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SensationKölner überraschend gewählt – er stand gar nicht zur Wahl

Bisher Pfarrer, jetzt Bischof der alt-katholischen Kirche: Jürgen Wenge

Copyright: Alt-Katholische Kirche

Bisher Pfarrer, jetzt Bischof der alt-katholischen Kirche: Jürgen Wenge

Was für eine Riesen-Überraschung bei der Bischofswahl! Der Kölner Pfarrer Jürgen Wenge (63) ist das neue Oberhaupt der Alt-Katholiken in Deutschland – obwohl er gar nicht zur Wahl stand.

Das ist eine echte Sensation in der Kirchenwelt! Am Samstag wurde der alt-katholische Geistliche Jürgen Wenge aus Köln bei einer Sondersynode in Karlsruhe zum neuen Oberhaupt seiner Glaubensgemeinschaft gewählt. Der 63-Jährige ist in der Region kein Unbekannter: Zwischen 2010 und 2020 hatte er bereits das Amt des Generalvikars im Bistum mit Sitz in Bonn inne.

Der Clou an der Geschichte: Wenge war aus Altersgründen eigentlich gar kein offizieller Kandidat für das hohe Amt. Trotzdem bekam er im ersten Wahlgang mehr Stimmen als die beiden eigentlichen Bewerber. Ein klares Zeichen der Synode!

Wahl-Krimi: Kölner stand gar nicht auf dem Zettel

Daraufhin erklärte sich Wenge doch noch bereit, für das Amt zu kandidieren. Im zweiten Wahlgang war dann alles klar: Er holte die nötige Mehrheit von 60 Prozent. Er folgt auf Matthias Ring, der im September aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Ironie des Schicksals: 2009 hatte Wenge bei der Abstimmung noch gegen Ring verloren.

Nach der Wahl gab Wenge zu, dass er sich „lange Zeit nicht damit anfreunden können, das Bischofsamt zu übernehmen“. Doch das starke Ergebnis im ersten Wahlgang habe er als klare Aufforderung verstanden. Er habe „deutlich gespürt, dass die hohe Stimmenanzahl im ersten Wahlgang eine synodale Legitimation für eine Bereitschaftserklärung sei“.

Bis zu seiner Bischofsweihe im Februar wird Wenge die Leitung des Bistums kommissarisch übernehmen. Bevor er zur alt-katholischen Kirche übertrat, war der neue Bischof als Priester für das römisch-katholische Bistum Münster tätig. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Was ist die alt-katholische Kirche?

Die alt-katholische Kirche entstand vor rund 150 Jahren aus Protest gegen Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70), wie etwa die Unfehlbarkeit des Papstes, was zur Trennung von Rom führte.

Bei den Alt-Katholiken ist es Priestern gestattet zu heiraten, Frauen steht der Zugang zu allen Weiheämtern offen und auch homosexuelle Paare erhalten den Segen. In Deutschland zählt die Kirche rund 16.000 Mitglieder in 60 Gemeinden, europaweit sind es etwa 70.000. (red)

Wegen dieser Öffnung und einer Liturgie, die der erneuerten römisch-katholischen sehr ähnlich ist, betrachten viele die alt-katholische Gemeinschaft als eine progressivere Spielart ihrer großen Schwesterkirche. (red)