Schwarze Adler „Ich liebe dieses Land“: Dann kommen Kölner Moderatorin die Tränen

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Die Kölnerin Shary Reeves (51) schildert in der Amazon Prime Doku: „Schwarze Adler“ Erfahrungen, die sie als Fußballerin mit Rassismus gemacht hat.  

Köln – „Ich liebe dieses Land, aber manchmal denke ich..“, sagt die Kölner TV-Moderatorin Shary Reeves in der bewegenden Amazon-Prime-Doku „Schwarze Adler.“ Dann bricht sie den Satz unter Tränen ab. Im EXPRESS-Interview schildert die Ex-Fußballerin, warum die Dokumentation nicht nur die Welt des Fußballs kritisch beleuchtet, wie sie auf den aktuellen Rassismus-Eklat rund um Jens Lehmann blickt und wie der traurige Satz eigentlich weitergehen sollte.

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Kölner Moderatorin Shary Reeves: So sieht sie den Eklat um Jens Lehmanns Nachricht

In der Amazon Prime Doku „Schwarze Adler“ beschreiben Sie Momente, in denen Sie sich Rassismus ausgesetzt gefühlt haben – vor allem im Fußball. Nun haben wir mit Jens Lehmanns Nachricht an Dennis Aogo, in der er ihn als „Quotenschwarzen“ bezeichnet, einen brandaktuellen Rassismus-Eklat. Wie nehmen Sie den Fall wahr?

Shary Reeves: Ich selbst habe einmal mit Jens Lehmann zusammengearbeitet und ein Interview mit ihm gegeben. Auf mich hat er damals als Mensch etwas unnahbar gewirkt.

Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich fand es sehr überraschend, dass man bei Hertha BSC so schnell die personellen Konsequenzen gezogen – und in dieser Frage gar nicht lange gefackelt hat.

Befürworten Sie diese schnelle Entscheidung von Hertha BSC?

Ich kann aus meiner Position heraus nicht über Jens Lehmann richten. Aber jeder Fußballverein hat seine eigene Philosophie und ist auch ein Arbeitgeber. Oft steht in Arbeitsverträgen genau drin, welche Folgen es hat, wenn man sich rassistisch oder diskriminierend äußert. Das kann ein Kündigungsgrund sein.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Verein sich hier gedacht hat: Dann passt dieser Mensch nicht zu uns, wenn er eine solche gesellschaftliche Einstellung hat. Und wenn das so ist, dann ist es natürlich rechtens, ihm seinen Posten zu entziehen. Dazu gibt es keine zwei Meinungen.

Was glauben Sie, wie Dennis Aogo sich gefühlt hat, als er versehentlich die WhatsApp-Nachricht von Jens Lehmann erhalten hat?

Natürlich erlebt man so etwas häufiger in unserer Gesellschaft. Ich kann nicht sagen, wie er sich gefühlt hat, aber die Reaktionen sprechen für sich. Aogo hat sich ganz klar positioniert, in dem er die Nachricht veröffentlicht hat. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die beiden sich – soweit ich informiert bin – auch persönlich gekannt haben und dann dürfte die Enttäuschung über so eine Nachricht noch größer gewesen sein.

Und dafür gibt es in meinen Augen auch keine Entschuldigung. Mich persönlich hätte vor allem interessiert, an wen die WhatsApp-Nachricht ursprünglich gehen sollte. Denn diese saloppe Wortwahl muss ja zumindest für den angedachten Empfänger oder die angedachte Empfängerin akzeptabel gewesen sein.

War Dennis Aogos Schritt, diese Nachricht zu veröffentlichen, richtig?

Man kann natürlich nicht zuerst so eine Nachricht veröffentlichen und Jens Lehmann damit den Wölfen zum Fraß vorwerfen, aber dann sagen: „Ne, das letzte Stück Fleisch bekommst du nicht.“ So wirkte es zumindest, als Dennis Aogo ebenfalls öffentlich kommentierte, jetzt ist es mal gut und wir klären das unter uns, aber er kann nicht für die Öffentlichkeit mitentscheiden.

Am Ende ist es so, dass Dennis Aogo auch eine gewisse Vorbildfunktion hat. Und, dass er diese Nachricht veröffentlicht hat, das hat er ja nicht nur für sich gemacht. Sondern für eine ganze Community. Da kann niemand auf einmal entscheiden, wann es für alle genug ist.

Sie haben zum Beispiel beim Kölner Fußballverein Borussia Kalk gespielt. Haben Sie persönlich in Kölner Fußball-Clubs rassistische Erfahrungen gemacht?

Es ist egal, wo ich gespielt habe. Ich habe in jedem Fußballverein rassistische Erfahrungen gemacht. Bei Borussia Kalk, aber auch bei Blau-Weiß Köln und Fortuna Köln.

Das war aber auch beim FFC Frankfurt der Fall. Das Rassismus-Thema hat es in jedem Verein gegeben, auch bei Gegenspielerinnen aus gegnerischen Vereinen – einfach immer.

Wie sehen Sie die umschreibende Äußerung vom 1. FC-Köln Trainer Friedhelm Funkel nach dem Spiel gegen Bayer Leverkusen über die schwarzen Spieler in der Mannschaft: „Darf man ja nicht mehr sagen“ – ist das eine Unsicherheit in der Kommunikation oder ist das Rassismus?

Für mich ist Friedhelm Funkels Aussage erstmal kein Rassismus, sondern zunächst einmal eine unglückliche Verunglimpfung. Hätte Funkel sich einfach klarer ausgedrückt und gesagt was er meint, hätte es diese Diskussion nie gegeben.

Aber sein Satz: „Das darf man ja so nicht mehr sagen“ impliziert, dass er vielleicht insgeheim eine andere Meinung darüber hat, wie man schwarze Spieler bezeichnen sollte.

Er hätte einfach die Namen der Spieler nennen sollen, die er konkret meinte oder sagen sollen, dass die Leverkusener Mannschaft auf der Außenseite zwei schnelle schwarze Stürmer hat. Jeder weiß doch, dass Menschen mit dunkler Haut meist die besseren Fußballer sind. (lacht) Das ist ja kein Geheimnis! Die schnellsten Menschen der Welt kommen ursprünglich alle aus Afrika.

Vor drei Jahren haben Sie mit EXPRESS ein Interview zum Alltagsrassismus in Köln geführt. Was hat sich seitdem getan?

Ich habe das Gefühl, dass von außen etwas in mein Leben hineingetragen wird, wonach ich nie gefragt habe. Der Rassismus ist immer noch da. Beim Bäcker, wenn ich nicht dran komme – einfach überall. Köln schreibt sich auf die Fahne tolerant und weltoffen zu sein, aber nur dieses gute Bild von sich zu haben, darauf können wir uns nicht ausruhen. Wir müssen uns das erarbeiten, jeden Tag.

Es ist immer noch so, dass schwarze Menschen sich nicht zugehörig fühlen und mittlerweile hat man das Gefühl: Ich habe einfach Pech gehabt, für dieses Leben – weil ich nicht „die richtige“ Hautfarbe habe. Es gibt immer wieder Menschen, die mich daran erinnern, dass ich ihrer Meinung nach nichts in diesem Land verloren habe. Mich macht das alles sehr müde, auch wenn ich weiß, dass nicht ich das Problem bin, sondern die anderen es zu einem in meinem Leben machen.

Müde, aber auch traurig. In der „Schwarze Adler“-Doku werden Sie am Schluss emotional, als es um das Gefühl geht, in Deutschland weniger dazuzugehören. Sie sagen: „Ich liebe dieses Land, aber manchmal denke ich..“ -  dann kommen Ihnen die Tränen. Wie wollten Sie den Satz vervollständigen?

..manchmal denke ich, dass es nicht sein kann, dass man nach so langer Zeit immer noch dafür kämpfen muss oder sich erarbeiten muss, ein Teil dieser Gesellschaft und dieses Systems zu sein.

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Die Kölnerin Shary Reeves (51) hat schon in vielen Lebensbereichen schmerzliche Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Sie ist Journalistin, Schauspielerin, TV-Moderatorin, Produzentin und ehemalige Fußballspielerin.

Man ist hier aufgewachsen, hat alles dafür getan. Und doch reicht es nicht. Man weiß irgendwann nicht mehr, wofür man das alles macht.

Woran müssen auch wir Kölner im Alltag noch arbeiten, damit die Hautfarbe im Alltag endlich keine Rolle mehr spielt?

Wir müssen uns selbst mehr hinterfragen und mit Unwissenheit aufräumen. Uns auch fragen, wie viele Freunde oder Bekannte mit internationalem Migrationshintergrund oder Freunde mit einer anderen Religion habe ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Kenne ich die Perspektive anderer Menschen überhaupt?

Und wir müssen ganz klar bei Bildung und Aufklärung ansetzen. Da hat die Doku „Schwarze Adler“ einen wichtigen Beitrag geleistet. Sie klärt auf, was eigentlich in der Vergangenheit passiert ist und wie sich der Rassismus in unserer Gesellschaft weiterentwickelt hat – nicht nur im Fußball. Rassismus kommt immer aus der Vergangenheit und wenn wir die Ursachen besser kennen, können wir mit der Wirkung besser umgehen.

Hinweis: Die Dokumentation „Schwarze Adler“ soll am 18. Juni 2021 im ZDF ausgestrahlt werden und ist ab dem 15. Juni in der Mediathek verfügbar.

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