11.000 Euro Lohn Traumjob im Auftrag der NASA? Kölner verbringen 30 Tage im Bett 

Stefan Möstl (vorne) stellvertretender Projektleiter der NASA-Bettruhestudie, Alexandra Noppe (links) zuständig für die Betreuung der Probanden, Edwin Mulder (mitte) Projektleiter, Andrea Nitsche (rechts) zuständig für die Rekrutierung der Probanden im „Envihab“, der medizinischen Forschungsanlage des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR.

In der medizinischen Forschungsanlage des DLR in Köln (Foto aufgenommen am 05.11.2021) wird eine besondere Schlafstudie durchgeführt.

Der menschliche Körper ist nur bedingt für das All geeignet. Was man gegen die Tücken einer Reise ins All tun kann, wird aktuell in Köln erforscht. Die Aufgabe für die Probanden: Lange im Bett liegen bleiben und essen, essen, essen.

Es klingt wie ein Traum für passionierte Faulenzer. In der Forschungseinrichtung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln läuft momentan eine Studie zur Auswirkung der Schwerelosigkeit auf den Körper. Doch es ist ein nicht zu unterschätzendes Experiment mit strengen Regeln.

Das DLR erforscht im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Die Studie basiert im Kern darauf, dass die Probanden ruhen. 30 Tage lang in einem Bett. Im All bauen Muskeln und Knochen ab, selbst die Sehkraft lässt nach. Diesem Zustand kommt man nahe, wenn man einfach nicht mehr aus dem Bett aufsteht. Die Forschung wird im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde „NASA“ betrieben. 

Studie von DLR zur Auswirkung der Schwerelosigkeit in Köln

„Es wäre natürlich einfacher, wenn wir direkt Astronauten im All untersuchen könnten. Dafür gibt es aber zu wenige Astronauten und zu wenig Zeit auf den Missionen“, sagte Edwin Mulder, Leiter der Bettruhestudien. Es brauche also Modelle, die die Bedingungen im All simulieren würden und das passendste Model dafür sei Bettruhe. Also „mechanisch inaktiv“ sein wie Astronauten. 

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Bei dem Experiment sind die Betten um sechs Grad geneigt und die Beine liegen höher als der Kopf. Der Grund: Im Weltraum verschieben sich Flüssigkeiten im Körper nach oben. „Astronauten schweben zwar, aber für den Körper fühlt es sich an, als ob sie mit dem Kopf nach unten hängen“, erklärt Mulder. Das wird mit Neigung simuliert. 

In Köln legen sich die Probanden zweimal täglich drei Stunden lang von der Hüfte abwärts unter eine Plexiglas-Haube. „Wir legen Unterdruck an den Beinen an und saugen sozusagen das Blut vom Kopf in die Beine“, erklärte Stefan Möstl, der die sogenannte Gegenmaßnahme leitet.

Kölner Probanden täglich drei Stunden lang unter Plexiglas-Haube

Die Probanden erhalten für das Experiment rund 11 000 Euro, müssen sich jedoch an ein strenges Regelwerk halten. Äußere Bedingungen müssen möglichst konstant eingehalten werden, da die Ergebnisse sonst nicht vergleichbar sind. Es gibt etwa einen ganz klaren Tag-Nacht-Rhythmus. Um 22.30 Uhr beginnt die Nachtruhe, wenn Licht und W-LAN zentral ausgeschaltet werden.

Auch das Essen ist genau auf den Bedarf des jeweiligen Probanden abgestimmt. „Bei uns muss der Teller immer leer gegessen werden. Wenn noch Reste auf dem Teller liegen, geht er zurück zum Probanden“, sagte Alexandra Noppe, die die Betreuung leitet, gegenüber der dpa. 

Die Forscher haben nach der Dauer von 30 Tagen mit recht aufgekratzten Menschen zu tun. „Das Ende der Bettruhe, die wieder aufrechte Haltung und die damit verbundene Freiheit machen sie euphorisch“, so Edwin Mulder. Man müsse sie da sogar bremsen. Sie würden außerdem einen kaum auszuhaltenden Muskelkater kriegen.

Das Ungewohnte ist allerdings weniger das dauerhafte Liegen oder die Zeit unter einer Plexiglas-Haube - es ist vielmehr die Abgabe der Selbstbestimmung. Die Studienteilnehmer bekommen haarklein gesagt, wann sie was zu tun haben. Für manche mag es in komplizierten Zeiten eine Erleichterung sein. (dpa/fit)

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