Köln – Er schrieb schon mehrfach Schlagzeilen. So sorgte er dafür, dass das Kölner Landgericht wegen eines weißen Pulvers geräumt wurde. Das brachte ihm den Spitznamen „Pulverteufel“ ein. Jetzt steht 50-Jährige erneut vor Gericht, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Erpressung – diesmal allerdings als Pulverteufelin.
- Pulverteufel wird vor Kölner Landgericht der Prozess gemacht
- Köln: Anklage unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Erpressung
- Markus T. sieht sich jetzt als Frau
Kölner Landgericht: „Pulverteufel“ möchte inzwischen als Frau angesprochen werden
Sein Mandant sei inzwischen weiblich, erklärt Verteidiger Christian Mertens, und wolle als Frau angesprochen werden. Allerdings habe Markus T. keine Personenstandänderung vornehmen lasse und würde sich weiterhin Markus nennen. Mertens: „Sie sagt aber, dass sie als Frau leben und sich so auch verwirklichen möchte.“ Seine Mandantin habe ein Gewerbe als Prostituierte eintragen lassen.
Im aktuellen Prozess, der am Dienstag (25. Mai) begann, wird Markus T. als angeklagte Person oder als Frau benannt. Die Anklage gegen Frau T. ist lang – insgesamt 14 Tatvorwürfe.
Unter anderem soll sie einen Wachtmeister des Landgerichts in einem Gerangel gebissen und weiterhin einen JVA-Beamten fälschlicherweise bezichtigt haben, bestechlich gewesen zu sein. Auch soll sie im Verwaltungsgericht Fensterscheiben und den davor liegenden Gehweg mit Farbe besprüht haben. Ebenso einen Pkw. Als dessen Fahrer ausstieg, soll sie ihn angefahren haben. Später soll sie den Geschädigten angerufen haben, um ihn zur Zahlung von 5000 Euro zu überreden.
Bei Prozessauftakt in Köln: Markus T. bei Betreten des Gerichts festgenommen
Wegen letzterem Vorwurf war Markus T. im März in U-Haft gekommen – Verdunkelungsgefahr! Die 50-Jährige kam aber wieder auf freien Fuß. Als sie jedoch zum aktuellen Prozessauftakt am Dienstag (25. Mai) das Gericht betrat, wurde der Haftbefehl wieder in Kraft gesetzt. T. wurde an der Sicherheitsschleuse von Polizisten festgenommen und in den Gerichtssaal geführt. Seit dem Tag sitzt die Pulverteufelin wieder in U-Haft.
Für den Prozess, der vor der 1. Großen Strafkammer stattfindet, sind bis Mitte August insgesamt 13 Verhandlungstage angesetzt. Am Donnerstag (27. Mai) ging es laut Christian Mertens vor Gericht um Sprühkreide – und inwieweit diese auf Glas und Stein reagiert.
Denn Markus T. soll damit im und vor dem Verwaltungsgericht rumgesprüht haben. Weil man die Farbe angeblich wieder entfernen könne, sei das aus Sicht seiner Mandantin keine Sachbeschädigung, erklärt Verteidiger Mertens.
Köln: „Pulverteufel“ wurde 2018 auf Weg zum Prozess mit weißem Pulver erwischt
Die 50-Jährige aus Leverkusen stand erst im Sommer letzten Jahres vor Gericht. Unter anderem, weil sie im April 2018 auf dem Weg ins Kölner Landgericht, wo sie sich einem Stalking-Prozess stellen musste, mit weißem Pulver erwischt worden war. Damals noch als Mann.
Das Pulver löste einen Großeinsatz aus und stellte sich später als Traubenzucker heraus. Im Dezember fiel das Urteil, dabei ergriff Markus T. das letzte Wort – und redete sechs Stunden lang! Wegen Prozessverschleppung wurde ihr schließlich das Wort entzogen. (iri)


