Regisseur und Intendant Jürgen Flimm ist tot – in Köln groß geworden

Erschreckende Zahlen Hamsterkäufe: Kölner Uni hat den wahren Grund herausgefunden

Hamstern

Hamsterkäufe wegen Corona? Die Kölner Universität hat die Gründe erfragt. (Symbolbild)

Köln – Angst essen Seele auf: „Hamsterkäufe“ – ein Wort, das inzwischen eng mit der Corona-Krise verknüpft ist. Wir alle haben schon vor leer geräumten Supermarkt- oder Drogeriemarkt-Regalen gestanden, haben Menschen gesehen, die sich um ein Paket Klopapier stritten – erschreckender Weise sogar manchmal handgreiflich wurden. Eine Studie der Universität Köln hat nun die Ursachen untersucht. 

Untersuchung der Kölner Uni: Ängste sind Ursache für Hamsterkäufe

Die Marketingwissenschaftler Professor Dr. André Marchand (39), Juniorprofessor Dr. Martin Fritze und die Doktorandin Friederike Gobrecht sind diesem Phänomen und seinen Ursachen mithilfe einer Umfrage nachgegangen. Das Ergebnis: Käuferinnen und Käufer geben derzeit besonders oft Ängste als Gründe für ein vermehrtes Kaufverhalten an.

Statische Daten: Seifenkäufe um 337 Prozent gestiegen

Alles zum Thema Corona

Die Brisanz der Thematik wird mit Blick auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) deutlich: Laut diesem stiegen die Verkaufszahlen für ausgewählte Produkte in der Woche vom 16. bis 22. März 2020, wie schon in den drei Wochen zuvor, auf ein extrem hohes Niveau.

Neuer Inhalt (6)

Herr Professor Merchand forscht an der Universität Köln.

Beispielsweise war die Nachfrage nach Seife mehr als vier Mal so hoch wie in den sechs Monaten zuvor (+337 Prozent), während die Nachfrage nach Toilettenpapier mehr als drei Mal so hoch lag (+211 Prozent).

Hamsterkäufe: Versuch der Rebellion gegen Hilflosigkeit

Professor André Marchand: „Es gibt zahlreiche theoretisch plausible Gründe für das derzeit stattfindende Hamsterkauf-Verhalten. In unserer Studie wollten wir herausfinden, was die Konsumentinnen und Konsumenten selbst über ihr mögliches eigenes Hamsterkauf-Verhalten und das anderer Menschen denken.“ Das Ergebnis: Hamsterkäufe (Wuppertal schlägt Alarm: Hamsterkäufe könnten dramatischen Nebeneffekt haben – hier lesen Sie mehr) seien ein Versuch der Rebellion gegen die eigene Hilflosigkeit.

Klopapier: Nur 21 Prozent sagten, sie hätten mehr gekauft

Für die Umfrage wurden am 23. März 2020 deutschlandweit 250 zufällig ausgewählte Personen zwischen 18 und 71 Jahren anonym und online befragt.  44 Prozent waren weiblich, 56 Prozent männlich. Knapp 40 Prozent der Befragten wohnte in einer Großstadt, ähnlich viele in einer Kleinstadt und der Rest auf dem Land. Aber nur 21 Prozent der Befragten gab an, selbst mehr Toilettenpapier als üblich gekauft zu haben.

Hamsterkäufe werden als unsolidarisch wahrgenommen

Ob diese Angaben stimmen? „Da das sogenannte Hamsterkaufen gesellschaftlich nicht erwünscht ist und als unsolidarisch wahrgenommen wird, könnte die Scham eine ehrliche Antwort verhindert haben“, meint auch Marchand. „Mit für die Teilnehmer nicht eindeutigen Fragen zu anderem, sozial erwünschtem Verhalten, konnten wir solche Verzerrungen jedoch weitestgehend herausfiltern.“

50 Prozent der Hamsterer sorgten sich um Verfügbarkeit der Waren

Der häufigste genannte Grund bei den etwas mehr als 50 Prozent der Teilnehmer, die mehr als sonst gekauft hatten, war die Sorge um die Verfügbarkeit. Die sei durch die vielen Fotos leerer Regale und Hamsterkäufer in sozialen Netzwerken und sonstigen Medien.

„Wenn die Menschen im Supermarkt nach den einprägsamen Bildern dann selbst vor leeren Regalen stehen, ist das aufgrund der Fläche, die Toilettenpapier einnimmt, besonders auffallend. So lassen sich mehr Menschen von den Hamsterkäufen anderer quasi anstecken, da sie den Eindruck bekommen, besser jetzt auch möglichst mehr zu kaufen, bevor die Produkte wieder vergriffen sind“, sagt Professor Marchand.

Angst ist der häufigste Grund für die Hamsterkäufe

Die Hälfte der Befragten, die selbst hamstern, führen als Gründe die Angst an, dass Supermärkte geschlossen werden könnten, oder die generelle Machtlosigkeit in der derzeitigen Situation.

Von den übrigen Befragten, die selbst angeben nicht zu hamstern, glauben sogar 82 Prozent daran, dass dies ein Grund für das Hamstern bei anderen Menschen ist. Weitere genannte Gründe: Die lange Haltbarkeit von Toilettenpapier, zusätzliche Käufe für Verwandte und Freunde – und das Bedürfnis nach mehr Sicherheit und Kontrolle durch Hamsterkäufe.

Umfrage: Sorge vor dem eigenen Tod in allen Altersgruppen

„Interessanterweise fanden wir keine Unterschiede beim Alter, jedoch bei der individuellen Einschätzung und Sorge, dass man bald sterben könnte. Dies kann, muss aber nicht, vom Alter oder von Vorerkrankungen abhängig sein“, sagt Juniorprofessor Martin Fritze. Diejenigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie, die angaben, selbst nicht mehr als sonst zu kaufen, vermuteten, dass es hauptsächlich am Herdentrieb liege, also sachlich unbegründet sei. 

Kölner Professor Marchand: Studie soll fortgesetzt werden 

Laut Marchand sei geplant, die Befragung auch auf andere Länder auszudehnen, um mehr über kulturelle und regionale Unterschiede zu lernen, und sie nach der Corona-Krise zu wiederholen.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.