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Karneval-Absage? „Denkt an 1991": Zeilen von Kölner Urgestein rühren Jecke

Golfkrieg

Paveier, Bläck Fööss und Co.: 1991 sang man trotz Absage des Straßenkarnevals  auf dem Alter Markt in Köln.

Köln – Lange hat auch er geschwiegen. Doch jetzt platzt es aus ihm heraus, denn er kennt den Kölner Karneval seit über 40 Jahren. Sänger Micky Brühl hat sich ein Herz gefasst und auf Facebook seinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Und er erinnert an die Absage des Kölner Straßen-Karnevals 1991 aufgrund des Golf-Kriegs.

Köln: Karnevals-Künstler die „Vergessenen der Nation"

„Es läuft ja anscheinend darauf hinaus, dass der Karneval "ein wenig", "anders" oder "gar nicht" stattfindet. Das ist sehr traurig und wäre eigentlich eine Katastrophe. Eine Katastrophe für Musiker, Tänzer, Techniker, Wirte, Brauereien, Hotels, Taxifahrer, Saalbetreiber, Vereine und und und. Der Umsatz oder auch der Verdienst ist nicht mehr nachzuholen, wie das Hotelbett, das heute leer bleibt“, beginnt er seine Zeilen.

Micky_Brühl

Micky Brühl lässt seinen Gefühlen freien Lauf. Hier ein Foto von 2019.

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Und er appelliert an die Politik, denn Künstler seien die „Vergessenen der Nation“: „Um es ganz einfach zu sagen, für den Politiker kommt die Musik aus dem Radio vom Dienstwagen. Wie und warum scheint ihn nicht zu interessieren.“

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Aber er denkt auch an die Nicht-Karnevalisten: „Lassen wir uns nichts vormachen, der Großteil der Kölner Bevölkerung hat jetzt einfach was anderes im Kopf, aber sicher nicht den Karneval. Das bilden wir Karnevalisten uns vielleicht ein, ist aber nicht so. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeitergeld und all diese alltäglichen Probleme, beschäftigen die Menschen.“

Micky Brühl: Erinnerung an Golfkrieg 1991

Dann folgt ein Blick zurück, als der Golfkrieg 1991 zur Absage des Straßenkarnevals führte. „Ich habe den abgesagten Karneval schon einmal erlebt in den fast 40 Jahren auf der Bühne. In der Session 90/91 war es so, bedingt durch den Golfkrieg. Wir haben das nicht nur überlebt, sondern konnten auch miterleben, wie die Kölschen das Beste daraus gemacht haben und andere und auch kleinere Wege gefunden haben, ihren Karneval zu feiern.“

Paveier

Die Paveier mit Klaus Lückerath, Detlef Vorholt, Micky Brühl, Bubi Brühl und Bodo Schulz spieleten 1991 ohne Instrumente auf dem Alter Markt. Hier ein Foto von 1983.

Micky Brühl schildert die Situation an Weiberfastnacht 1991: „Wir standen damals an Weiberfastnacht mit den Bläck Fööss, Paveiern, Festkomitee-Präsident Gisbert Brovot, Reinold Louis und vielen anderen im "Eselchen" am Alter Markt vor 11 Uhr an der Theke, um dort etwas Karneval zu feiern.“

Köln 1991: Jecke feierten trotzdem

Und dann passierte laut Brühl etwas, was den Kölner Karneval ausmacht. „Der Alter Markt war voller Menschen. Unsere Bandbusse standen vor dem Lokal und die Leute haben uns quasi aus dem Lokal gezogen, um zu singen. Man bat uns, die Bandbusse aufzuschließen und die Instrumente rauszuholen. Wir hatten gar keine Chance, NEIN zu sagen. Wir sind dann auf den Jan von Werth Brunnen geklettert und haben dort mit rund 2.000 Menschen gesungen. Ohne Anlage, ohne Mikros, ohne Verstärker.“

Karneval und Corona: Appell an Vernunft

Als EXPRESS Brühl erreicht, sagt er: „Lasst uns den Tatsachen ins Auge schauen, lasst uns nicht jammern, lasst uns vorsichtig sein und aufpassen.“

Denn auch Micky Brühl weiß: „Ein großer Covid-Ausbruch nach Karneval würde uns negativ in die Geschichtsbücher bringen. Das kann nicht unser Interesse sein.“

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