Waghalsige Aktion auf dem Rhein Kölner TV-Star setzt auf verbotene Insel über

Günter Wallraff mit dem Kajak auf dem Weg zur Insel Nonnenwerth.

Günter Wallraff mit dem Kajak auf dem Weg zur Insel Nonnenwerth.

Um ein Zeichen zu setzen, hat der Kölner TV-Star Günter Wallraff eine Aktion auf dem Rhein gestartet. Mit dem Kajak ging es zur Insel Nonnenwerth.

Er hat in seiner Karriere viele aufsehenerregende Dinge gemacht, undercover oder mit offenem Visier. Und immer noch ist Günter Wallraff (79) für eine Überraschung gut, wenn er von einer Sache überzeugt ist.

Um auf das drohende Aus für das einzigartig idyllisch auf der gleichnamigen Rhein-Insel gelegene Gymnasium Nonnenwerth (in Remagen) aufmerksam zu machen, setzte der Starjournalist mit einem Kajak über – illegal, denn außer Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern sowie den Priestern des Inselklosters darf keiner das Eiland betreten.

Günter Wallraff: Irre Aktion am Gymnasium Nonnenwerth

Wallraff sagte zum EXPRESS: „Das traditionsreiche Gymnasium ist mir schon seit vielen Jahren ein Begriff. Es ist eine vorbildliche und unbedingt erhaltenswerte rheinische Institution.“

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Der Unternehmer Peter Soliman hatte die Insel im August 2020 samt Gymnasium und Klostertrakt gekauft, mit dem Versprechen, die Fortführung der Schule (derzeit noch 470 Schülerinnen und Schüler) zu gewährleisten.

Gymnasium Nonnenwerth vor dem Aus: Günter Wallraff führt Gespräche vor Ort

Soliman, der auch der Schulträger ist, sah aber dann bald schon keine wirtschaftliche Perspektive mehr für den Weiterbetrieb des seit 170 Jahren bestehenden Gymnasiums. Er begründet dies mit einem angeblichen Sanierungsbedarf, der sich aufgetan habe – in Höhe von zehn Millionen Euro.

Der Elternverein hatte vorgeschlagen, ein eigenes Gutachten erstellen zu lassen, das stieß aber auf Ablehnung. Verhandlungen über einen alternativen Schulträger wurden kürzlich von der zuständigen Gemeinde Remagen für gescheitert erklärt. Der Unternehmer selbst ließ dagegen verlauten, er arbeite weiterhin an einer Lösung.

Solidarität von Günter Wallraff: Wie geht es mit Gymnasium Nonnenwerth weiter?

Wallraff sieht das kritisch: „500 junge Menschen und die dahinterstehende Schulgemeinschaft dürfen nicht zum Spielball der Spekulations-Interessen von dubiosen Finanzinvestoren werden“, erklärt er.

Günter Wallraff (hinten) im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern am Gymnasium Nonnenwerth.

Günter Wallraff (hinten) im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern am Gymnasium Nonnenwerth.

Um seine Solidarität mit Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern sowie den Eltern zu bekunden, setzte der 79-Jährige, wie er EXPRESS erzählt, am Mittwochmorgen (25. Mai) in einer halbstündigen Kajak-Fahrt auf die Privatinsel über.

Wachdienst aus dem Weg gegangen: Günter Wallraff legt am Ufer an

Er habe vorsichtig sein müssen, um dem vor einigen Monaten von Soliman auf der Insel installierten Wachdienst mit Schäferhunden nicht aufzufallen. An einer schlecht einsehbaren Stelle ging er unerkannt an Land – und begab sich zur Schule, wo es in der Aula und anschließend am Rhein zu einem zweistündigen Treffen mit den Schülerinnen und Schülern kam.

Wallraff berichtet von einer lebhaften Diskussion, bei der ihm die Schülerinnen und Schüler erklärten, dass viele verzweifelt seien. Man fühle sich im Stich gelassen.

Selbst bei einer Weiterführung der Schule käme für die meisten ein Verbleib auf Nonnenwerth nicht in Frage, so lange der derzeitige Geschäftsführer weiter als Träger oder Inselbesitzer Verantwortung trage.

Gymnasium Nonnenwerth: Günter Wallraff will Kontakt zu Malu Dreyer suchen

Einer der Lehrer, der anonym bleiben möchte, zeigte sich gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ beeindruckt von Wallraffs Coup und Engagement – Wallraff sei ein Mensch, der auch bei Widerstand geradestehe. Das Gefühl habe er bei der rheinland-pfälzischen Landesregierung nicht.

Die Rhein-Insel Nonnenwerth.

Die Insel Nonnenwerth (Remagen) und das dortige Gymnasium sind zum Politikum geworden.

Wallraff kündigte bei der Versammlung auch an, den persönlichen Kontakt zur Ministerpräsidentin Malu Dreyer aufzunehmen.

Den Kindern empfahl er, trotz der wenig aussichtsreich scheinenden Lage und, so Wallraff, „der zunehmenden Einschüchterungsversuche des Investors“ nicht aufzugeben und sich weiter für den Erhalt der Schule und die Gemeinschaft einzusetzen.

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