Babyleichen-Fund in Köln Polizei sucht junge Frau und älteren Mann mit Strubbelhaar

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Das „Moses-Baby-Fenster“ im Haus Adelheid in Köln-Bilderstöckchen. Säuglinge können hier in einem Wärmebettchen abgelegt werden (hier zu Demonstrationszwecken mit einer Puppe nachgestellt).

Köln – Auch nach der Obduktion des toten Säuglings aus der Kölner Babyklappe bleibt die Todesursache des Mädchens ein Rätsel (hier mehr dazu lesen).

„Die Untersuchungen haben bislang zu keinem klaren Ergebnis bezüglich der Todesursache geführt“, bestätigte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer.

Demnach sei auch immer noch unklar, ob das Baby zum Zeitpunkt der Geburt noch gelebt habe oder ob es bereits tot zur Welt kam.

„Deshalb befinden wir uns weiterhin in einem Todesermittlungsverfahren. Der Leichnam wies keine äußeren Verletzungen auf. Wir haben weitere feingewebliche und toxikologische Untersuchungen angeordnet. Aber bis diese Ergebnisse vorliegen, kann es Wochen oder sogar Monate dauern“, so Bremer weiter.

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Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer.

Erst danach lasse sich vermutlich feststellen, ob eine Fremdeinwirkung und somit eine Straftat vorliege. 

Auffälliges Paar gesucht

Im Zusammenhang mit dem Säuglingsdrama sucht die Polizei nun nach einer etwa 16-20 Jahre alten, kräftigen Frau und einem älteren Mann mit schwarzem, strubbeligen Haar.

Beide wurden nicht nur am Dienstagmorgen, sondern bereits am Montagabend gegen 18 Uhr in der Nähe der Babyklappe auf der Escher Straße gesehen.

Die Frau soll etwa 1,65 Meter groß sein, eine Jeans und ein rosa-pink farbenes Langarmshirt getragen haben. Ihr dunkelblondes bis braunes Haar soll sie zum Zopf gebunden haben. Ob es sich dabei um die Mutter des Kindes oder lediglich um eine mögliche Zeugin handelt, ist noch unklar.

So funktioniert die Klappe

Das „Moses-Baby-Fenster” im Haus Adelheid: Wenn sich die Mutter eines Kindes der Situation nicht gewachsen fühlt oder sich aus anderen Gründen dazu gezwungen sieht, ihr Baby abzugeben, dann gibt es in Köln nur eine Babyklappe, wo sie dies anonym ablegen kann.

Seitlich an dem Frauenhaus für alleinerziehende Mütter ist ein besonderes Fenster eingebaut. Vorbei an aufgestellten Sichtschutzwänden aus Metall gelangt man zu dem Fenster, das sich von außen leicht öffnen lässt. Direkt dahinter befindet sich ein Wärmebettchen, auf dem das Baby abgelegt werden kann. 

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Um eine anonyme Ablage des Babys zu ermöglichen, versperren Sichtschutzwände aus Metall den Blick auf die Babyklappe. Hier ist noch das Flatterband der Polizei zu sehen, welches Ermittler nach dem Fund des toten Säuglings gespannt hatten.

Ein Bewegungsmelder löst im Haus Sekunden später ein Signal aus. Mitarbeiterinnen, die im Haus sind, wissen nun, dass jemand am Fenster war und es geöffnet hat.

Fenster verriegelt

Sobald die Mutter, der Vater oder wer auch immer das Kind ablegt und das Fenster wieder schließt, verriegelt es automatisch. Jetzt lässt es sich nur noch von den Mitarbeiterinnen von innen öffnen.

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So sieht es hinter der Sichtschutzwand aus. Das „Moses-Baby-Fenster“ lässt sich von außen jeweils einmalig öffnen. Links daneben sind Beratungsbroschüren für Schwangere oder junge Mütter.

In der Regel kommen diese innerhalb einer Minute nach Auslösung des Alarmsignals zu dem Bettchen und nehmen sich dem neuen kleinen Gast im Hause an. In dieser Zeit ist derjenige, der das Kind abgelegt hat, in der Regel wieder hinter den Sichtschutzwänden und somit in der Anonymität verschwunden.

Allein in den vergangenen dreieinhalb Jahren wurden sechs Kinder in dem „Moses-Baby-Fenster“ abgelegt und in Obhut genommen. Deutschlandweit gibt es 95 Babyklappen.

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