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Reaktionen zum Röggelchen-Skandal„Wie eine Kölschkneipe mit Altbier“

So lieben die Kölnerinnen und Kölner den Halven Hahn  - mit Röggelchen.  Ein halbes Roggenbrötchen ist mit einer Scheibe Käse, Zwiebelringen und Petersilie belegt.

Copyright: Stefan Worring

Halver Hahn

Der Röggelchen-Skandal erhitzt die Gemüter der Kölnerinnen und Kölner.

Der Halve Hahn ohne Röggelchen! In den Früh-Brauhäusern ist das seit dieser Woche Realität. Stattdessen gibt's ein Brauhausbrot. Unter anderem aus ökologischen Gründen, wie es seitens der Brauerei heißt.

Aber darf sich solch ein Klassiker verändern? Frank und Uwe Wolsbeck (beide 66), deren Stamm-Gasthaus das Früh „Em Golde Kappes“ ist, machten ihrem Ärger Luft– und trafen damit direkt ins kölsche Herz. Bei EXPRESS.de meldeten sich zahlreiche Leserinnen und Leser.

Halve Hahn ohne Röggelchen: Viele Kölner vermuten dasselbe

„Das geht gar nicht“, meinen Eveline und Heinz W. „Früh hat mit Stolz immer darauf aufmerksam gemacht, wie fein der Halve Hahn ist, da der Käse im eigenen Keller zur perfekten Reife gelangt, aber doch nur, wenn er sich mit einem Röggelchen vereinigt. Die perfekt knusprige Außenhülle des Röggelchens, der würzige Geschmack des Teigs – was für ein Geschmackserlebnis.“

Billig sei das ja auch nicht grade, das Vergnügen koste „ja fast schon acht Euro“. Das Paar ist überzeugt: „Die Gründe des Hauses Früh sind wirtschaftlicher Natur. Das Röggelchen muss nämlich frisch sein und nicht von gestern. Die Scheibe Brot darf ruhig mal von vorgestern sein. Warum mutet man diese Umstellung uns Kölnern und allen Kölnliebhabern zu?“

„Ein Halver Hahn ohne Röggelchen ist kein Wandel der Zeit, sondern Etikettenschwindel. Die Erklärung von Früh ist doch reine Augenwischerei“, kommentiert Frank S.

Früh hatte erklärt, man habe sich im Zuge der neuen Speisekarte bewusst dafür entschieden, den Gästen künftig ein eigens für sie entwickeltes Brauhausbrot anzubieten, das ihrem Anspruch an Geschmack, Qualität und sorgfältiger Herstellung entspräche.

Aber auch Frank S. meint, es gehe schlicht um Gewinnoptimierung: „Brot lässt sich billiger portionieren und Reste besser verwerten. Aber wird der ‚Halve Hahn‘ für den Gast dadurch günstiger? Garantiert nicht. Tradition zu Grabe tragen und dem Kunden das auch noch als Premium-Erlebnis verkaufen zu wollen, ist einfach nur dreist.“

„Kölsche Kultur einfach mit Füßen getreten“

Klaus sieht das ähnlich: „Geht gar nicht. Ich vermute, die sparen bei dem Brot.“ Auch für Andreas K. ist der Halve Hahn ohne Röggelchen unmöglich. Er ergänzt launig: „Vielleicht mit Altbier.“ „Hier wird zugunsten des Profits am Ur-Produkt, Röggelchen, gespart“, meint auch Michael S. „Ich vermute einmal mehr, dass wieder einmal ein junger dynamischer Manager errechnet hat, wieviel mehr Profit zu erreichen ist, statt Röggelchen 2 Scheiben Brot zu servieren.“

„Halver Hahn ohne Röggelchen ist das aller, aller Letzte!“, schreibt ein weiterer Leser. Bine B. wundert sich, wie sich Köln verändert: „Die Gäste in solche Überlegungen einzubinden, wäre auch eine Möglichkeit gewesen, aber warum auch.“ Michael K. findet: „Nicht alles Neue ist auch besser. Für mich als gebürtigen Kölner gehört zum  Halven Hahn ein 1/2 Röggelchen.“ Martina H. ist fassungslos: „Das geht überhaupt nicht mit Brot.“ Patrick T.: „Das ist bodenlos. Da wird die kölsche Kultur einfach mit Füßen getreten.“

Ein Halver Hahn mit Brot.

Copyright: EXPRESS Leserfoto

Beim Halve Hahn sucht man jetzt in den Kölner Früh-Brauhäusern das Röggelchen vergeblich.

„Nee, geht gar nicht. Ist die Bäckerei Voosen nicht in der Lage, auch für das Früh Röggelchen zu produzieren? “, fragt Martina K. provozierend. R. V. meint: „Hauptsache, die Kohle stimmt. Geschmack und Qualität kann man ja auch ganz weit unten ansiedeln. Zum Glück gibt es auch noch andere Brauhäuser.“ Auch Michael B. findet die Änderung „echt daneben“. Vosi zieht die Konsequenz: „Es gibt auch noch andere Brauhäuser, wo es nach wie vor Röggelchen als Halven Hahn gibt.“

„Das ist nicht das, was man erwartet, wenn man einen Halven Hahn bestellt“, stellt Tom M. klar. „Es wäre hilfreich, wenn die Verantwortlichen sich das Wort ‚Tradition‘ erklären ließen.“ Peter M. meint: „Nicht mehr bestellen. Dann gibt es auch bald wieder Röggelchen.“ Ein anderer Leserreporter schreibt: „Das geht einfach nicht – unfassbar, wie mit Traditionen umgegangen wird! Die Römer servieren ihre Carbonara auch nicht plötzlich mit Sahne – eher wird das Gericht komplett gestrichen. Dafür hab ich kein Verständnis!“

Leserreporter schlägt Umbenennung vor

„Wer die Kölsche Tradition mit Füßen tritt, sollte es entsprechend zu spüren bekommen. Man sollte mit den Füßen entscheiden und ab sofort alle Früh-Brauhäuser meiden“, so Michael N. Ein Leserreporter schlägt mit einem Augenzwinkern vor: „Dann soll Früh das Gericht eben umbenennen, vielleicht in ‚Früh’s Interpretation von kölscher Kultur‘.“

Auch für N.C. gehört das Röggelchen weiter zum Halven Hahn: „Auswärtige Freunde von uns freuen sich bei jedem Besuch auf Kölsch und Halve Hahn. Schade, dass hier eine solche Neuerung in Traditions-Brauhäusern Einzug gehalten hat.“ Für Werner U. gibt es keine Diskussion: „Frechheit. Zum Halve Hahn gehört ein Röggelchen. Punkt!“

Jürgen W.: „Halve Hahn ohne Röggelchen ist wie eine Kölschkneipe mit Altbier. Das grenzt ja schon an Kulturfrevel. Ist denen denn gar nichts mehr heilig? Da wird doch nur mal wieder an unserer Kultur gespart.“ Renate A. ist ebenfalls fassungslos: „Mein Mann und ich sind alte Kölner und sind immer sehr gern zu Früh gegangen, um den ‚besten Halven Hahn Kölns‘ zu essen. Nach dem leckeren Kölsch war das für uns der einzige Grund, dort hinzugehen. Wer denkt sich sowas aus? Den Touristen ist es wohl egal!“