Umstrittene Großmacht: Am 4. Juli 2026 feiern die USA das 250. Jahr ihres Bestehens. In den US-Geschichtsbüchern steht auch der Name eines Mannes, der aus Liblar stammte und in Köln zur Schule ging. In New York steht ein riesiges Denkmal. Wer war dieser außergewöhnliche Mensch?
Sagenhaftes LebenDarum hat ein Kölner Gymnasiast ein Denkmal in New York

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Dieses monumentale Denkmal zu Ehren von Carl Schurz (1829 – 1906) steht in New York.

Deutsche (oder Deutschstämmige), die in den USA was aus sich mach(t)en: Mit Donald Trump, dessen Großvater aus Rheinland-Pfalz in die Vereinigten Staaten von Amerika einwanderte, ist diese Erzählung gerade etwas verrucht. Mario Kramp, Historiker und ehemaliger Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, erinnert uns jetzt daran, dass es lange vor Trump (und Kissinger, und Eisenhower, und, und, und) einen Carl Schurz gab, der in Liblar (gehört heute zu Erftstadt) geboren wurde, in Köln aufs Gymnasium ging und den Höhepunkt seiner Karriere als Innenminister erreichte – und zwar als Innenminister der USA!
Das Leben von Schurz scheint wie aus einem Abenteuerroman entsprungen. Kramp hat mit „Paris 1850 – Der Demokrat Carl Schurz als politischer Flüchtling“ (Verlag Ralf Liebe) ein neues Buch zum Thema geschrieben. Der revolutionäre Rheinländer, der für ein demokratisches Deutschland kämpfte, ging erst ins europäische Exil, wanderte dann in die USA aus und wurde eine Art deutscher Super-Ami.
Kramp: Der Liblarer Draufgänger „machte eine Wahnsinnskariere“
Bezeichnend: Als die Deutsche Bundespost zum 200. Geburtstag der USA 1976 eine Briefmarke herausgab, war auf dieser ein Porträt von Schurz neben einem Bild des Capitols zu sehen. Wie kommt ein im Jahr 1829 in Liblar vor den Toren Kölns geborener Mann zu solcher Bedeutung? „Eine wahnsinnige Karriere, die der Liblarer Jung macht“, bescheinigt Kramp, gebürtiger Euskirchener, seinem „Landsmann“, denn Liblar gehört zum Kreis Euskirchen.
Ein stürmisches Leben führte Schurz bis in die USA, wo der deutsche Immigrant republikanischer Senator wurde, im Bürgerkrieg im Range eines Generals gegen die Sklaverei kämpfte, zu einem Freund Abraham Lincolns und schließlich zum Innenminister der Vereinigten Staaten von Amerika wurde – sagenhaft.

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1976 gab die Bundespost eine Briefmarke mit Schurz als Motiv heraus.
Auch nach Köln strahlt die Schurz-Story ab, denn er war Schüler des Kölner Marzellengymnasiums. Im Zuge der Revolution 1848/49 wurde Schurz mit 19 Jahren Präsident des demokratischen Studentenvereins, er war mit seinem Bonner Kameraden und Uniprofessor Gottfried Kinkel beim Sturm auf das Siegburger Zeughaus dabei. Der Politaktivist kämpfte gegen Preußens Truppen, landete auf den Fahndungslisten der Regierung, er tauchte unter und wurde zum politischen Flüchtling.
Was in Deutschland und später in den USA geschah, so Autor Kramp, „das ist alles gut erforscht. Aber dazwischen ist etwas, worüber wir fast nichts wissen: Das Exil.“ Worüber zumindest Kramp dann eben doch etwas weiß. Sein Buch widmet sich vor allem diesen Jahren, die Schurz erst in der Schweiz, dann in Paris und in London verbrachte. Im Mittelpunkt steht die durch große Quellenarbeit mit vielen Details nachgezeichnete Zeit in der französischen Hauptstadt, die immer noch als „Herd und Ausgangspunkt der erträumten europäischen Revolution“ (wie Kramp schreibt) galt.

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Der Historiker Mario Kramp stammt aus Euskirchen und lebt in Köln.
Das Leben und Treiben in der Metropole wird in den Erzählungen Kramps lebendig. So erfährt der Leser zum Beispiel, dass Schurz das frivole Treiben in Paris bisweilen zu weit ging. Liebschaften sind nicht bekannt.
Seine Ehefrau Margarethe Meyer heiratete er 1852 in London, im selben Jahr zog das Paar in die USA, bekam fünf Kinder. Frau bzw. Mrs. Schurz wurde auch bekannt – als Gründerin des ersten Kindergartens in den Vereinigten Staaten.
