Schluss mit „Cash only“Kölner Imbiss-Betreiberin schlägt Alarm

Ein Schild mit der Aufschrift „No Card – Cash Only“ steht in einem Café.

Copyright: Peter Kneffel/dpa

Ein Schild mit der Aufschrift „No Card – Cash Only“ steht in einem Café.

Karte statt Bargeld: Der Bund will Läden zur digitalen Zahlung verpflichten. In einem Kölner Imbiss ist die Sorge davor schon jetzt zu hören.

Der Imbiss in der Kölner Innenstadt läuft gut. Allerdings schreckt viele der Hinweis ab: „Nur Cash, keine Kartenzahlung“. Ein anderes Geschäft weist darauf hin: „Kartenzahlung erst ab 15 Euro!“

Ab 2027 soll sich das ändern.

Schluss mit „Cash only“ – so soll das laufen

Während die Bundesregierung über eine Kartenzahlungs-Pflicht für alle Läden diskutiert, rechnet man in Köln bereits jetzt durch, was das kosten würde.

„Dann müssten wir die Preise wahrscheinlich hochsetzen“, sagt eine Imbiss-Betreiberin im Gespräch mit EXPRESS.de über die Einführung von Kartenzahlung. Die Frau möchte anonym bleiben. Gerät, Gebühren, Umsatzbeteiligung – das alles müsse ja irgendjemand bezahlen. Bei ihnen im Laden, sagt sie, kaufe ohnehin kaum jemand mit Karte.

Genau um solche Betriebe geht es in einem Vorhaben, das Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) gerade auf den Weg gebracht hat. Geschäfte, Restaurants und Dienstleister sollen künftig zusätzlich zum Bargeld auch Karte oder Handy als Zahlungsmittel anbieten müssen.

„Cash only“-Schilder sollen der Vergangenheit angehören – umgekehrt bleibt Barzahlung aber überall möglich, betont das Ministerium. Die Eckpunkte werden laut dpa-Informationen derzeit mit den anderen Ministerien abgestimmt.

Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel, Läden müssen es annehmen

Bisher gilt: Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel, Läden müssen es annehmen. Kartenzahlung dagegen ist freiwillig – gerade kleinere Geschäfte, Büdchen und Imbisse verzichten häufig darauf. Das soll sich nun ändern, ohne Umsatzgrenzen oder Ausnahmen für die Betriebsgröße.

Nur nichtkommerzielle Vereine, etwa Amateur-Sportklubs oder Wohltätigkeitsverbände, dürfen weiterhin bar-only bleiben. Bei Dorffesten und Flohmärkten bleibt also auch künftig die Geldbörse Pflicht.

Genau an diesem Punkt setzt die Sorge im Kölner Imbiss an: Wer ein Kartenterminal anschafft, zahlt dafür – und dann noch einmal pro Transaktion. Die Betreiberin in der Kölner City rechnet mit Mehrkosten von bis zu 1000 Euro.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) warnt laut dpa, Transaktionsgebühren bemäßen sich prozentual am Zahlungsbetrag – kleine und mittlere Betriebe bräuchten ausreichende Übergangsfristen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) geht noch weiter und hält gesetzliche Vorgaben für unnötig: Wer eine Kartenart akzeptiere, müsse praktisch die ganze Bandbreite anbieten, das koste Zeit, Geld und sorge für „komplizierte Kundengespräche“.

Bekämpfung von Steuerhinterziehung

Auch die Frage, ob es Kioske genauso trifft, wird in Köln diskutiert. „Für eine einzelne Flasche Wasser Kartenzahlung anbieten zu müssen, klingt total bescheuert“, äußert sich ein Imbiss-Kunde. Nach aktuellem Stand der Pläne würde die Pflicht tatsächlich für den gesamten Handel gelten, unabhängig von Warenwert oder Betriebsgröße – eine mögliche Härtefallregelung prüft das Ministerium noch.

Digitales Zahlen soll bei der Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Geldwäsche und anderer Finanzkriminalität helfen, da solche Zahlungen immer dokumentiert würden.

Am günstigsten für Händler ist laut einer Bundesbank-Analyse weiterhin die Zahlung mit Schein, Münze oder Girocard. Internationale Debit- und Kreditkarten verursachen höhere Kosten – wie groß der Unterschied zwischen Anbietern ausfallen kann, hat das „Handelsblatt“ in einem Rechenbeispiel zu Kartenzahlungs-Anbietern aufgeschlüsselt.

Bis zu einem fertigen Gesetzentwurf kann sich an den Eckpunkten noch einiges ändern. Ziel des Finanzministeriums ist, dass das Kabinett den Entwurf noch in diesem Jahr beschließt – umgesetzt werden soll die Pflicht dann 2027. (mt/dpa)