Kopfdurchschuss Augenhöhlen zertrümmert: Jetzt fiel vor Kölner Landgericht das Urteil

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Beim Prozessauftakt versteckt Claudio M. (43) sein Gesicht mit einem Ordner vor den Fotografen. 

Köln/Bergisch Gladbach – Die Tat ist entsetzlich – dass das Opfer überlebt hat, ein Wunder... Nach zehn Verhandlungstagen fiel am Donnerstag (18. Februar) vor dem Kölner Landgericht das Urteil gegen einen Familienvater. 

  • Gericht entspricht Forderung der Kölner Staatsanwaltschaft
  • Kölner Opferanwalt mit klarer Ansage für seinen Mandanten
  • Kugel war durch den Kopf gegangen

Der angeklagte Claudio M. (43, Name geändert) musste sich seit dem 11. Januar wegen versuchten Totschlags verantworten. Die Kammer sprach ihn für schuldig und verurteilte ihn zu acht Jahren Gefängnis. Damit entsprach sie der Forderung der Staatsanwaltschaft. 

Urteil vor Kölner Landgericht: Opferanwalt Ingmar Rosentreter mit klarer Ansage 

„Mein Mandant ist blind. Für ihn ist keine Strafe zu hoch“, erklärte Ingmar Rosentreter, der das Opfer in der Nebenklage vertrat. Dennoch sei er mit dem Urteil zufrieden, so der Anwalt. 

Wegen seinen Alkohol- und Drogenproblemen wird Claudio M. zunächst in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. 

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 43-Jährigen vorgeworfen, am 9. Mai 2020 versucht zu haben, einen Mann (23) in Bergisch Gladbach zu töten. Die beiden Männer hatten sich gegen 19.45 Uhr im Bereich der Beethovenstraße getroffen. Hintergrund waren Streitigkeiten im Drogenmilieu. Doch die Situation eskalierte. 

Prozess in Köln: Kugel trat bei Opfer auf rechter Schädelseite ein und links wieder aus

Laut Anklage fuchtelte das spätere Opfer zunächst mit einem Messer vor Claudio M.s Gesicht herum, um ihn auf Abstand zu halten. Daraufhin soll der eine 9-mm-Waffe gezogen – und auf den Kopf des 23-Jährigen geschossen haben. 

Der Angeklagte habe „aus kurzer Distanz“ abgedrückt, hieß es beim Prozessauftakt. Anschließend sei er geflüchtet und habe das Opfer „in akuter Lebensgefahr zurückgelassen“. 

Das Geschoss war auf der rechten Schädelseite des 23-Jährigen eingetreten, hatte beide Augenhöhlen zertrümmert und war auf der linken Schädelseite wieder ausgetreten. Als er blutüberströmt zusammenbrach, soll Claudio M. ihm noch mindestens einmal gegen den Körper getreten haben.

Bei Prozessauftakt in Köln legte Angeklagter Lebensbeichte ab

Er überlebte den Kopfschuss nur, weil der Rettungsdienst schnell alarmiert wurde –  und dank einer Not-OP. 

Claudio M. hatte sich fünf Tage nach der Bluttat selbst der Polizei gestellt. Zum Prozessauftakt hatte er eine Lebensbeichte abgelegt.  Er erzählte vom Umzug seiner Eltern, seines Bruders und ihm 1980 von Süditalien nach Deutschland, vom Rosenkrieg seiner Eltern, seiner Ausbildung (Studium als Betriebswirt abgeschlossen) – und der Drogenkarriere. 

„Ich habe intensiv Drogen und viel zu viel Alkohol konsumiert“, erklärte er. Besonders fatal: Ab 2007 nahm er Kokain. Bis zu seiner Festnahme am 14. Mai. 

Seine Ehefrau, mit der er zwei Töchter hat, habe öfter vermutet, dass er was nimmt und auch mal Pulver gefunden. „Aber ich konnte mich immer rausreden“, erklärte der Angeklagte. Ab 2017 habe er nicht mehr gearbeitet, seinen Konsum durch illegale Geschäfte finanziert. (iri)

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