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Drama um Michelle (†25)Kölner Richter geht mit Toter hart ins Gericht: „mitgesoffen, mitgekokst“

Ein Foto des verstorbenen Unfallopfers.

Copyright: Privat

Michelle (†25) starb bei einem Autounfall am 11. Juni 2022 auf der A57 bei Köln. Das Foto hat ihre Mutter EXPRESS.de zur Verfügung gestellt. 

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Bei einem Autounfall auf der A57 im Juni 2022 kam die 25-jährige Michelle ums Leben. Vor dem Kölner Amtsgericht wurde nun die Fahrerin des Wagens verurteilt. 

Ihr Gesicht ist vom Schmerz gezeichnet, immer wieder kämpft sie dagegen, dass sie Tränen und Trauer überwältigen: Bereits am zweiten Prozesstag sitzt die Mutter der getöteten Michelle (†25) tapfer als Nebenklägerin im Gericht – direkt gegenüber der Frau (35), die Schuld an dem schrecklichen Unfall sein soll.

Am Donnerstagnachmittag  (3. August 2023) ist vor dem Kölner Amtsgericht das Urteil gesprochen worden. Zuvor hielt Opferanwalt Martin Daschner ein flammendes Plädoyer.

Nach schrecklichem Unfall auf der A57: Prozess vor Kölner Amtsgericht

„Michelle wollte nicht sterben, als sie zu ihnen ins Auto stieg“, sagt er in Richtung der Angeklagten und hält ein großes Foto des Opfers hoch. „Michelle hat sich darauf verlassen, dass sie sie nach Hause bringen!“

Am 11. Juni letzten Jahres waren die beiden Frauen auf der A57 im Cabrio verunglückt. Die Angeklagte, die am Steuer saß, soll unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden haben und deutlich zu schnell gefahren sein. Der Krankenschwester wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Am ersten Prozesstag hatte sie ein Geständnis abgelegt.

Die Angeklagte hat die Hände zusammengefaltet.

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Die Angeklagte 35-Jährige (auf dem Foto zu sehen) wurde am 3. August 2023 bei einem Prozess vor dem Kölner Amtsgericht verurteilt.

„Was haben sie uns mitgeteilt, was wir nicht wussten?“, will Opferanwalt Daschner jetzt wissen und gibt gleich die Antwort: „Es war nicht viel.“

Was ihn aber richtig sauer mache, so Daschner an die Angeklagte: „Es gibt keine Entschuldigung von ihnen. Sie hatten die Möglichkeit, auch hier im Gericht – und haben es nicht getan.“

Anders als die Staatsanwaltschaft, die am Donnerstag für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung plädiert, sieht auch der zweite Opferanwalt, Holger Trappen, die Aussetzung der Strafe zur Bewährung nicht für gerechtfertigt.

Am Nachmittag wird schließlich das Urteil verkündet: schuldig der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs und des Drogenbesitzes in nicht geringer Menge. Die 35-jährige Krankenschwester wird zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, zudem wird ihr für zwei Jahre die Fahrerlaubnis entzogen und sie muss 9600 Euro in Raten an den Deutschen Kinderschutzbund zahlen.

Urteil vor Kölner Amtsgericht gefallen: Diese Strafe muss Angeklagte aussitzen

In der Urteilsbegründung schildert der Vorsitzende Richter Wolfgang Schaarmann mit heftigen Details noch einmal die Stunden vor dem Unfall, in denen die Angeklagte und das Opfer über einen langen Zeitraum viel Alkohol sowie Kokain konsumiert hätten. In der Nacht hätten beide dann beschlossen, nach Köln zu fahren, um Koks-Nachschub zu besorgen. In einem Café hätten sie weitergetrunken, seien dann ins Auto gestiegen und hätten dort weiter Party gemacht, die Musik laut aufgedreht. Fast ein Wunder, so der Richter, dass sie es bis auf die A57 geschafft hätten. 

Zwischen den Anschlussstellen Ehrenfeld und Longerich passierte es: Das Mercedes-Cabrio geriet auf den Grünstreifen, schleuderte nach links über alle Fahrbahnen, flog über die Leitplanke und überschlug sich zweimal.

Unfallort auf der A 57 in Köln

Copyright: Jasmin

Die Unglücksstelle auf der A 57 am 11. Juni 2022: Das Mercedes Cabrio liegt völlig zerfetzt hinter der Leitplanke.

Michelle auf dem Beifahrersitz, bei dem vermutlich wegen eines technischen Defektes der Gurtstraffer nicht funktionierte, schlug mehrfach mit dem Kopf auf. Für die junge, zweifache Mutter kam jede Hilfe zu spät. Ein Zeuge (44) sagte im Prozess, dass das Cabrio knapp an ihm vorbeigeflogen sei. „Wie eine Rakete. Der Wagen hätte mich fast mitgenommen“, so der Familienvater. 

Bei dem Unfall sei die Motorhaube so zusammengefaltet worden, wie er es noch nie gesehen habe, so Richter Schaarmann. Bei der Angeklagten seien zwei Stunden nach dem Unfall 0,8 Promille gemessen worden, zwei Stunden zurückgerechnet also 1,2 Promille. „Da ist man absolut fahruntüchtig. Dazu kommt die Wirkung des Kokains. Das hätte man besser gelassen“, so der Vorsitzende Richter.

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Er geht auch mit der toten Michelle hart ins Gericht, die „mitgesoffen und mitgekokst“ und sich wissentlich zu einer Betrunkenen ins Auto gesetzt hätte. „Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Selbst schuld, auch, wenn es sich für die Mutter hart anhört.“

„Ich habe keine Worte“, sagt Michelles Mutter nach dem Urteilsspruch. Egal welche Strafe – es würde ihre Tochter nicht zurückbringen. Sie erzählt auch, dass Michelle und die Angeklagte, die immer von ihrer „besten Freundin“ sprach, sich gerade mal drei Monate gekannt hätten. „Meine Tochter hatte andere, echte Freunde“, erklärt sie. Viele von denen stehen ihr während des schweren Prozesses zur Seite, umarmen und trösten sie vor dem Gerichtssaal.

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