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„Unappetitlich“ und „unhygienisch“Ekel-Alarm beim Essen in Kölner Brauhaus

Maus im Brauhaus

Copyright: KStA Medien

Eine Maus flitzt unter den Tischen durch das Brauhaus.

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Ein Brauhaus in der Kölner City sieht das Nager-Problem deutlich verschärft – und will, dass alle gemeinsam handeln.

Auf dem Tisch landet gerade Kasseler mit Sauerkraut. Da bewegt sich etwas im Augenwinkel. Ein kleiner, dunkler Schatten flitzt an der Fußleiste entlang. Etwa eine …? Ja, genau. Das nächste Kölsch wird gebracht. Und schon huscht eine weitere Maus über den Holzboden.

Der große Saal ist gut gefüllt, überall Stimmen, Teller und Gläser klirren im voll besetzten Gasthaus. Die Tiere wirken kaum scheu. Man kann sie in Ruhe mit dem Handy filmen, dann sind sie wieder weg. Bis die nächste Maus um die Ecke kommt.

Gäste von Kölner Brauhäusern und Restaurants geschockt

Gäste von Kölner Brauhäusern und Restaurants, die Mäuse entdeckt haben, finden dafür Worte zwischen „unappetitlich“ und „unhygienisch“. Viele haben ihren Ärger in Online-Bewertungen festgehalten. Ein Geschäftsreisender schreibt im März über ein Brauhaus im Friesenviertel: „Als ich den Kellner darauf hinwies, sagte er mir, dass es viele davon gäbe. Ich war schockiert.“

Ein weiterer Gast meint: „Das scheint da nichts Besonderes zu sein.“ Eine Anfrage unserer Redaktion beantwortete das Haus nicht. Über eine Pizzeria in der Altstadt heißt es: „Hier hatten die Mäuse auf dem Boden das Sagen. Irgendwie eklig!“

Mitten in der Kölner Innenstadt, im Brauhaus Früh, ist das Thema bekannt. Auf Nachfrage erklärt Sprecherin Sophie Longerich, es gehe hier nicht um einzelne Betriebe. Betroffen seien weite Teile der Innenstadt.

„Wir beobachten die Entwicklung des Ratten- und Mäusebefalls mit großer Sorge. Nach unserer Wahrnehmung hat sich die Situation in den vergangenen Jahren deutlich verschärft“, sagt Longerich. Das Brauhaus nehme das Problem sehr ernst. Schon jetzt stecke man erhebliche Ressourcen in Vorbeugung und Bekämpfung der Schädlinge – mehr, als normalerweise verlangt wird. „Der Schutz unserer Gäste, Mitarbeitenden und der Aufenthaltsqualität in unserem Haus hat für uns höchste Priorität.“

Kölner Innenstadt und Altstadt besonders betroffen

In Köln sind Ratten und Mäuse nichts Ungewöhnliches. Wo viele Menschen dicht beieinander wohnen, essen und Müll zurücklassen, haben die Nager leichtes Spiel. Ganz besonders in der City und der Altstadt – also dort, wo Schnellrestaurants und Street-Food-Stände jede Menge Abfall verursachen. Am Wochenende türmen sich in und neben den Mülleimern am Rheinufer, in den Gassen der Altstadt und in den zentralen Ausgehvierteln die Reste der Partynacht: Pizzakartons, halb volle Döner-Tüten, Pommes-Schachteln, Donut-Kartons. Für die Nager ist das ein gedeckter Tisch.

In einer Innenstadt, die zu den am dichtesten besiedelten in Europa zählt, bleibt das nicht ohne Folgen. Die alten Häuser der Altstadt bieten außerdem reichlich Verstecke, in denen sich auch größere Kolonien niederlassen können.

Für Gastro-Betriebe kann das ernste Konsequenzen haben. Mit ihren Ausscheidungen können die Tiere Lebensmittel verschmutzen und Krankheitserreger weitergeben. Als mögliche Gefahren für die Gesundheit nennt die Stadt unter anderem Leptospiren und Hantaviren. Dass das Risiko real ist, belegen Kontrollen in der Gastronomie. Erst Mitte Oktober musste ein Kölner Imbiss nach einer gemeinsamen Kontrollaktion mehrerer Behörden schließen – wegen gravierender Hygienemängel, darunter Mäusebefall.

Dass sich mal eine einzelne Maus in einen Gastraum verläuft, könne passieren – vor allem, wenn die Türen offen stehen. Das sagt Christoph Becker, Geschäftsführer und Sprecher der Dehoga Nordrhein: „Das spiegelt aber nicht unbedingt die Hygiene in einem Betrieb wider.“

Im Gaffel am Dom will man jede Chance verhindern, dass sich Mäuse auf Dauer einnisten. „In diesem Jahr haben wir zahlreiche bauliche und präventive Maßnahmen umgesetzt“, erklärt Geschäftsführer Dennis Lieske. Mögliche Zugänge werden konsequent abgedichtet, außerdem arbeitet das Haus mit einem Schädlingsbekämpfer zusammen. „Das Auftreten von Mäusen in einer offenen Gastronomie ist für uns ein sehr sensibles Thema, das wir äußerst ernst nehmen.“ Solche Fälle seien aber „äußerst selten“. Anzeichen für Ratten gebe es keine.

Brauhaus Früh will, dass alle an einem Strang ziehen

Wie verbreitet die Nager in Köln wirklich sind, kann kaum jemand genau sagen. Eigene Zahlen zu den sogenannten „Schadnagern“ erhebt die Stadt Köln nicht. Seit Jahresbeginn gingen beim Umwelt- und Verbraucherschutzamt 440 Meldungen zu Schadnagern im öffentlichen Raum ein. Laut einer Sprecherin sind die Zahlen konstant: 515 Meldungen waren es 2025, 530 im Jahr 2024. Besondere Hotspots gibt es nach Angaben der Stadt nicht – die Tiere tauchen dort auf, „wo achtlos Müll und Essensreste entsorgt werden“. Als einen Grund nennt die Stadt die wachsende Menge an wildem Müll in Köln.

Im vergangenen Jahr bemängelte die Stadt in 98 Kölner Gastro-Betrieben einen Befall mit Mäusen oder Ratten. 41 davon mussten vorübergehend dichtmachen. Auch in diesem Jahr liegen die Zahlen bis Mitte Oktober hoch: Bei 64 Kontrollen wurde Schadnagerbefall festgestellt, in mehr als der Hälfte der Fälle – 38 – wurde der Betrieb geschlossen. Jeder Gastro-Betrieb ist verpflichtet, Schädlinge zu bekämpfen.

Laut Stadt müssen das sachkundige Schädlingsbekämpfer übernehmen. Verunreinigte Lebensmittel müssen weggeworfen, alles gründlich gereinigt und desinfiziert werden.

Klingt einfacher, als es ist. Mäuse mögen Brotkrümel, Kartoffelreste und alles andere, was im Brauhaus vom Teller fällt. Und sie vermehren sich extrem schnell.

Schädlingsbekämpfer: Vermutlich mehr Ratten als Einwohner in Köln

Der Kölner Schädlingsbekämpfer Sebastian Oberkönig sagt, die Schätzungen zur Zahl der Tiere lägen weit auseinander. Vermutlich gebe es in Köln mehr Ratten als Einwohner – und noch mehr Mäuse. Seine Firma Rolf Krings Schädlingsbekämpfung betreut und berät aktuell 20 bis 30 Gastronomiebetriebe in Köln. Vor allem Lebensmittellager brauchen Schutz. „Ein Befall kann vermieden werden“, sagt Oberkönig. Dazu zähle auch, dass Profis die Betriebe regelmäßig überwachen – was nicht jeder sorgfältig umsetze.

Auch die Stadtentwässerungsbetriebe (SteB) melden auf Anfrage: „Wir stellen in mehreren Bereichen vermehrt Ratten fest.“ Wo es Futter gibt, bleiben die ungebetenen Nager und vermehren sich: in Parks, auf Spielplätzen, in Wohnsiedlungen und Hochhaus-Komplexen mit offenen Müllplätzen, aber auch an Schulen. Am wohlsten fühlen sich die Tiere in der Kanalisation.

Die SteB warnen deshalb eindringlich davor, Essensreste über die Toilette oder den Abfluss loszuwerden. „In den vergangenen Jahren haben wir im Schnitt jährlich rund 1500 Schächte im Kölner Netz gezielt beködert.“ Erlaubt ist das laut Gesetz nur, wenn ein Befall nachgewiesen ist. „Eine pauschale oder vorbeugende Auslegung von Giftködern ist gesetzlich strikt verboten.“ (red)