Ein Kölner Student hat den internationalen Fotowettbewerb „Nikon Small World“ gewonnen. Sein Motiv: Tintentropfen, die im Drucker durch die Luft fliegen. Den Aufbau dafür hat er selbst konstruiert.
Sieg bei Nikon-Fotowettbewerb „Small World“Kölner Student gelingt unfassbares Foto

Copyright: Ole Bielfeldt
Der erste Preis des Nikon-Fotowettbewerbs „Small World“ 2026 ging an den Kölner Ole Bielfeldt für dieses Bild von Tintentropfen in einem Tintenstrahldrucker.
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Ein Druckkopf, ein Blatt Fotopapier, ein dunkler Raum. Dann ein Blitz – und für einen winzigen Augenblick steht alles still. Feine Tintentropfen hängen in der Luft, kurz bevor sie auf dem Papier landen. Was in Büros und Wohnzimmern millionenfach am Tag passiert, bekommt so gut wie niemand je zu sehen. Ole Bielfeldt aus Köln hat es jetzt fotografiert.
Mit diesem Bild hat der Student den ersten Platz beim Nikon „Small World“ gewonnen, einem Wettbewerb für Fotos, die durch ein Mikroskop aufgenommen werden. Die Gewinner der 52. Ausgabe hat Nikon Instruments am Mittwoch (21. Oktober 2026) bekannt gegeben.
„Ich wusste nicht, wie es wirklich funktioniert“
Am Anfang stand eine einfache Frage: Wie schafft es ein Drucker, Tinte so präzise aufs Papier zu bringen? „Ich fand das super interessant, weil ich nicht wusste, wie es wirklich funktioniert“, sagt Bielfeldt im Gespräch mit Nikon. „Es war wie Magie, und ich habe es nicht verstanden, aber jetzt verstehe ich es.“
Seinen ersten Drucker hat er im Mai 2024 auseinandergenommen, so schreibt er es auf Instagram. Danach ging es hin und her. Mehrmals kehrte er zu dem Projekt zurück. Erst in diesem Jahr fand er einen Weg, das Bild einzufangen, das er im Kopf hatte.
Was genau er da fotografiert hat, erklärt Bielfeldt selbst: Wer gedruckten Text unter dem Mikroskop betrachtet, sehe unzählige winzige Punkte. Jeder Buchstabe und jedes Bild wird in solche Punkte zerlegt, angeordnet in einem Raster. Mit bloßem Auge würden sie miteinander verschwimmen, sagt er. Je höher die Druckauflösung, desto mehr Punkte passten auf dieselbe Fläche und desto schärfer würde das Ergebnis werden.
Im Druckkopf sitzen winzige Düsen, die die Tropfen ausstoßen. Bei thermischen Tintenstrahldruckern erhitzt ein Heizelement die Tinte auf rund 300 Grad. Dabei entsteht eine Dampfblase, die einen Tropfen mit bis zu 20 Metern pro Sekunde aus der Düse schießt. Das sind umgerechnet 72 Kilometer pro Stunde.
Der Druckkopf steht still, das Papier wandert
Die größte Herausforderung waren laut Bielfeldt Geschwindigkeit und Licht. Der Druckkopf rast über das Papier, die Tropfen sind noch schneller. Die kürzeste Verschlusszeit seiner Kamera, eine Achttausendstelsekunde, reichte bei Weitem nicht aus. „Nachdem ich viele Male versucht hatte, die Tropfen in Bewegung einzufangen, und gescheitert war, dachte ich, ich bräuchte teure Ausrüstung“, sagt Bielfeldt. „Aber es stellte sich heraus, dass ich bereits alles hatte, was ich brauchte.“
Also baute er den Drucker um. Nach dem Vorbild von Handdruckern ließ er nicht mehr den Druckkopf über das Papier fahren, sondern das Papier unter dem feststehenden Druckkopf entlanglaufen. So blieben die Düsen im Fokus. Ein kleines Rad dreht sich mit dem Papier und meldet der Druckersteuerung die genaue Position, damit sie weiß, wann die nächste Zeile kommt.
Als eigentlicher Verschluss diente ein Blitz im dunklen Raum, der die Tropfen in der Luft einfriert. Damit das ganze Bild scharf wird, setzte er viele Aufnahmen mit unterschiedlicher Schärfeebene zu einem Bild zusammen, sogenanntes „Image Stacking“. Auf Instagram zeigt er, wie der Drucker das Wort „macro“ druckt. Zum Größenvergleich hält er seinen Finger daneben. Den Fingerabdruck habe er sicherheitshalber bearbeitet, schreibt er dazu.
Nach rechts swipen, um Bielfeldt und die Erklärung zu seiner Arbeit anzusehen:
Auf dem fertigen Foto entdeckte Bielfeldt dann Dinge, mit denen er nicht gerechnet hatte, wie er verrät: verschmutzte Düsen, ungleichmäßige Tropfen und kleine Schatten, die die schwebende Tinte auf das glänzende Fotopapier wirft. Gerade diese Makel machen den Reiz des Bildes aus.
„Ole Bielfeldts Siegerbild verkörpert, was Nikon Small World so stark macht: die Verbindung von Mikroskop-Bildgebung, Erfindungsgeist und Kunstfertigkeit“, sagt Eric Flem von Nikon Instruments. „Indem er ein Mikroskopobjektiv auf eine andere Weise eingesetzt hat, hat er einen vertrauten Gegenstand in etwas völlig Neues und bisher Ungesehenes verwandelt.“
„Wenn das Bild nicht echt wäre, hätte es keinen Wert“
Auch wenn sein Bild vielleicht aussehen mag, als sei es mit Künstlicher Intelligenz erstellt: Mit KI erzeugte Bilder lehnt Bielfeldt ab. Er arbeitet lieber mit echten Motiven und klassischen Techniken wie der Bildbearbeitung am Computer. „Wenn das Bild nicht echt wäre, hätte es keinen Wert“, sagt er.
Früher hat er in seine Videos auch mal surreale Elemente hineingeschnitten, etwa Vögel, die zwischen den Borsten einer Zahnbürste fliegen. Seine Follower machten ihm aber klar, dass ihnen die unbearbeiteten Aufnahmen lieber sind. Seitdem zeigt er seine Motive nur noch so, wie sie wirklich aussehen.
Vom Außenseiter zum Sieger
Der Sieg kam für Bielfeldt überraschend. Unter den Teilnehmenden aus der Forschung fühlte er sich anfangs wie ein Außenseiter. Sein Bild entstand nicht für eine wissenschaftliche Studie, sondern weil er einen Alltagsgegenstand verstehen wollte.
„Ich lerne sehr visuell und schaue mir Dinge gerne an, um zu sehen, wie sie gemacht sind und wie sie funktionieren“, sagt er. „Ich glaube, Wettbewerbe wie Nikon Small World sind eine großartige Möglichkeit, Menschen mit einer ähnlichen visuellen Lernweise zu erreichen und sie für etwas zu begeistern, von dem sie sonst vielleicht nichts wüssten.“ Bielfeldt selbst verkauft Drucke seiner Arbeit über seine Homepage Macrofying.
In seiner Freizeit tüftelt er schon am nächsten Ding, verrät er: einem eigenen Objektiv, das ohne Wechsel von etwa 50-facher Vergrößerung bis zur Ultraweitwinkel-Ansicht zoomen soll. Außerdem klettert er, ist gerne in der Natur und repariert einen alten Land Rover Defender 90, mit dem er oft zum Campen fährt. Bei aller Leidenschaft will er die Fotografie nicht zum reinen Job werden lassen. „Ich versuche, es auch als mein Hobby zu sehen und nicht als meine Arbeit“, sagt er. „Sonst würde ich, glaube ich, verrückt werden.“ (mg)

