In dem „Contemporary Love Store“ von Carla Nadermann (30) soll sich alles um sexuelles Wohlbefinden drehen.
„Hier wird nichts versteckt werden“Kölnerin eröffnet besonderen Sex-Shop in der Innenstadt
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Die Schaufenster in der Apostelnstraße sind noch mit Folie abgeklebt, gegenüber wirft das Gloria seinen Schatten auf einen Laden, in dem Carla Nadermann (30) gerade ihre Regale einrichtet: Bücher, Massageöl-Kerzen, Sextoys. Kein Neonlicht, keine verspiegelten Scheiben, keine Plastikpuppen im Türrahmen. „tender concept“ steht hier bald an den Fenstern – ein „Contemporary Love Store“, wie Nadermann ihn bezeichnet.
Die Idee kam der Kölnerin nüchtern betrachtet, betrunken. Nadermann ist Kunsthistorikerin und beschäftigte sich für ihre Doktorarbeit mit der Sexualität des 17. Jahrhunderts. „Ich hatte gerade meinen Job gekündigt und sprach mit meinen Freunden darüber, was ich jetzt machen könnte“, erzählt sie dem EXPRESS. Ihre Freunde schlugen eine Galerie für erotische Kunst vor, doch Nadermann hatte eine andere Idee. „Ich sagte betrunken: ‚Ich werde einen Sexshop aufmachen.‘ Der Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen.“
„tender concept“ betont Sexual-Wellness statt reine Befriedigung
Ein Jahr später steht sie in einem bunt-gestrichenen Laden in der Kölner Innenstadt, gelbe Dildos und Masturbatoren in Pfirsichform auf den Regalen, an den Wänden Kunstgegenstände der Künstlerin Lara Fritsche. „Plakative Erotik findet man hier überhaupt nicht“, so Nadermann. Es gehe nicht darum, patriarchalisch geprägte Vorlieben zu bedienen, sondern um Zwischenmenschlichkeit. „Es geht ja im größten Sinne darum, sich wohlzufühlen, und nicht darum, jemandem zu gefallen, Reize auszudrücken oder Reize auszustrahlen.“
So hebe sich auch das Sortiment vom klassischen Sex-Shop ab: Sextoys „für alle Geschlechter und alle Vorlieben“, ausgerichtet auf Gesundheit statt auf Größe – kleine, weiche Massagegeräte etwa, die vor dem Sex Verspannungen lösen sollen.
Fetisch-Artikel werde es explizit nicht geben, das widerspreche ihrer Philosophie. Dazu kommen Sexual-Wellness-Produkte wie Öle, Designobjekte kleiner, meist regionaler Marken sowie eine Bücherecke mit feministischer und philosophischer Literatur zu Sexualität und Liebe, bis hin zu sanften Aufklärungsbüchern für Kinder und Jugendliche.
Fast die Hälfte aller Deutschen hat ein Sexspielzeug
Damit bedient Nadermann einen Trend, der sich bereits seit 2024 abzeichnet. Laut den Prognosen des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Global Market Insights (GMI) wird sich der Sextoy-Markt weltweit bis 2035 mehr als verdoppeln – von 49,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf gut 102 Milliarden US-Dollar.
In Deutschland haben mindestens 41 Prozent der Menschen bereits ein Sexspielzeug zur Selbstbefriedigung genutzt, wie eine repräsentative Studie des Sexspielzeugherstellers Amorelie von 2026 zeigt. Außerdem haben mehr Frauen als Männer ein Sextoy – 63 Prozent zu 58 Prozent.
Würde man das 1:1 auf Köln rechnen, hätten über 690.000 Frauen und 638.000 Männer ein Sexspielzeug – gut 430.000 Kölner und Kölnerinnen hätten zwei Toys.

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In Deutschland nutzen deutlich mehr Frauen als Männer ein Sexspielzeug
Sowohl das GMI als auch die Amorelie-Studie diagnostizieren dem Markt jedoch eine Wandlung. Weg von der reinen Penetration und sexuellen Befriedigung hin zur sexuellen Gesundheit und Wellness. „Mit steigendem Bewusstsein betrachten Verbraucher sexuelles Wohlbefinden zunehmend als integralen Bestandteil der Gesamtgesundheit“, heißt es beim GMI. Sextoys seien keiner Stigmatisierung mehr unterlegen, sie seien keine tabuisierten Produkte mehr.
„Ich möchte Sex ent-sexualisieren“
Und genau das betont Nadermann auch mit ihrem Love- und Concept-Store „tender concept“. „Ich möchte Sex ent-sexualisieren“, sagt sie, „und zugänglich und gesellschaftsfähig machen.“ Es sei unverständlich, dass Sexualität heutzutage noch immer hinter verschlossenen Türen diskutiert werde, obwohl sie allgegenwärtig sei. „Hier wird nichts versteckt werden. Hier wird Sexualität für alle greifbar.“

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Die Sextoys bei „tender concept“ sind vor allem auf Sexual-Wellness ausgelegt.
Ihre Zielgruppe ist deshalb bewusst breit gefasst: alle Geschlechter, alle Vorlieben, alle Altersgruppen. Junge Menschen will Nadermann mit Workshops erreichen; für ältere und insbesondere reifere Frauen sieht sie eine Lücke, weil das Thema Sexualität in diesem Alter gesellschaftlich oft ausgeblendet werde.
Außerdem arbeitet Nadermann mit verschiedenen Designern und Designerinnen aus der Region zusammen – ihre aktuelle Kunstausstellung macht sie zusammen mit Lara Fritsche aus Essen und Ferdinando Colosimo aus Köln.
Nadermanns Laden eröffnet am 12. September um 13 Uhr. Es wird Drinks und Musik geben, eine kleine Party für alle, die sich angesprochen fühlen. Denn genau dafür sei ihr Shop da – „dass wir miteinander auskommen und einander verstehen“.
Nebst „tender concept“ gibt es in Köln nur ein paar weitere Sexshops, die sich selbst als feministisch oder queerfeministisch bezeichnen – zum Beispiel „Le Pop Lingerie“ in Ehrenfeld oder „drip“. Letzteres versteht sich allerdings als Bildungskollektiv und hat keinen eigenen Shop. März 2026 eröffnete wiederum der Duo-Store von „Satisfyer“ und GESKE auf der Schildergasse. (jbü)
