Der erfolgreiche Kölner Kinderbuch-Autor Rüdiger Bertram über sein Erfolgsrezept – und absolute No-gos.
Kölner Kinderbuch-Autor„Handys sind absolute Geschichtenkiller!“

Copyright: Arton Krasniqi
Rüdiger Bertram kennen viele aus dem Kinderzimmer, er schreibt pfiffige Literatur für die Kleinen. Sein Buch „Knallharte Steinzeit: Kleines Mammut, große Gefahr“ ist für den Deutschen Kinderbuchpreis 2026 nominiert.

Seine Bücher tragen so fröhliche und fantasievolle Titel wie „Mo und die Krümel“, „Finns fantastische Träume“, „Mein Handy ist ein Superschurke“, „Coolman und ich“, „Familie Monster“, „Pizza Krawalla“ oder „Milla und das erfundene Glück“. Sie sind verfilmt worden – z. B. „Der Pfad“ (Deutscher Filmpreis) mit Julius Weckauf (18) oder wurden internationale Erfolge (die Bücher der „Coolman“-Reihe erschienen in 25 Ländern, wurden über 200.000-mal verkauft).
Damit ist der Kölner Rüdiger Bertram (59) zu einem der Stars der Kinder- und Jugendbuchautoren geworden. Seit 20 Jahren schreibt er für den Lese-Nachwuchs vom Vorschulalter bis hin zu Lesern von etwa zwölf Jahren – und in dieser Zeit sind über 80 (!) Bücher erschienen, die seinen Namen tragen. Am 3. Oktober 2026 kann es zu einer ganz besonderen „Belohnung“ für seine Arbeit kommen: Sein Vorlese-Buch „Knallharte Steinzeit: Kleines Mammut, große Gefahr“ (für Kinder ab 5), in dem wir auch erfahren, wie Mammuts gepupst haben, steht auf der Shortlist vom „Deutschen Kinderbuchpreis“. Der ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert, wird in Stuttgart verliehen.
Kölner Autor schrieb auch für Bernd Stelter
Bestseller-Autor für junge Leseratten war nicht das erste Berufsziel des Mannes aus der Südstadt. Ehe es dazu kam, studierte er Geschichte, Germanistik und Volkswirtschaftslehre. Nebenbei schrieb er für die „Kölnische Rundschau“, arbeitete für die Filmstiftung und schrieb dann Drehbücher – u. a. für zwei Folgen der Bernd-Stelter-Sitcom „Bernds Hexe“ und den Kinderfilm „Pommes essen“. Zum Berufswechsel brachte ihn sein damals fünfjähriger Sohn Ruben. Rüdiger Bertram zum EXPRESS: „Wenn er sich auf dem Sofa kuschelte, habe ich ihm vorgelesen.“ Dabei erfand er eine Geschichte, die er selbst so gut fand, dass er sie den zehn größten Kinderbuchverlagen schickte: „Nicht alle waren begeistert. Ein großer Verlag schrieb: Die Geschichte ist gut. Aber wie Sie schreiben, gefällt uns nicht. Ein anderer: Wie Sie schreiben, gefällt uns. Aber die Geschichte gefällt uns nicht.“ Dennoch klappte es, das erste Rüdiger-Bertram-Buch erschien 2005: „Thelonius in der Sofawelt“.
„Thelonius“ war der Türöffner in die Kinderbuch-Szene. Da arbeitet er oft mit dem Kölner Illustrator und Comiczeichner Heribert Schulmeyer (72) zusammen, den er durch einen komischen Zufall kennenlernte: „Wir wohnten zwar im selben Haus, hatten aber aneinander vorbeigelebt. Erst bei einem Hoffest lernten wir uns besser kennen, und nach einigen Kölsch stellte sich raus, dass er zeichnet und ich schreibe. Das ist großartig, normalerweise lernen sich Autor und Illustrator nicht kennen.“
Wie bleibt man – kindgerecht – aktuell?
Die Welt der Kinder verändert sich schnell - was muss er beim Schreiben beachten, um aktuell zu bleiben? Rüdiger Bertram: „Man muss die Kinder ernst nehmen, seine eigenen Geschichten aber nicht zu sehr.“ Sein Beispiel: „Handys sind absolute Geschichtenkiller. Ich versuche immer, sie in meinen Geschichten so schnell wie möglich loszuwerden – entweder ist der Akku leer, oder es fällt ins Wasser oder sonst was. Denn mit einem Handy ist im wahren Leben fast jedes Problem schnell zu lösen: Wenn du in Not bist, rufst du jemanden an, der dir helfen kann – und die Geschichte ist vorbei.“
Andererseits sind viele Fragen gleichgeblieben: Zum Beispiel wie man die ersten Mädchen oder Jungen anspricht, oder wie man mit der Peinlichkeit der Eltern und den eigenen Fettnäpfchen umgeht. Rüdiger Bertram schreibt nicht nur Bücher aus der Fantasiewelt, sondern auch ganz wirklichkeitsnahe Geschichten. So handelt das verfilmte „Der Pfad“ von einer Flucht vor den Nazis 1940, und in seinem neuen Buch „Front“ (Rotfuchs Verlag, 18 Euro) geht es um Krieg und Frieden: Zwei Jungen, die aus Ländern kommen, die Krieg führen, haben Geschwister, die gegeneinander an der Front kämpfen. Beide wollen zu ihnen und haben denselben Plan: Sie verstecken sich hinten auf einem Lieferwagen mit Hilfspaketen, um so möglichst nah an die Front zu kommen. Und da entdecken sie sich und merken sehr schnell, dass es egal ist, wo man herkommt – Krieg ist immer scheiße.

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Schriftsteller Rüdiger Bertram im Gespräch mit EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher. Das Foto wurde am 15. September 2026 in Köln aufgenommen.
Kann man mit Kinderbüchern reich werden? „Das schaffen die wenigsten. Kinder lesen weniger. Früher waren 10.000 verkaufte Bücher ein großer Erfolg, heute sagt man das schon bei einer Auflage von 6000 oder 7000 Exemplaren. Von einem Buch, das zehn Euro kostet, bleiben für einen Autor manchmal nur 60 Cent übrig.“ Bertram verdient sein Geld vor allem durch Lesereisen: „Das ist wie bei der Musik – Live-Auftritte sind wichtig!“ Er liest nicht nur in Deutschland vor, sondern besucht deutsche Schulen und Institute rund um den Erdball, hat auch schon in Hongkong gelesen. Und er hat festgestellt: „Kinder sind überall gnadenlose Zuhörer. Wenn ich sie mit einer Geschichte langweile, zeigen sie das auch – dann hat man ein Problem, egal wo man gerade ist.“
Hat er Angst vor der Künstlichen Intelligenz? „Nein“, sagt er. „Aber ich mache mir Sorgen um die jungen Autoren. Es gibt jetzt schon wahnsinnig viele schlechte KI-Kinderbücher im Internet. Im Augenblick versprechen die Verlage, dass sie sich daran nicht beteiligen, aber auch sie müssen rechnen. Ich denke, dass es in Zukunft auf Büchern Aufkleber geben wird: Von einem Menschen geschrieben . Weil es Leser gibt, denen das wichtig ist.“ Übrigens: Kinderbuch-Autor Bertram hat vor zwei Jahren was Neues versucht. Er veröffentlichte mit „Hummer to go“ seinen ersten Erwachsenen-Roman. Ist es für einen erfolgreichen Kinderbuchautor einfacher, da einzusteigen? „Nein“, sagt er. „Es ist eine bleierne Mauer zwischen den Kinderbuch- und Erwachsenenbuch-Verlagen. Du kannst im Kinderbuchbereich noch so erfolgreich sein, das spielt keine Rolle, wenn du einen Verlag für ein Erwachsenenbuch suchst. Ich werde wohl auch kein zweites mehr schreiben – das habe ich auf meiner To-do-Liste abgehakt.“
