Rätsel in Kölner Veedeln: Plötzlich tauchen edle Pflasterabschnitte auf. Die Stadt liefert eine simple Erklärung.
Flickenteppich in Kölner Veedeln?Rätsel um plötzlich aufgetauchte Luxus-Pflaster

Copyright: Martin Uhler
Der neu gepflasterte Gehweg in der Geibelstraße.
In zwei Kölner Stadtteilen tauchen wie aus dem Nichts edle Pflasterabschnitte auf. Ein teurer Scherz? Oder steckt mehr dahinter? Die Stadtverwaltung liefert eine überraschende Erklärung.
Verwunderung macht sich in Lindenthal und Sülz breit. Dort hat die Stadtverwaltung auf einmal Gehwegabschnitte von 20 bis 50 Metern Länge erneuern lassen. Die Anwohnenden stehen vor einem Rätsel angesichts dieser plötzlichen Baumaßnahmen. Betroffen sind Bereiche in der Geibelstraße sowie in der Sülzburgstraße.
Lindenthal und Sülz: Wilde Gerüchte in den Veedeln
In der Geibelstraße glänzt nun ein sorgfältig verlegter Pflasterbereich. Dieser neue Abschnitt kontrastiert stark mit dem sonstigen tristen Asphaltbelag des Gehweges. Auch die Spuren früherer Ausbesserungsarbeiten, ein unschönes Flickwerk, werden dadurch betont.
Ein ähnliches Bild bietet sich in der Sülzburgstraße. Nahe der Zülpicher Straße wurde ein Teil des Gehweges auf der Ostseite mit neuen Steinen ausgestattet. Die elegante Optik hebt sich deutlich von den umgebenden Asphaltbereichen ab.
Das sorgt für Gesprächsstoff unter den Leuten vor Ort. Ein Anwohner aus dem Umfeld der Geibelstraße überlegt laut: Lebt dort eventuell eine bekannte Persönlichkeit? Die Frage nach einer möglichen Sonderbehandlung steht im Raum.
In Sülz kocht die Gerüchteküche hoch. Einige vermuten, dass die Eigentümer der frisch sanierten Luxusimmobilien in der Nähe für den edlen Bürgersteig selbst in die Tasche gegriffen haben könnten. Es entsteht der Eindruck eines exklusiven Vorplatzes, der nur für eine bevorzugte Gruppe von Anwohnern angelegt wurde.
Die simple Wahrheit hinter dem Pflaster-Rätsel
Die Anwohnerschaft kann sich keinen Reim darauf machen, weshalb die Verwaltung eine derartige Flickschusterei betreiben würde.
Die Lösung des Rätsels ist jedoch simpler als vermutet. Eine Vertreterin der Stadtverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass an beiden Standorten, der Geibel- und der Sülzburgstraße, lediglich beschädigte Gehwegbereiche instand gesetzt wurden.
Die Sprecherin der Stadt erklärte dazu gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Gehwege werden im Zuge von solchen Reparaturarbeiten in der Regel in Pflaster wiederhergestellt“. Sie fügte hinzu: „Das hat den Hintergrund, dass spätere Verlegungen von Versorgungsleitungen in Pflasterflächen auf Gehwegen nicht mehr zu erkennen sind, in Asphaltflächen aber viele Flicken hinterlassen.“
Es gibt aber noch eine zweite, finanzielle Ursache für die Bevorzugung von Pflastersteinen, wie die Stadt mitteilt. „Aufgrund der stark gestiegenen Preise von Asphalt ist der Einbau von Pflaster zudem mittlerweile in der Regel günstiger als eine Asphaltsanierung“, führt die Sprecherin aus.
Komplette Sanierung? Das wird noch dauern
Ohnehin sei die Verwendung von Asphalt für Bürgersteige gemäß dem städtischen Gestaltungshandbuch nicht mehr aktuell. In dem Dokument steht: „Der allgemeine Gehwegbereich ist seit Jahrzehnten mit Beton-Gehwegplatten ausgebildet worden“.
Weiter heißt es in der Erklärung: „Diese Platten zerbrechen unter den heutigen Belastungen schnell und sind schwer instandzuhalten. Daher wurde ein ‚Stadtstein‘ zum Standard erhoben, der zusätzlich über die Jahre farbstabil bleibt.“
Es wird jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bevor komplette Straßenzüge ein neues, ansehnliches Pflaster erhalten. „Eine flächendeckende Pflasterung erfolgt in der Regel im Zuge umfassender Straßen-Generalsanierungen oder wenn sich Schäden weiter häufen“, teilt die städtische Sprecherin mit. „Sollten vereinzelte Schadstellen weiter auseinanderliegen, schließt die Stadt Köln neue Pflasterarbeiten stets logisch an bereits bestehende Pflasterflächen an, um ein möglichst zusammenhängendes Stadtbild zu gewährleisten.“
Für die Menschen in der Geibelstraße und der Sülzburgstraße ändert sich vorerst nichts. Sie müssen weiterhin mit den kurzen, neu gestalteten Abschnitten auf ihren Bürgersteigen leben. (red)
