Schoko-Legende Stollwerck Bewegende Familien-Saga über Kölns „Kamelle-Napoleon“

Ein historisches Plakat der Schokoladenfabrik Stollwerck hängt am Freitag (26.04.2002) im Kölner Schokoladenmuseum.

Ein historisches Plakat der einstigen Kölner Schokoladenfabrik Stollwerck (undatiert).

Schokolade, Bonbons, Leidenschaft: Die Autorin Rebekka Eder hat eine Saga geschrieben, die kölscher nicht sein könnte. Inspiriert wurde sie durch die Geschichte der Unternehmerfamilie Stollwerck.

Köln in den 1830 Jahren: Die Moral eher verknöchert, die Röcke dafür lang, die Taillen atemberaubend – und die Frauen durchaus taff. Zumindest die Hauptfigur in der üppig-süßen Familiensaga „Die Schokoladenfabrik“ von Rebekka Eder. Deren Heldin Anna Sophia kreiert im ersten Band „Die Tochter des Apothekers“ (Aufbau Verlag) im Geschäft ihres Vaters Hustenbonbons. Und ihr Herz schlägt für den flotten Franz Stollwerck, dessen Familienname jedem Kölner ein Begriff sein dürfte ...

Kölner Familiengeschichte: Schoki, Stollwerck, große Dramen

So dick wie drei Tafeln Vollmilch-Nuss kommt Rebekka Eders Werk daher – und liest sich ähnlich flüssig wie die Schokolade im legendären Brunnen des Schokoladenmuseums am Kölner Rheinufer. Wie aber kommt eine junge Frau, die im Hessischen lebt, auf die Idee, eine opulente Geschichte ausgerechnet rund um eine bekannte Familie aus Köln zu weben?

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„Ich wollte einen Roman schreiben, der im 19. Jahrhundert spielt“, erzählt die 33-Jährige im Gespräch mit EXPRESS.de. „Und weil ich alles, was mit Essen und Genuss zu tun hat, unwiderstehlich und sinnlich finde, fiel bei meinen Recherchen die Wahl auf Familie Stollwerck und ihre spätere Schokoladenfabrik.“ Natürlich spielte auch Köln („ich liebe Karneval“) als Stadt eine große Rolle bei der „Story-Wahl“.

Eder

Schriftstellerin Rebekka Eder schuf einen opulenten Köln-Roman über Familie, Schokolade und Liebe. 

Im 19. Jahrhundert sei, so Rebekka Eder, die Stollwerck-Fabrik eine moderne Fabrik gewesen, „sehr innovativ für diese Zeit“. Für die Buchrecherchen tauchte die 33-jährige Autorin ins Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsarchiv ab, kontaktierte Mitglieder der Familie Stollwerck, sprach mit einem der damals legendären „Stollwerck-Mädchen“ – und verwob Zeitgeschichte mit Fantasie.

Aufbruch in ein fremdes Land. "Schokoladen-Mädchen" am Fließband bei Stollwerck in Köln in den 60er Jahren.

Die sogenannten „Stollwerck-Mädchen“ arbeiten in den 60er Jahren in der Kölner Schokoladenfabrik am Fließband.

Fakt ist, dass man bei „Stollwercks“ nicht mit Schokolade anfing, sondern mit Hustenbonbons. Schokolade, Printen und andere süße Spezereien stießen erst später hinzu.  „Franz Stollwerck war jemand, den wir heute als ‚Macher‘ bezeichnen würden: Neben seiner Süßwarenproduktion gründete er ein Kaffeehaus, ein Theater. Ließ sich von unternehmerischen Rückschlagen nicht bremsen“, sagt Rebekka Eder. Nicht umsonst bekam Franz Stollwerck den Beinamen „Kamelle-Napoleon“...

Köln anno dazumal: Gaslaternen und Rebellion

Und so bittersüß wie dunkle Schokolade sind auch die Ereignisse, die im 19. Jahrhundert über Köln hinwegfegen: „Die Aufstände während der Märzrevolution, die erste Kölner Eisenbahnfahrt, die Einweihung der Gaslaternen und natürlich der Weiterbau des Kölner Doms haben mich fasziniert“, sagt Rebekka Eder im EXPRESS.de-Gespräch. 

Ein weiteres Herzensthema der Germanistin und Journalistin sind die zarten Anfänge der Frauenbewegung, daher spielt auch die äußerst eigenständige Sibylle Mertens-Schaaffhausen eine wichtige Rolle: „Sie hat ganz anders gelebt.“ Offenbar, denn sie Kölnerin logierte meist fern ihres Gatten in Bonn und gab sich einer leidenschaftlichen lesbischen Beziehung hin... 

Nicht zuletzt hat die Autorin, deren Werk bunt wie ein Bonbonglas daherkommt, das „Wesen des Kölners an sich“ inspiriert: „Ich denke, der Kölner hat einen ganz eigenen Charakter: stark, fröhlich, für sich selber einstehend – aber auch aufbrausend.“ Und mit ein wenig Schokolade damals wie heute ganz schnell wieder zu beruhigen ... 

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