Abo

Unfassbare ZuständeKölns Albtraum-Hochhäuser: Klo bald nur noch vor der Tür

Aktualisiert:

Schimmel, Gestank – und bald kein Wasser: So leben Mieter in Kölns desolaten Chorweiler-Hochhäusern.

Drei Hochhäuser, ein Albtraum!

In der Osloer Straße 2, 4 und 6 in Köln-Chorweiler kämpfen die Bewohner seit Jahren mit unhaltbaren Zuständen – Schimmel, Wasserschäden, kaputten Aufzügen und aufgebrochenen Briefkästen. Und jetzt soll auch noch das Wasser abgestellt werden.

„Wenn ich auf den Balkon gehe, schaue ich auf ein Gerüst“

Anna Harutyunyan (53) wohnt seit 2015 in der Osloer Straße 6 – in der 15. Etage, auf rund 60 Quadratmetern.

Das 23-stöckige Hochhaus ist seit mehr als einem Jahr von Baugerüsten umhüllt, ohne dass erkennbare Fortschritte erzielt worden wären. Auch die beiden anderen Hochhäuser in der Nachbarschaft sind eingerüstet.

„Wenn ich auf meinen Balkon gehe, schaue ich direkt auf ein Baugerüst“, sagt sie im Gespräch mit EXPRESS.de. Ein trister Blick, der sinnbildlich ist für die Situation im ganzen Haus.

Feuchtigkeit in der Wohnung – die Beseitigung hat die 53-Jährige selbst bezahlt. Aus eigener Tasche renovierte sie, weil sich niemand gekümmert habe. Im Treppenhaus ihres Hauses erwartet die Bewohner täglich ein weiteres Ärgernis: Es stinkt erbärmlich, der Bereich ist verdreckt. Und in der Tiefgarage steht das Wasser. Parken ist dort kaum möglich.

Anna Harutyunyan (53) wohnt in der Osloer Straße 6. Von ihrem Balkon blickt sie direkt auf ein Baugerüst.

Copyright: privat

Anna Harutyunyan (53) wohnt in der Osloer Straße 6. Von ihrem Balkon blickt sie direkt auf ein Baugerüst.

Michael Grothe (59) wohnt in der Osloer Straße 2, fünfter Stock, 53 Quadratmeter. Er zahlt 835 Euro Miete kalt – für eine Wohnung, in der der Schimmel immer mehr um sich greift. „Ich habe Schimmel im Bad. Die Decke wird immer dunkler“, sagt er.

„Und im Erdgeschoss sind die Briefkästen teilweise aufgebrochen, die Post wird gestohlen. Auch darum kümmert sich niemand“, ist Grothe gefrustet.

Jetzt soll der 59-Jährige seinen Balkon leer räumen – angeblich, weil von außen saniert werden soll. „Dabei tut sich hier seit Monaten nichts!“ Zuletzt habe er zwar ein paar Arbeiter gesehen, die seien aber ganz schnell wieder weg gewesen.

Michael Grothe (59) wohnt in der Osloer Straße 2.

Copyright: privat

Michael Grothe (59) wohnt in der Osloer Straße 2.

Die Hausverwaltung in-west Partners GmbH, die im Auftrag einer Luxemburger Eigentümergesellschaft handelt, hat den Mietern mit Schreiben vom 28. Januar 2026 umfangreiche Sanierungen angekündigt.

Geplant sind demnach neue Rohrleitungen und Versorgungsschächte, neue Fenster, Haus- und Brandschutztüren sowie eine Betonsanierung. Baubeginn soll der 4. Mai 2026 sein, Abschluss frühestens Ende 2027.

Die Gesamtkosten für das Gebäude Osloer Straße 2 werden auf rund 3,83 Millionen Euro veranschlagt. Auf einzelne Mieter entfällt laut Ankündigung ein Kostenanteil von rund 22.261 Euro – was eine voraussichtliche Mieterhöhung von rund 148 Euro bedeuten soll. Im Monat. 

Schimmel! Die Wohnsituation in der Osloer Straße ist kaum zu ertragen.

Copyright: linksjugend Köln

Schimmel! Die Wohnsituation in der Osloer Straße ist kaum zu ertragen.

Die Osloer Straße 6 soll sogar für acht Millionen Euro saniert werden. Hier soll die voraussichtliche Mieterhöhung für einzelne Bewohner bei 166 Euro liegen. Diese Zahlen gehen aus Anschreiben an die Mieter hervor, die EXPRESS.de vorliegen.

Das Wasser wird abgestellt – und pflegebedürftige Menschen?

Der vielleicht dramatischste Aspekt der bevorstehenden Sanierung: Für die Dauer der Rohrleitungsarbeiten soll in den Wohnungen das Wasser abgestellt werden. Küchen und Bäder können nicht genutzt werden. Als Ersatz plant der Vermieter, vor den Häusern Notfalltoiletten und Duschcontainer aufzustellen.

Doch in den drei Hochhäusern leben auch pflegebedürftige Menschen, die ihre Wohnung nur mit fremder Hilfe verlassen können. „Wie sollen sie auf die Toilette gehen? Wie sollen sie sich waschen?“, fragt eine Anwohnerin. Die Mieter haben dafür keine Antwort – und der Vermieter bislang auch nicht.

„Monatelang für die Toilette bis zu 23 Stockwerke nach unten zu laufen, ist nicht zumutbar“, heißt es in der Petition der Bewohner. Sie fordern stattdessen Ersatzwohnungen oder zumindest das Abstellen des Wassers nur in einzelnen Räumen.

EXPRESS.de konfrontierte die Hausverwaltung in-west Partners GmbH mit den Bedenken der Mieter – eine Antwort gibt es bis zum 29. April nicht.

Hans Jörg Depel, Sprecher vom Kölner Mieterverein, erklärt gegenüber EXPRESS.de: „Diese Schrottimmobilien sind uns bekannt.“ Das Thema sei auch schon im Januar 2026 Thema im Landtag gewesen. 

Die Problem-Hochhäuser in der Osloer Straße sind seit Monaten eingerüstet.

Copyright: Martina Goyert

Die Problem-Hochhäuser in der Osloer Straße sind seit Monaten eingerüstet.

Die Mieter der Osloer Straße 2, 4 und 6 haben sich zusammengeschlossen und eine Petition an die Hausverwaltung gerichtet. Dutzende Familien haben unterschrieben.

Ihre Forderungen: mindestens einen qualifizierten Vollzeit-Hausmeister pro Haus mit eigenem Büro sowie festen Sprechzeiten, sofortige Behebung aller gravierenden Mängel – von defekten Dächern über Schimmel bis zu kaputten Aufzügen – und eine menschenwürdige Lösung für die Sanierungszeit. Zudem fordern sie die Rücknahme der jüngsten Mieterhöhungen.

„Wir haben ein Recht auf menschenwürdige Wohnverhältnisse“, schreiben die Mieter. „Wir wollen konkrete Ergebnisse sehen, nicht nur Ankündigungen.“

Eine Katze sitzt vor ihrem Fressnapf.

Wo ist Georgy (4)?

Drama um Kölner Kater – „muss etwas schief gelaufen sein“