Corona, Influenza, RS-Virus Notaufnahme übervoll – Kölner Kinderklinik mit drastischer Maßnahme

29.04.2021, Köln: Das Kinderkrankenhaus mit dem Ronald McDonald Haus, auf der Amsterdamer Straße im Kölner Stadtteil Riehl. Donnerstag 29. April 2021 Aufgenommen am: 29.04.2021 Foto: Alexander Roll (Staff)

Am Anschlag: Die Kinderklinik Amsterdamer Straße in Köln kann nur mit Mühe die Versorgung der Kinder sicherstellen.

Ausnahmezustand auf den Kinderstationen in NRW Auch im Kölner Kinderkrankenhaus gerät die Belegschaft an die Belastungsgrenze, es ist nicht mehr ausreichend Personal für die kranken Kinder da. OPs werden verschoben, Kinder in ganz NRW verteilt, die Wartezeiten sind lang.

Volle Notaufnahmen, die Stationen bis zum letzten Bett gefüllt und kein Ende der Welle in Sicht: Ob in der Kinderklinik Sankt Augustin, in Bonn oder im Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße gelingt es nur noch mit großer Anstrengung, die Versorgung der jungen Patienten und Patientinnen aufrechtzuerhalten.

EXPRESS.de fragte bei den Kliniken der Stadt Köln nach – und bekam eine alarmierende Antwort. „Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete in der vergangenen Woche im Bericht zur Corona-Pandemie, dass Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) insbesondere bei Kleinkindern vermehrt zu Erkrankungen und Krankenhauseinweisungen führen“, erklärt Monika Funken, Sprecherin der Kliniken der Stadt Köln.

Köln: Immer wieder Säuglinge auf der Intensivstation

„Dieser Trend ist auch im Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße deutlich zu spüren. Die Zahl der Patientinnen und Patienten mit RSV ist sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich sehr hoch.“

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Die Sorge um die Kinder ist groß, die Belastung der Krankenhäuser dramatisch, denn gleichzeitig misst das Labor Dr. Wisplinhoff weiter eine hohe Zahl von Corona-Infektion in der Region, gefolgt von vielen Influenza-Fällen.

Hier im Video: Schlimme RS-Virus-Welle bei Kleinkindern

Der Grund für die Überbelastung liegt laut Funken aber insbesondere in den vielen RSV-Fällen: „Die Infektion verläuft häufig bei Neugeborenen schwer, sodass sie stationär aufgenommen werden müssen. In diesem Jahr sind zudem auch vermehrt Kleinkinder im Alter von zwei bis drei Jahren von einem schweren Verlauf betroffen. Immer wieder müssen Säuglinge und Kleinkinder auf der Intensivstation behandelt werden oder benötigen eine intensive Behandlung durch Atemunterstützung auf der Normalstation – die Genesung dauert länger als in anderen Jahren.“

Grund hierfür könnte die Schwächung des Immunsystems durch eine vorher durchlaufene Corona-Infektion sein. Obwohl der Winter kaum begonnen hat, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinderklinik wie in allen anderen Einrichtungen in der Region am Anschlag.

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Funken: „Das Team des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße unternimmt alles, damit die Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleistet werden kann, und geht dabei an die absolute Belastungsgrenze. Dazu gehört auch, dass – nach Absprache im Team – die Personaluntergrenzen der Pflege unterschritten werden, also mehr Patientinnen und Patienten aufgenommen werden als vorgesehen.“

Unter der Krankheitswelle leiden aber nicht nur die Kleinen, die Gesamtversorgung in der Pädiatrie ist in Gefahr. „Geplante, nicht zwingend sofort notwendige Untersuchungen und Operationen werden abgesagt und umgeplant. Für die betroffenen Familien bedeutet dies ebenfalls eine zusätzliche Belastung“, sagt Funken.

Kölner Kliniken: Wartezeiten in der Notaufnahme sind sehr lang

Die Sprecherin hofft auf Nachsicht der Eltern, denn die Kinder werden teilweise in ganz Nordrhein-Westfalen in den Krankenhäusern verteilt – eben da, wo noch ein Bett frei ist. Die Maßnahme ist drastisch, aber notwendig.

EXPRESS.de erfuhr: Kliniken der Region sollen gegenüber der Belegschaft bereits den „Notstand“ ausgerufen haben.

Funken: „Auch die Wartezeiten in der Notaufnahme sind durch den großen Andrang sehr lang. Ebenso müssen kranke Kinder direkt aus der Notaufnahme in andere NRW-Krankenhäuser verlegt werden. Wir bitten alle betroffenen Familien um Verständnis für die Wartezeiten und Verschiebungen. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Patientenversorgung aufrechtzuerhalten.“

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