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Neuer Chef Kölner Maritim-Boss Perdekamp voller Vorfreude: „Fiebern dem Tag entgegen“

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Henrik Große Perdekamp, Chef des Kölner Maritim, am 27. Mai 2021 im Hotel am Heumarkt.

Köln – So hat er sich das alles sicher nicht vorgestellt: Henrik Große Perdekamp (58) wurde im Februar Chef des glanzvollen Maritim am Heumarkt, des größten Kölner Hotels (454 Zimmer und Suiten mit 800 Betten) – und hat seitdem noch nicht einmal sein Haus auf Hochtouren erlebt. Und obwohl die Corona-Ampel langsam auf Gelb übergeht, ist noch nichts sicher. Wie sieht da seine erste Köln-Bilanz aus? EXPRESS traf den Hotel-Manager in seinem ansonsten menschenleeren Riesenhotel - natürlich erst nach dem Corona-Check in der öffentlichen Maritim-Teststation.

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EXPRESS: Wie war es, in Corona-Zeiten das große Maritim zu übernehmen?
Henrik Große Perdekamp: Unglaublich bizarr. Als ich kam, war alles wie gelähmt, keiner wusste, was wann wie weitergeht. So wie man es in Lockdown-Zeiten erwarten muss! Mein Vorgänger kannte diesen Zustand bereits ein Jahr, ich weiß jetzt seit fast vier Monaten, wie es ist. Ich kannte das Haus vorher als Gast und Kollege, und immer war viel zu tun und viel Leben. Und jetzt? So leer wie mittags um 15 Uhr ist es sonst nicht mal nachts um drei.

Es sieht ja so aus, als sei das bald Vergangenheit...
Wir fiebern dem Tag entgegen. Es herrscht eine unglaubliche Aufbruchstimmung. Wir wollen unbedingt wieder arbeiten und unsere Gäste begrüßen!

Haben Sie eine große Welcome-Party geplant?
Nein. Wir wollen den Ball flach halten – es wäre fatal, wenn wir die Korken knallen ließen und uns alle in den Arm nähmen, und zwei Wochen später müssten wir wieder schließen.

Glauben Sie, dass es in den Kölner Hotels nach Corona wieder so wie vorher sein wird?
Ich denke, es wird anders sein und dass sich der Gästekreis ändert. Die Fragen sind dann, ob es noch so viele Messen wie vorher gibt, ob die noch die alte Bedeutung haben werden, und ob das Kongressgeschäft noch so groß sein wird wie einst.

Sie tragen einen ungewöhnlichen Namen – wie oft haben Sie den schon erklären müssen?
Das passiert fast jedes Mal bei einem neuen Gesprächspartner - es sei denn, der kommt aus Westfalen, dann muss ich nichts erklären. Also: Ich bin zwar ein typischer Ostwestfale, gebürtiger Paderborner, aber der Name kommt aus dem nördlichen Ruhrgebiet und Münsterland, in dem es neben dem „Groß“ auch den „Klein“ gibt. Er bedeutet Große Pferdewiese, und damit kann man davon ausgehen, dass meiner Vorfahren was mit Landwirtschaft zu tun hatten.

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EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher mit Maritim-Chef Henrik Große Perdekamp am 27. Mai 2021.

Woher kam Ihr Interesse am Hotel-Leben?
Meine Eltern hatten in Paderborn ein Hotel und Restaurant, ursprünglich wollte ich das übernehmen, bis ich den Weg in die Konzern-Hotellerie gefunden habe. Ich bin viel unterwegs gewesen, und eines Tages konnte ich mir nicht mehr vorstellen, nach Ostwestfalen zurückzugehen. Nach meinen Jobs in der Schweiz und dann für zwei Jahre in London erschien mir die Welt in Paderborn doch sehr klein.

Ihre Reise durch die Hotels der weiten Welt endete schließlich im Dunstfeld von Köln - erst kam Königswinter, dann Bonn und jetzt der Heumarkt. Hatten Sie das so geplant?
Das war zwar ein reiner aber ein sehr schöner Zufall. Meine Frau ist Kölnerin, und wir wohnen schon seit 18 Jahren, seit der Zeit in Königswinter, in Köln. Ich kenne die Stadt aber schon länger – ich habe von 1988 bis 1990 im Dom-Hotel gearbeitet und damals in der Südstadt gelebt, ehe ich einen anderen Weg beim Maritim einschlug.

Was hat Köln für Sie, was andere Städte nicht haben?
Ich war und bin sehr beeindruckt von der Offenheit und der spürbaren Toleranz in der Stadt. Als ich über die Schweiz und London hierher kam, war ich multíkulti gewohnt und habe das in Köln wieder erlebt. Damals wurde Köln gerade zur Medien-Metropole, man spürte den Aufbruch, die Stadt schien zu beben. Köln war wie London.

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Die AfD will am 23. und 24. April ihren Bundesparteitag im Kölner Maritim-Hotel abhalten. Dagegen regt sich Widerstand. 

Ihre Heimatstadt Paderborn ist in Köln gerade sehr im Gespräch – denn Steffen Baumgart, der bisherige sehr erfolgreiche Trainer des FC Paderborn, wird neuer FC-Trainer.
Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Als Paderborner blutet mir das Herz. In den vier Jahren, die er in Paderborn war, hat er mit den wenigen personellen und finanziellen Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung standen, unglaublich viel Gutes aufgebaut. Aber als Wahl-Kölner freue ich mich natürlich, dass er hier gelandet ist – Steffen Baumgart wird dem FC guttun. Super, dass der FC in der ersten Liga bleibt. Denn da gehört er hin. So habe ich mit Paderborn einen Verein in der 2. und mit dem FC einen in der 1. Liga.

Wenn Sie Besuchern die Stadt zeigen – was steht ganz oben auf Ihrer Liste?
Ich führe sie immer zuerst zum und in den Dom, was ja auch für mich immer ein schöner Grund ist, reinzugehen. Ich liebe die unglaubliche Atmosphäre und bewundere jedes Mal das tolle Richter-Fernster. Und dann zeige ich ihnen gern das Gegenbeispiel zur Kölner City – das Rheinufer in Rodenkirchen. Die „Riviera“ ist ein Beispiel für den ganz besonderen Reiz von Rodenkirchen – ein wunderschöner Ort ganz nahe der turbulenten Metropole.

Wo Licht ist, ist auch Schatten: Was ist in Köln verbesserungswürdig?
Ich ärgere mich immer wieder über die löchrigen Straßen und die mangelnde Sauberkeit. Überall sind Fahrbahnen und Radwege kaputt, selbst mitten in der Stadt, da wo dat Hätz vun Kölle schlägt, sehe ich gruselige, schmutzige und stinkende Ecken. Das ist für eine Metropole wie Köln, die so sehr von Besuchern lebt, keine Werbung.

Sie sind von Beruf Gastgeber – wie schätzen Sie sich selbst als Gast ein?
Ganz normal. Ich weiß ja, dass es nicht immer so toll läuft wie es laufen müsste. Jeder Hausfrau und jedem Koch kann ein Essen misslingen. Mich ärgert nur, wenn jemand unfreundlich zu mir ist. Ein versalzenes Essen regt mich nicht ein Zehntel so auf wie eine Unhöflichkeit.

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