren gestorben – das „Kölner Institut für Festungsarchitektur“ (Crifa – Cologne Research – Institute of Fortification Architecture) trauert um seinen Gründer und Vorsitzenden.
Robert Schwienbacher hatte in der ersten Juni-Woche einen Herzinfarkt erlitten, diesen zunächst überstanden. „Er war schon auf dem Weg der Besserung, so dachten wir“, sagt Crifa-Vorstand und Mitbegründer Georg Ruppert. Doch zwei Wochen nach dem ersten erlitt der Weggefährte einen zweiten, tödlichen Infarkt. Er verstarb, wie jetzt bekannt wurde, am 21. Juni. Die Beisetzung wird am 31. Juli in Siegburg erfolgen.
„Robert hat ganz viel Geschichts- und Kulturarbeit für Köln geleistet“, erzählt sein langjähriger Mitstreiter Georg Ruppert. Für den Erhalt und die Öffnung alter Denkmäler für die Öffentlichkeit hatten sich die Männer gemeinsam eingesetzt.
Der „Tag der Forts“ (jährlich am ersten Sonntag im Juni), der stets Tausende Besucher anlockt, geht auf eine Inititiative von Robert Schwienbacher zurück. Der erste Infarkt traf den gebürtigen Münchner mitten in den Vorbereitungen für die Veranstaltung. Ihm wurden in der Klinik mehrere Stents gesetzt.

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Robert Schwienbacher am „Tag der Forts“ im Juni, den er als Vereinsvorsitzender noch mit vorbereitet hatte – er war gesundheitlich angeschlagen, besuchte dennoch das Organisationsteam.
Natürlich musste er kürzertreten. Aber er ließ es sich nicht nehmen, am Tag der Veranstaltung die Kollegen zu besuchen, zu schauen, wie es läuft, erzählt Ruppert. Er habe am Ende noch eine Dankesrede gehalten.
Ein weiteres Vereinsmitglied, der Kölner Marcus Massing, erklärte gegenüber express.de: „Ich sagte zu ihm: ‚Robert, du spielst mit deinem Leben‘.“
Robert Schwienbacher sah die Stadt mit anderen Augen
Begegnungen mit Schwienbacher waren für Köln-Liebhaber wertvoll und erhellend. Ein üblicher Rost im Bürgersteig in Dellbrück? Der Experte klärte auf: Ein Notausstieg von „Mannesmann Luftschutz“ von vor 1945. Ein großes Gitter auf einer Rasenfläche am Reichenspergerplatz? Der Eingang zu einem Weltkriegsbunker. Ein rechteckiger, heller Fleck am Gemäuer des Stadtmuseums? Die nachts leuchtenden Markierungen wiesen den Weg zum Luftschutzkeller.
Oder auch das: Ein ganz normale Wohnanlage an der Siegburger Straße 453? Nein – ein ehemaliger Hochbunker in Poll, im Keller findet sich noch ein typisches Emaille-Becken aus der Zeit und Markierungen an den Wänden. Der Bunker wurde 1943 erbaut.
„Lost Places“, vergessene Orte, waren für Robert Schwienbacher wie ein Lebenselixier. „Um Fördermittel für den Erhalt der Anlagen zu erhalten, hat er die Leute stets versucht zu überzeugen, da war er konsequent und ist immer drangeblieben“, sagt Marcus Massing. Er tat das in einem Feld durchaus rivalisierender Vereine, die sich nicht immer grün sind.
Schwienbacher schrieb Fachbeiträge, erstellte mit seinem Team informative Broschüren und umfassende Bestandsaufnahmen – der Kölner Stadtkonservator erhielt ein zweibändiges Werk, in dem alle Kenntnisse über die Kölner Forts akribisch zusammengetragen sind.
Auch im Netz finden Interessierte hochspannende Informationen. Faszinierend ist die zusammenhängende digitale Dokumentation aller noch in Köln aus dem Zweiten Weltkrieg erhaltenen Hochbunker.

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Mit Robert Schwienbacher unterwegs im Fort IX in Porz. Das Bauwerk war Teil des früheren preußischen Befestigungsrings rund um Köln.
Mit seinem Team hatte Robert Schwienbacher viel Zeit und Mühe in die Realisierung des Projekts investiert. Dessen Motto lautet: „Mit Abstand zum Krieg, ein Mahnmal gegen das Vergessen.“
Auch die Kölner Unterwelt kannte Schwienbacher vielleicht wie kein zweiter. Zu seinen Lieblingsobjekten gehörte die „Verwaltungsbefehlsstelle Köln“ im Kellerkomplex der Realschule an der Berrenrather Straße, wo die Stadtspitze im Falle eines (Atom)-Krieges hinter 60 Zentimeter dickem Stahlbeton die Führung aufrechterhalten sollte. Noch im Jahr 1983 wurde hier eine geheime Übung abgehalten.
Die Geschichte des Bunkers an der U-Bahnhaltestelle „Kalk-Post“
Eingesetzt hat sich der „Herr der Bunker“ ebenso leidenschaftlich für die „Mehrzweckanlage Kalk-Post“, die Bestandteil der gleichnamigen U-Bahn-Station ist. Die Anlage bot im Katastrophenfall insgesamt 2366 Menschen (ein Bunkerwart sollte zählen und dichtmachen) einen Schutzplatz, u.a. entlang der 110 Meter langen Bahnsteige. Eingerechnet ist auch der Platz, den man in sechs KVB-Straßenbahnen hätte.
Wenn die laut Plan im Katastrophenfall in den U-Bahn-Tunnel eingefahren waren, sollten sich hinter ihnen in beiden Richtungen die Tore schließen. Dazu machten noch drei weitere, 40 Zentimeter dicke betonbewehrte Stahltüren den oberen Bereich zur Kalker Hauptstraße dicht. Auf diese Weise abgeriegelt sollten die Menschen zumindest zwei Wochen überleben. Die Vorstellung ist dramatisch.

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Als 2025 eine Kölner Tatort-Folge in der Schutzanlage gedreht wurde, erfuhren die Schauspieler Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt spannende Fakten vom Bunkerexperten Robert Schwienbacher.
Technisch ausgelegt war die Anlage für den ABC-Schutzfall. Luftfilter, Dieselaggregat, Zisterne, Tiefbrunnen, Öltanks, Krankenstation, Liegen, sogenannte Komprimatnahrung usw. - eine kleine Stadt unter der Stadt.
Man kann sich das heute kaum vorstellen. Als Leiter des DOKK, der Dokumentationsstätte Kalter Krieg, hat Robert Schwienbacher versucht, auch diese Geschichte den Menschen begreifbar zu machen.
